Zerstritten, verfeindet: Petry und die AfD-Führung

Eine weitere Spaltung überlebt die AfD nicht

Der Verzicht Petrys auf die Spitzenkandidatur bei der Bundestagswahl ist logische Folge der Einsicht, dass ihr auf dem Kölner Bundesparteitag ein ähnliches Schicksal wie Lucke gedroht hätte. Die AfD ist eine im Kern zügellose Partei, deren Führung untereinander zerstritten, wenn nicht verfeindet ist. Was sie zeitweise eint, ist Machtgier und Verachtung fürs angeblich arrogante Establishment.

Zerstritten, verfeindet: Petry und die AfD-Führung

Um selbst konstruktiv Politik zu machen, ist das viel zu wenig. Frauke Petry mag sich einbilden, sie könne sich durch ihren Rückzug noch eine Weile an der AfD-Spitze halten. Sie mag weiter an ihrem Trugbild pinseln, die AfD stehe für eine konservative, aber gefestigt demokratische Alternative. In Wahrheit rühren andere längst im braunen Farbtopf. Und das bleibt nicht verborgen. Thomas Fricker – Badische Zeitung

Danke, Frauke Petry

Lucke, Henkel, Petry, Höcke – Chaos. Die AfD ist mit dem einstweiligen Rückzug von Frauke Petry aus der Frontposition da angekommen, wo sie hingehört: Aus einer professoralen Altherrenriege zur Bekämpfung des Euro ist ein Club nationalistischer Polit-Zocker geworden. Es geht der Partei nicht um die Beeinflussung von Politik im Rahmen der parlamentarischen Demokratie, sondern ausschließlich um Provokation, um persönliche Macht und Pfründe und um den radikalen Verzicht auf den zivilisierten Umgang mit Verantwortung. Beinah muss man der Polit-Solistin Petry dankbar sein, so kurz vor dem Kölner Parteitag und in Sichtweite der Bundestagswahl einen Paukenschlag gesetzt zu haben. Diese „Alternative“ für Deutschland strebt nicht nach Gestaltung. Sie macht aber in ihrem erreichten Zustand die als „Alt-Parteien“ verhöhnte parlamentarische Konkurrenz zu möglichen Gewinnern. Vorausgesetzt, sie haben die Lektion der vergangenen AfD-Jahre begriffen: Zuhören, nachdenken, Lösungen versuchen, selbst wenn es schwerfällt. Das mag altmodisch klingen, aber nur so geht es seriös voran.

Petry hat erklärt, die neuen Mächtigen in ihrer AfD sind dazu nicht willens, nicht fähig. Man sollte sie beim Wort nehmen. Die Zeit der billigen Ausflucht, aus Frust über Merkel, aus Ärger über Multi, aus Gleichgültigkeit gegenüber Europa, ist vorbei. Wer Volksgenosse von Höcke und Co. sein will, der muss nun endgültig wissen, worauf er sich einlässt. Dabei ist es gleichgültig, ob Frau Petry einen letzten Schachzug versucht, den offen rechtsextremen Weg einiger zu stoppen, oder ob sie sich nur aus gekränkter Eitelkeit aus dem Spiel nimmt. Der verbliebenen Funktionärstruppe ist das Wohlergehen des Staates egal. Die AfD geht den Weg aller Sektierergruppen: nach der Spaltung ist vor der Spaltung. Wer immer sich jetzt mit der Frage beschäftigt, ob Politik verändert werden soll, kann nicht im Ernst glauben, Bernd Höcke und Alexander Gauland seien die vernünftigere Alternative. Konservative Realpolitik findet außerhalb der AfD statt, jedenfalls nicht bei Leuten, die nur so tun, als ginge es um ein seriöses Teamspiel. Seit gestern ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass die AfD sich selbst zertrümmert – oder dass konservative Realpolitiker zur Besinnung kommen. Danke, Frauke Petry. Selbst wenn es nur ein allerletzter Trick aus der Kiste gewesen sein sollte. Neue Westfälische

Eine weitere Spaltung überlebt die AfD nicht

Minuten nach Veröffentlichung ihrer Videobotschaft ging es schon los: „Der Anfang vom Ende der AfD“, „Ohne Frau Petry keine AfD“, „Die AfD wird untergehen“, so die Kommentare. Immer wieder mussten Petrys Mitarbeiter erklären, dass sie sich weder gänzlich verabschiedet noch die Partei aufgelöst wird. Petry bleibe Chefin und werde in den Bundestag einziehen. Damit ist klar: Die Machtkämpfe gehen weiter, treten womöglich in einer Bundestagsfraktion zutage – falls es noch dazu kommt. Petry besteht auf ihrem „Zukunftsantrag“, den (Stand gestern) gerade mal 1630 von mehr als 25.000 Mitgliedern unterzeichnet haben. Nicht nur der, auch die Höcke-Unterstützer könnten ihr auf dem Parteitag am Wochenende zum Verhängnis werden, sollten sie seinen Ausschluss stoppen können. Eine Neuwahl des Bundesvorstands wäre die logische Konsequenz. Und wohl auch: Petrys Aus. Erneut antreten würde sie wohl kaum. Rechtsnationale um Gauland und Höcke bekämen die Oberhand, verlören aber viele bürgerliche Anhänger Petrys. Die Fünf-Prozent-Hürde bei der Bundestagswahl würde womöglich zum Riesenhindernis. Und das kann gerade die ehrgeizige Frauke Petry nicht wollen. Rheinische Post

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