Amerika hat die Wahl: Clinton gegen Trump

Hillary Clintons Vorsprung schwindet

Wer gewinnt in den USA die Wahlen nach dem hitzigen und schmutzigen Wahlkampf? Und wie ist der Wahlausgang zu beurteilen? Wird alles glatt und ruhig verlaufen? Was bedeutet das Wahlergebnis für den Rest der Welt? Was offenbaren die Kandidaturen dieser beiden über den Zustand des Landes und seines Zwei-Parteiensystems? Wohin will die junge Generation, die sich für keinen der beiden Kandidaten entscheiden kann? Lässt sich der Plan Clintons, bis 2025 aus der Kohle auszusteigen, realisieren? Und ist Trumps Idee, eine Mauer zu Mexiko zu bauen, umsetzbar?

Amerika hat die Wahl: Clinton gegen Trump

Im Wahlkampf 2011 sagte eine Strategin der Republikaner auf die Frage, warum ihre Partei keine Frau ins Rennen gegen Barack Obama schickt: „Wir werden doch keine Minderheit gegen eine andere Minderheit antreten lassen.“ Eine bezeichnende Aussage für den Zustand der USA, damals wie heute. Die USA hatten acht Jahre lang einen Afroamerikaner im Weißen Haus, in Zukunft vielleicht eine Frau. Es ist diese Aussicht, die einen nicht unerheblichen Teil der Amerikaner dazu tendieren lässt, Donald Trump zu wählen. Sein Amerika ist das vor dem Wandel, das keine Wirtschaftskrise und keinen Bedeutungsverlust erlebt hat, das immer noch oder wieder die Weltmacht sein möchte, die es in den 1980ern noch war. Im Duell Clinton-Trump offenbart sich die Identitätskrise, in der die Vereinigten Staaten stecken. Sie zu lösen ist die größte Herausforderung für das Land – und eine, die weder Clinton noch Trump meistern werden. Christian Kucznierz – Mittelbayerische Zeitung

Mehr als eine Milliarde Dollar wird jeder Präsidentschaftskandidat schätzungsweise bis zum Wahltag ausgegeben haben – zwei Milliarden Dollar für die unbeliebtesten Kandidaten, die es in den USA bisher gegeben hat. Die Wut auf „die da oben“ ist auch gewachsen, weil Politik in den USA für viele vorrangig zum Kampf der Milliardäre um politischen Einfluss geworden ist, bestimmt von Großspendern in beiden politischen Lagern. Wall Street und Industrie-Giganten nutzen ein politisches System aus, das dafür extrem anfällig ist: Vom Sheriff über Abgeordnete bis zum Präsidenten sind die Kandidaten in ihren Wahlkämpfen auf private Spenden angewiesen.

Die Ernüchterung am Ende einer Präsidentschaft, die vor acht Jahren mit großen Hoffnungen und dem Friedensnobelpreis begann, beschreibt die Dokumentation „Barack Obama – die unvollendete Präsidentschaft“.

Zwar beendete er Amerikas Kriege und führte eine Krankenversicherung für alle ein. Doch dem stehen ein erstarkter Rassismus, der wirtschaftliche Abstieg der Mittelschicht und der Aufstieg der Terrormiliz IS gegenüber. ZDF Presse und Information

Kopf oder Zahl

Ausgelaugt und gespalten gehen die Amerikaner auf die Zielgerade ihrer Präsidentenwahl. Dieser Wahlkampf hat eine geradezu zerstörerische Wirkung, weil er so heftig geführt wird und weil er der bizarrste – so bezeichnen ihn nahezu alle Beobachter – in der bisherigen US-Geschichte ist. Augenfällig ist, dass dieser Wahlkampf nicht nur die Anhänger der Republikaner und Demokraten gegeneinander aufbringt, sondern auch die Parteien in sich zerreißt. Ein Auswahlsystem für das politische Personal kommt an seine Grenzen. Am deutlichsten passiert dies in der republikanischen Partei. Der Kandidat Donald Trump entzweit Amerikas Konservative. Nachdem vor der zweiten TV-Debatte Trumps frauenverachtende Äußerungen enthüllt wurden, wandten sich einige Parteigranden angeekelt von dem Immobilienmogul ab. Trump erklärte der Parteiführung daraufhin den „Bürgerkrieg“.

Manche US-Beobachter erinnert die Zerreißprobe der Republikaner an das Jahr 1854. Damals spaltete sich ein progressiver Flügel von den konservativen Vorgängern ab, weil diese weiter Sklaven halten wollten. In der New York Times schreibt der einflussreiche Kolumnist Tom Friedman, dass gerade eine ähnliche Allianz der rückwärtsgewandten Kräfte zu beobachten sei. Friedman sieht eine Mischung aus Waffennarren, Tea-Party-Fanatikern, Leugnern des Klimawandels und Rassisten, die dazu führt, dass die republikanische Partei nicht wiederzuerkennen ist. Stand sie einmal für Freihandel und eine internationalistische Außenpolitik, wettert Trump genau dagegen. Nicht nur Kolumnisten wie Friedman machen sich deshalb Sorgen darüber, wie die USA ohne vernünftige Republikaner funktionieren soll. Eine Partei, die marktorientiert denkt und nicht immer alles dem Staat überlasse, sei notwendig, werfen sie ein. Andererseits ist Trump aber auch nicht wie ein Unwetter von außen über die Republikaner hereingebrochen. Die Krise ist hausgemacht, weil sich die Partei in die Geiselhaft der Tea-Party-Bewegung begeben hat. Deren biblisch-verquere Weltsicht ist immun gegen Zweifel und Argumente. Durch sie ist es unmöglich geworden, im Kongress Kompromisse auszuhandeln.

Davon aber lebt ein demokratischer Prozess. Die Kandidatur Trumps ist die Fortsetzung dieses Wandels der republikanischen Partei. Trump hetzt, schimpft – und spaltet. Nun droht die einst stolze Grand Old Party von Abraham Lincoln nicht nur das Rennen ums Weiße Haus zu verlieren, sondern auch ihre Senatsmehrheit. Warum Trump trotzdem noch immer an der Spitze der republikanischen Liste steht? Nun, der Milliardär ist durch das reguläre Auswahlverfahren der Partei ganz ordnungsgemäß zum Kandidaten gekürt worden. Mit Sicherheit spielt auch eine Rolle, dass sich die Partei einen Bruch noch nicht leisten kann. Über eine mögliche Spaltung wird zwar spekuliert, doch unklar ist, welcher Seite sich in so einem Fall die wichtige Geldgeber zuwenden würden. Und nur die Seite, zu der das Geld fließt, würde politisch überleben. Die Demokraten könnten der lachende Gegenspieler sein.

Zu denken, sie seien das funktionierende Gegenmodell zu den Republikanern, wäre aber ein Trugschluss. Auch die Demokraten haben eine extrem unpopuläre Kandidatin auf ihr Schild gehoben. Auch hier gilt, dass sich viele Anhänger nur schwer mit ihr anfreunden können. Hillary Clinton liegt zwar derzeit in den Umfragen vorne. Doch in diesem Wahlkampf ohne gleichen ist nichts sicher. Ausgeschlossen ist es jedenfalls nicht, dass sich kurz vor Schluss nochmals alles dreht. Sicher ist nur eines: Amerika wird so schnell nicht zur Ruhe kommen. Christine Straßer – Mittelbayerische Zeitung

Eine Woche vor der US-Wahl: Hillary Clintons Vorsprung schwindet – world

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