COP21 startet in Paris – Erderwärmung begrenzen

Reichere Staaten zu größeren Anstrengungen gefordert

Es werden über 50.000 Besucher auf der Veranstaltung erwartet, die vom französischen INPI in Zusammenarbeit mit COP21, der UN-Klimakonferenz abgehalten wird.

COP21 startet in Paris – Erderwärmung begrenzen

Bundeskanzlerin Angela Merkel hofft, dass der Weltklimagipfel in Paris ein Abkommen zur CO2-Reduzierung mit einem regelmäßigen Überprüfungsmechanismus beschließt. Sehr viele Staaten hätten im Vorfeld des Gipfels eigene Reduktionsziele bei den CO2-Emissionen vorgeschlagen, erklärt Merkel.

Aber diese Vorschläge führten noch nicht zum Ziel der Zwei-Grad-Begrenzung. Die Bundeskanzlerin fordert deshalb verbindlich verabredete Folgeprozesse. Wenn man das erreiche, sei zumindest ein Pfad eingeschlagen, der „noch glaubwürdig vervollständigt werden“ müsse, aber ein Anfang wäre gemacht.

Weltklimagipfel: Merkel hofft auf verbindliche Verabredungen

Ohne Handeln der Schwellenländer sei das Zwei-Grad-Ziel gar nicht mehr zu erreichen, sagt die Bundeskanzlerin. Sie begrüße deshalb sehr, dass China mit 2030 jetzt zum ersten Mal einen Reduktionszeitpunkt genannt habe. Damit sei ein neuer Zeitabschnitt eingeläutet. Die Industrieländer hätten die Aufgabe, Technologien zu entwickeln, von denen dann auch Schwellen- und Entwicklungsländer Gebrauch machen könnten. China und Indien schlügen beim Ausbau der erneuerbaren Energien „einen anspruchsvollen Weg“ ein. Mit beiden Staaten arbeite Deutschland auf diesem Gebiet zusammen, erläutert Merkel.

Die Bundeskanzlerin bekennt sich ausdrücklich zur Finanzierung von Klimaschutzprojekten und Anpassungsvorgängen, um Fluchtbewegungen durch den Klimawandel zu verhindern. Merkel weist zum einen auf die Zusage der Industriestaaten hin, ab 2020 jährlich 100 Milliarden US-Dollar für solche Projekte zur Verfügung zu stellen, zum anderen auf eine Initiative im Rahmen der deutschen G7-Präsidentschaft. Dabei geht es um eine verbesserte Klima-Risiko-Versicherung, die 400 Millionen Menschen – gerade in Afrika – Schutz in Schadensfällen bieten soll.

Die Bundeskanzlerin widerspricht dem Vorwurf, Deutschland verspiele seine Chance, Vorbild für eine nachhaltige Entwicklung zu sein. Merkel verweist auf das „Aktionsprogramm Klimaschutz 2020“, das hundert „zum Teil sehr weitgehende Maßnahmen“ enthalte – gerade auch zur Reduktion der Kohleverstromung. Die Kohle bleibe noch für längere Zeit ein Pfeiler der deutschen Energieerzeugung, aber immerhin sei erreicht, dass die erneuerbaren Energien jetzt schon die größte Säule seien.

Auf dem Verkehrssektor, räumt Merkel ein, habe Deutschland zwar anspruchsvolle CO2-Minderungsziele für die Automobile, allerdings „noch viel zu tun“. Das Ziel, bis 2020 eine Million Elektrofahrzeuge auf der Straße zu haben, sei nur durch „zusätzliche Förderungen“ erreichbar. Merkel wörtlich: „Darüber reden wir.“ Auch im Bereich der Energieeffizienz könne man noch mehr tun, so die Bundeskanzlerin. Sie sei sehr unzufrieden, dass es nicht gelungen sei, „eine steuerliche Förderung der Gebäudesanierung hinzubekommen“. Der Altbaubestand sei noch ein „schlafender Riese“, was die CO2-Emissionen angehe. „Ich hoffe, dass uns da in Zukunft doch noch was gelingt“, sagt Merkel. Deutsche Bundesregierung

Hubert Weiger, der Vorsitzende des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), verlangt zum Start der Weltklimakonferenz in Paris von den Industriestaaten eine aktivere Rolle bei den Verhandlungen über einen neuen globalen Klimaschutzvertrag. Diese Staaten seien nicht nur für einen Großteil der aktuellen CO2-Emissionen verantwortlich, sondern auch für den größten Teil der in der Vergangenheit ausgestoßenen Klimagase.

„Taten statt Worte beim Klimaschutz – die Weltgemeinschaft erwartet, dass dieses Signal aus Paris kommt. Beim Ausstieg aus fossilen Energien müssen jene Staaten vorangehen, die ihre Industrien auf Kosten des Klimas ausgebaut und dabei am meisten Klimagase ausgestoßen haben“, sagte der BUND-Vorsitzende in Paris.

Die Analyse der zur Pariser Konferenz eingereichten nationalen Klimaschutzpläne belege, dass die meisten davon nicht ausreichten, um die Erderwärmung wirksam zu begrenzen. „Die Klimaschutzpläne der EU und der USA sind mittelmäßig bis mangelhaft, die von Kanada und Japan völlig unzureichend“, kritisierte Weiger. „Kanada setzt wie Japan auf die klimaschädliche Kohleverstromung, die EU hat zu schwache Ziele beim Ausbau erneuerbarer Energien und bei der Steigerung der Energieeffizienz. Großen Nachholbedarf beim Klimaschutz haben auch die USA, vor allem wegen des hohen Pro-Kopf-Ausstoßes von etwa 16 Tonnen Kohlendioxid pro Einwohner und Jahr“, so der BUND-Vorsitzende. „Vor allem diese Staaten müssen ihre Anstrengungen verstärken, um einen fairen Anteil an der Minderung der Treibhausgase zu leisten“, sagte Weiger.

Entscheidend für den Erfolg des Weltklimagipfels in Paris seien auch Finanzierungsfragen. Zu Recht forderten vom Klimawandel besonders betroffene Staaten mehr Hilfen bei der Bewältigung von Klimaschäden.

„Ärmere Länder müssen Schutzmaßnahmen gegen die Folgen des Klimawandels finanzieren und eine Energieversorgung mit erneuerbaren Energien aufbauen. Dabei müssen die reicheren Länder ihnen helfen. Das Gerechtigkeits-Thema muss in Paris dringend einen höheren Stellenwert bekommen. Ohne eine gerechte Aufgabenverteilung beim Kampf gegen den Klimawandel und bei der Übernahme der Lasten wird es keinen Klimavertrag geben“, warnte der BUND-Vorsitzende. www.bund.net

Reichere Staaten zu größeren Anstrengungen gefordert

Tschimpke: Deutschland muss in EU wieder Führungsrolle beim Klimaschutz einnehmen – naturverträgliche Energien ausbauen – Intakte Wälder und Moore sind wichtiger Beitrag zum Klimaschutz – Klimaziele auch für Flugverkehr und Schifffahrt

Vom 30. November bis 11. Dezember findet in Paris die 21. Vertragsstaatenkonferenz der UN-Klimarahmenkonvention (UNFCCC COP 21) statt. Dort soll über ein neues Weltklimaabkommen verhandelt werden. „Paris wird zeigen, ob die Staatengemeinschaft Klimaschutz ernst nimmt. Die Klimaziele können wir nur noch erreichen, wenn alle Staaten nachlegen und zwar schnell. Wir brauchen eine regelmäßige Überprüfung der Klimaschutzbeiträge und Ziele, und zwar mindestens alle fünf Jahre – sonst können wir nicht mehr rechtzeitig nachsteuern“, sagte NABU-Präsident Olaf Tschimpke zum Start der Weltklimakonferenz. Unter anderen blockiere hier die EU, die die ohnehin viel zu schwachen Ziele bis zum Jahr 2030 nicht wieder aufschnüren und nachbessern wolle. „Wir erwarten, dass Deutschland innerhalb der EU wieder eine Führungsrolle in Sachen Klimaschutz einnimmt“, so Tschimpke weiter. Der NABU spricht sich für ein EU-Klimaschutzziel von minus 55 Prozent CO2 bis 2030 im Vergleich zu 1990 aus. Der Anteil erneuerbarer Energien müsse auf 45 Prozent erhöht und die Energieeffizienz massiv gesteigert werden.

Der NABU fordert weiterhin, dass Landnutzung, weltweit für die zweitmeisten Emissionen verantwortlich, eine gewichtige Rolle im Abkommen haben muss. Auch drohen die Emissionen aus dem internationalen Flug- und Schiffsverkehr gar nicht erst berücksichtigt zu werden. Der Flugverkehr ist für fünf Prozent, der Schiffsverkehr für drei Prozent der weltweiten CO2-Emissionen verantwortlich. Außerdem fordert der NABU, dass Anpassungsziele vereinbart werden, um die Folgen des Klimawandels auf Ökosysteme zu verringern. Alle Klimaschutzmaßnahmen müssen naturverträglich sein. Denn der Erhalt von Wäldern und Mooren sowie eine nachhaltige Landnutzung machen Ökosysteme nicht nur insgesamt widerstandsfähiger gegen den Klimawandel, sondern intakte Wälder und Moore binden auch klimaschädliche Treibhausgase. Auch müssen ausreichend Finanzierungangebote für die ärmsten Länder zur Verfügung stehen und klimabedingte Schäden und Verluste durch das Abkommen anerkannt werden.

„Die Sicherung der Lebensgrundlagen der Menschen in den ärmsten Ländern ist eine Grundvoraussetzung. Ein wirksames weltweites Klimaschutzabkommen wird auch dazu beitragen, Naturkatastrophen vorzubeugen und Konflikte um immer knapper werdende Ressourcen und Wasser weltweit zu entschärfen“, so Tschimpke weiter.

Nicht zuletzt müssen sich alle Vertragsstaaten darauf einigen, dass die Klimaerwärmung soweit wie möglich unter zwei Grad begrenzt wird. Um dieses Ziel zu erreichen, ist eine Dekarbonisierung der Weltwirtschaft bis 2050 notwendig. Bis dahin muss die Energieversorgung umgebaut sein, verbunden mit dem Verzicht auf fossile Energieträger wie Kohle, Öl und Gas und der Umstellung auf naturverträgliche erneuerbare Energien.

„Der Vorstoß von Bundesumweltministerin Barbara Hendricks, noch diese Legislaturperiode den Kohleausstieg zu planen, kann ein gutes Signal zur Klimakonferenz senden, sofern Bundeskanzlerin Angela Merkel und Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel der Umweltministerin zum Beginn der COP den Rücken decken“, so NABU-Klimaexperte Sebastian Scholz. „Mit einem Plan zum Kohleausstieg in Deutschland, würde nicht nur der überfällige Strukturwandel eingeläutet, er würde auch helfen die deutschen Klimaschutzziele zu erreichen, die nach jüngsten Prognosen in weite Ferne gerückt sind“, so Scholz weiter.  NABU.de

https://youtu.be/6BYhv2a3cZo

Eine Meinung zu "COP21 startet in Paris – Erderwärmung begrenzen". Wie lautet Ihre?

  1. Saubere Umwelt,   Montag, 30. November 2015, 5:03 um 5:03

    wenig CO2, das ist erreichbar, wenn der Wachstumsfetisch beendet und bedarfsorientiert und hochwertig produziert wird. Das kostet Arbeitsplätze. Das haben sogar die Grünen verstanden, weshalb sie aber nicht auf Wachstum verzichten wollen. Das macht sie zu einer überflüssigen Gruppierung.

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