Donald Trump und der Parteitag der US-Republikaner

Champion der Verunsicherten

Demagoge oder Hoffnungsträger der Nation – wer ist Donald Trump wirklich? Brandstifter, Betrüger oder Rassist? Donald Trump scheint für viele seiner Kontrahenten von all dem etwas zu sein und zusammen genommen eine Gefahr – Für die USA, Europa und die ganze Welt. Welche Titel er davon zu Recht trägt, wird sich noch zeigen. Genauso spannend ist jedoch die Frage nach ihren Hintergründen: Warum ist der 70-Jährige so laut, extrovertiert und oftmals so beleidigend?

Donald Trump und der Parteitag der US-Republikaner

Amerikaner, die das Phänomen Donald Trump erklären können: Den Schulkameraden, der sich erinnert: „Donald war schon damals der geborener Anführer“. Den Geschäftspartner, der aus dem Nähkästchen plaudert: „Leute hassen ihn, wenn sie ins Zimmer kommen und lieben ihn, wenn sie es wieder verlassen“. Den Biographen, der weiß: „Trump hat sich selbst erschaffen wie eine Comicfigur – und ist inzwischen in dieser gefangen.“

Doch Donald Trump ist mehr: Er ist das Sprachrohr für Millionen Amerikaner, derjenige, der ausspricht, was viele nur denken. Und er ist es auch, der die Kluft innerhalb der amerikanischen Gesellschaft vertieft, sogar in Familien. Kathrin Mohr – N24 Programmkommunikation

TRUMP – der nächste Präsident der USA?

Vor zwei, drei Monaten sah es noch nach einem Showdown am Erie-See aus. Es sah so aus, als steuerten Amerikas Konservative auf einen Wahlparteitag zu, auf dem alles möglich schien, selbst eine Art Putsch der Parteigranden gegen einen lärmenden Seiteneinsteiger, der in der Bilanz der Vorwahlen die Nase klar vorn hatte. Nun haben sich solche Szenarien praktisch in Nichts aufgelöst. Wenn nicht alles täuscht, vereinen sich die Republikaner diese Woche in Cleveland hinter einem Kandidaten, den sie vor gut einem Jahr, als er an den Start ging, genau wie der Rest der Welt noch müde belächelt haben. Falls nicht noch Überraschendes geschieht, wird es wohl eine dieser Krönungsmessen, wie sie die Republikaner fast immer zelebriert haben, seit sich Gerald Ford und Ronald Reagan bei der Convention des Jahres 1976 ausnahmsweise einen Kampf auf Biegen und Brechen lieferten.

Was sich die Niemals-Trump-Bewegung an Rebellionsszenarien ausmalte, es ist wohl alles nur noch Schall und Rauch. Der 70 Jahre alte Populist hat die Partei Abraham Lincolns, Teddy Roosevelts und Ronald Reagans gekapert, das ist die Realität. Jeder konventioneller Kandidat wäre wohl beizeiten ausgeschieden, hätte er sich der Trumpschen Mischung aus Demagogie, Prahlerei und leeren Worthülsen bedient. An Trump ist die Kritik abgeperlt wie an einem gut imprägnierten Regencape. Ausgerechnet er, ein Milliardär, hat es verstanden, den Frust der kleinen Leute einzufangen, zum Champion jener Verunsicherten zu werden, die sich von der politischen Elite weder vertreten noch verstanden fühlen. Er hat der Wut eine Stimme gegeben, rohe Emotionen mobilisiert, nostalgische Sehnsüchte beschworen.

Nun ist er dabei, die Republikanische Partei auf seinen Kurs einzuschwören. In Cleveland wird sich eine Partei präsentieren, die man kaum wiedererkennt. Spätestens seit Reagan steht sie für niedrige Steuern und einen schlanken Staat, für Sparhaushalte und schrankenlosen Handel mit dem Rest der Welt. Trumps Gebräu aus Populismus, Protektionismus und Nationalismus, oft vorgetragen im Duktus einer Reality-Show, ist etwas Neues. Ob es nur eine kurze Episode in der Geschichte der „Grand Old Party“ oder aber einen Richtungswechsel bedeutet, bleibt abzuwarten. Lausitzer Rundschau

Selbst wenn Donald Trump im November gewinnt, sind die Tage der traditionellen Republikaner gezählt. Die Partei, die Amerika einst aus der Sklaverei führte, wird von einem bigotten Mann geführt, der offen Rassismus und Diskriminierung predigt. Die leidenschaftlichsten Verfechter des Freihandels haben nun einen Protektionisten an ihrer Spitze. Trump setzt auf Isolationismus, während die Republikaner die längste Zeit die Partei des Interventionismus war. Dass nun ausgerechnet die emsigsten Agenten der Globalisierung die ersten Opfer eines engstirnigen Populisten werden, entbehrt nicht der Ironie und verlangt eine Erklärung.

Während die Führer der Republikaner über Jahrzehnte eine Politik betrieben, die soziale Sicherungsnetze zerschnitt, den Zugang zu Bildung und Gesundheit erschwerte und die kleinen Leute den Preis für ihre militärischen Abenteuer zahlen ließ, appellierten sie unterschwellig an die Ängste ihrer weißen Basis im ländlichen Amerika. Trumps Wähler finden es nun erfrischend, wenn ihr Führer nicht mehr bloß zwischen den Zeilen, sondern ganz direkt ausspricht, was sie denken. Seine Schöpfer verloren die Kontrolle über das Monster, das sie über Jahre mit ihren impliziten Botschaften genährt hatten. Die Nominierung Trumps in Cleveland bedroht nun auch den Kern einer vitalen Nation, welche die Welt entgegen aller Unkenrufe noch immer beneidet. Dass die USA unter Präsident Barack Obama rasant auf ihren Niedergang zusteuern, gehört zu den Idiotien, die der Twitter-König aus Manhattan schamlos verbreitet.

Tatsächlich blicken die USA auf eine der längsten Wachstumsphasen in der Geschichte zurück. Erfolgreiche Präsidentschaftskandidaten haben im Wahlkampf immer den Optimismus einer Nation beschworen, die „Yes we can“ zur Zukunft sagt. Trump ist auch deshalb kein normaler Kandidat. Er hetzt gegen Einwanderer ohne Papiere, droht Frauen, die eine Schwangerschaft beenden wollen, mit Strafen und will die Angehörigen einer Weltreligion diskriminieren. Trump steht nicht nur für eine andere Politik, sondern ein anderes Amerika. Seine Nominierung muss deshalb alle Alarmglocken ausschellen lassen. Thomas Spang – Mittelbayerische Zeitung

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