Ein Held war er nicht: USA nach dem Tod von Fidel Castro

Kubas neue Sorgen: Verhältnis Kuba

Für die Kubaner kommt es ja nicht mehr auf die Ideologien von Gestern an. Für sie fragt sich, was nach dem Castro-Regime kommt – Fidels Bruder und Nachfolger Raul ist ja schon 85. Nach Lage der Welt steht ein demokratischer Sozialismus nicht bereit, dem Land auf die Sprünge zu helfen. Dass aber der Kapitalismus Garant für Wohlstand und Demokratie ist, muss mit Blick auf Nordamerika leider auch bezweifelt werden. Mitteldeutsche Zeitung

Ein Held war er nicht: USA nach dem Tod von Fidel Castro

Tauwetter ist trügerisch. Ein Tiefdruckgebiet, schon kann es wieder bitterkalt werden. Für Kuba heißt dieses Tiefdruckgebiet nach Fidel Castros Tod Donald Trump. Der designierte US-Präsident kann den unter Barack Obama eingeschlagenen Entspannungskurs mit der sozialistischen Enklave per Vollbremsung zum Stehen bringen. Wird er es tun? Im Wahlkampf biederte sich Trump in der exilkubanischen Gemeinde Floridas mit dem Versprechen an, Obamas Lockerungsübungen bei Reiseverkehr und Warenaustausch zurückzudrehen und dem Regime in Havanna die Pistole auf die Brust zu setzen: Mehr Freiheit, mehr Demokratie – sonst geht der Vorhang wieder herunter. Hält Trump Wort, werden sich die unter Fidels Bruder Raúl etwas kapitalismusempfänglicher gewordenen Realsozialisten in ihr Schneckenhaus zurückziehen.

Folgt Trump seiner geschäftlichen Ader, müsste er fortsetzen, was sein Vorgänger ins Werk gesetzt hat. Auf Kuba warten Milliardenchancen für ausländische Kapitalgeber. Nur eine vollständige Aufhebung des Handelsembargos kann den Druck auf das Meinungsfreiheit und Pluralität unterdrückende Regime so erhöhen, dass Freiheit nach westlichem Muster möglich wird; wenn die Kubaner es denn selbst wollen. Bei den ideologisch aufgeladenen republikanischen Mehrheiten im Kongress spricht wenig dafür, dass die Konservativen in den USA hier mitmachen. Sie wollen Havanna zum Offenbarungseid zwingen, zum Systemwechsel. Genau das, was Obama in seiner Politik der kleinen Schritte in den vergangenen zwei Jahren nach Kräften umging. Fällt Amerika in den Gestus des Imperialen zurück und diktiert Bedingungen, wird wieder Eiszeit herrschen zwischen den ungleichen Nachbarn. Dirk Hautkapp – Westfalenpost

Fidel Castro war ein brutaler Diktator. Obwohl Donald Trump diesen Satz als erster zum Tode des »Máximo Líder« getwittert hat, ist er zutreffend. Wir wissen nicht, was der angehende US-Präsident mit Kuba vorhat. Wir sehen aber, was die Castros ihrem Volk ein gutes halbes Jahrhundert lang angetan haben: Parteienverbot, ganze zehn Dollar Monatslohn, Bevormundung. Das große Versprechen vom gerechten Sozialismus wurde nie erfüllt. Statt Befreiung gab es eine karibische DDR mit Stasi und Folter für Andersdenkende. Wenn Fidel Castro ein Verdienst zukommt, dann dass er seinem Volk Stolz gegeben hat. Er hat es im aufrechten Gang durch den Kalten Krieg geführt. Deshalb trauern viele Kubaner tatsächlich von Herzen. Die Propaganda mag ihren Anteil daran haben, aber die meisten hätten ihren Anführer Fidel sogar gewählt, wenn er sich jemals einer echten Wahl gestellt hätte. Leiden und Gängelung werden für elf Millionen bitterarme Kubaner kein Ende nehmen, solange Fidel Castros Bruder das Land regiert. Seit zehn Jahren sehen wir nur Trippelschritte. Auch von Raúl Castro ist ein freies Kuba nicht zu erwarten. Westfalen-Blatt

In Westeuropa war man besonders weit weg von Castros Befreiungskampf gegen Unterdrückung und Imperialismus. Eben deshalb eignete sich seine Revolution so ideal für Projektionen aller Art. Kuba als sozialistischer Sehnsuchtsort unter Palmen – selten war die Bereitschaft ausgeprägter, einen Mythos für real zu halten und gelegentlich irritierende Einbrüche der Wirklichkeit ins romantische Weltbild dem bösen Nachbarn im Norden zuzuschreiben. Castro wurde zum Idol, dem selbst Machtpolitiker wie Gerhard Schröder in fast unreifer Verehrung ihre Aufwartung machten. … Castros ideologische Härte, die Misswirtschaft seiner Parteikader und die Verfolgung Andersdenkender gerieten darüber in Vergessenheit oder wurden verharmlost. War Castro eine herausragende Gestalt des 20. Jahrhunderts? Mit Sicherheit. Aber ein Held war er nicht. Thomas Fricker – Badische Zeitung

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