Ein Hoffnungsschimmer im Fall Deniz Yücel

Konsularischer Zugang zu Yücel gewährt

Deutschland erhält konsularischen Zugang zu Deniz Yücel. Am Dienstag können sich Mitarbeiter der deutschen Botschaft erstmals vom Wohlbefinden des inhaftierten Journalisten überzeugen. Das hat die Türkei Außenminister Gabriel in einer Verbalnote bestätigt.

Ein Hoffnungsschimmer im Fall Deniz Yücel

Seit 50 Tagen sitzt Deniz Yücel in türkischen Gefängnissen, weil ihm von offizieller türkischer Seite „Terrorpropaganda“ und „Volksverhetzung“ vorgeworfen werden. Jetzt erst bekommt die deutsche Botschaft Zugang zu dem inhaftierten „Welt“-Korrespondenten. Das ist im Grunde ein Skandal.

Für den Mann, der wohl nichts anderes gemacht hat als seine journalistische Arbeit, aber ist die Entscheidung immerhin ein Hoffnungsschimmer. Wenn auch nur ein schwacher. Denn wie es mit Yücels Untersuchungshaft weitergeht, die in der Türkei bis zu fünf Jahre und damit nach unserem Rechtsempfinden skandalös lange dauern kann, liegt weiter im Ermessen der türkischen Regierung. Sie hat den 43-Jährigen längst zum Spielball ihrer Interessen gemacht.

Glaubt man den Ankündigungen, erhält Yücel ab heute das, was ihm als deutschen Staatsbürger seit Haftbeginn ohnehin zugestanden hätte. Regelmäßige konsularische Betreuung sollte selbstverständlich sein im Umgang mit Inhaftierten aus einem verbündeten Land. Für Yücel bedeuten die Besuche der Diplomaten eine Atempause im langen Haftalltag. Der endlich beendet werden muss: Geben Sie Deniz Yücel frei, Herr Erdogan! Michael Kohlstadt – Westdeutsche Allgemeine Zeitung

Konsularischer Zugang zu Yücel gewährt

Die Türkei hat offiziell per Verbalnote bestätigt, dass Deutschland am Dienstag konsularischen Zugang zu Deniz Yücel erhalten wird. Mitarbeiter der Botschaft in Ankara wollen sich vom Wohlbefinden des inhaftierten Journalisten überzeugen.

Außenminister Sigmar Gabriel hatte die positive Nachricht am Wochenende erhalten. Sein türkischer Amtskollege Mevlüt Cavusoglu habe sich offenbar nochmals intensiv in Ankara eingesetzt, so Gabriel. Dafür danke er ihm. Man habe „auf die Einhaltung des von Ministerpräsident Binali Yildirim der Kanzlerin gegebenen Versprechens“ von Anfang März gebaut, so der Außenminister.
Am 27. Februar hatte ein Haftrichter in Istanbul gegen den deutsch-türkischen Journalisten Deniz Yücel Untersuchungshaft erlassen. Der Türkei-Korrespondent der Zeitung „Die Welt“ hatte zuvor 13 Tage in Polizeigewahrsam verbracht, nachdem er sich freiwillig in Istanbul der türkischen Justiz gestellt hatte. Bis jetzt war eine konsularische Betreuung nicht möglich gewesen.

Einsatz auf allen diplomatischen Kanälen

Das Verhältnis zur Türkei war bereits vor der Festnahme Yücels durch Einschränkungen demokratischer Freiheiten beeinträchtigt. Die Verhaftung des Journalisten belastet das Verhältnis zusätzlich.

Die Bundesregierung verweist auch immer wieder auf weitere deutsche Staatsbürger, die unter oft unklaren Vorwürfen von der Türkei in Haft gehalten werden. Auch für diese gelte, dass sie fair und rechtsstaatlich behandelt sowie umfassend konsularisch betreut werden müssten, hatte Regierungssprecher Steffen Seibert mehrmals betont. Jeder Fall müsse schnell geklärt werden. Seibert: „Es darf nicht sein, das Menschen einfach so in Gefängnissen verschwinden.“

Für die Bundeskanzlerin sei es unverständlich, dass gegen Yücel Untersuchungshaft verhängt wurde, hatte Seibert zur Inhaftierung Yücels erklärt. Die Bundeskanzlerin und die gesamte Bundesregierung erwarteten, dass Yücel wieder auf freien Fuß komme. Die Bundesregierung setze sich „auf allen diplomatischen Kanälen“ für Deniz Yücel ein. Yücel sei Journalist. Was er in der Türkei getan habe, habe er als Journalist einer deutschen Tageszeitung getan. „Und zwar in einem Land, das sich zur Pressefreiheit verpflichtet hat und das nun ihn und andere Journalisten verfolgt“, so der Regierungssprecher. Deutsche Bundesregierung

Welt-Chefredakteur Poschardt erlebt Yücel „in bester Form“ und pocht weiter auf Freilassung

Der Chefredakteur von Welt-N24, Ulf Poschardt, freut sich darüber, dass an diesem Dienstag erstmals deutsche Diplomaten den in der Türkei inhaftierten Korrespondenten Denis Yücel besuchen dürfen. Das sei auch aus psychologischer Sicht sehr wichtig, sagte Poschardt am Dienstagmorgen im rbb-Inforadio. Yücel sitze in Einzelhaft, und er sei ein sehr kommunikativer Kollege. Insofern herrsche große Freude, auch in der Redaktion:

„In der Redaktion herrscht Gelöstheit. Gleichzeitig springt es um in noch mehr Motivation, etwas für ihn zu tun. Er wünscht sich, dass wir ihm noch mehr Briefe und Karten schreiben, auch wenn er die nicht kriegt. Aber seine Anwälte halten ihn darüber auf dem Laufenden. Er hat dazu aufgerufen, dass wir türkische Digitalmedien abonnieren – wir erleben ihn also in bester Form, er verfolgt das Geschehen hier in Deutschland mit Spannung.“

Poschardts äußerte grundsätzlich die Hoffnung, dass sich die Stimmung in der Türkei nach dem Referendum am 16.April entspanne, wovon auch Denis Yücel profitieren könne:

„Ich glaube, dass viel von der Rhetorik, die wir in den vergangenen Wochen hatten, auch dieser speziellen Wahlkampfsituation geschuldet war. Ich hoffe natürlich sehr, dass nach dem Referendum der Wunsch auch in der Regierung, die von der AKP geführt ist, wieder stärker Einzug hält, dass es pragmatische und vernünftige Lösungen gibt. Ich hoffe sehr, dass es ein schnelles, zügiges und faires rechtstaatliches Verfahren geben wird, weil dann ist ein-eindeutig, dass man Denis Yücel ganz schnell auf freien Fuß setzen muss.“ Inforadio

Türkische Spionage in Deutschland? Generalbundesanwalt prüft

Ihre Meinung ist wichtig!

Persönliche Angaben freiwillig! Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.