Wir wünschen uns, dass Griechenland auf die Beine kommt

Steuergeld von 60 Milliarden Euro in Drachmen zurückholen

Berliner Zeitung – Es mag für konservative Politiker eine Genugtuung sein, dass Tsipras, der Star der europäischen Linken, eine Niederlage hinnehmen musste, dass sein frecher Finanzminister klein beigegeben hat. Doch wer Griechenland in der Eurozone halten und das politische Projekt Europa nicht nachhaltig beschädigen will, wird auf Syriza setzen müssen. Auf absehbare Zeit wird sich […]

Wir wünschen uns, dass Griechenland auf die Beine kommt

Berliner Zeitung – Es mag für konservative Politiker eine Genugtuung sein, dass Tsipras, der Star der europäischen Linken, eine Niederlage hinnehmen musste, dass sein frecher Finanzminister klein beigegeben hat. Doch wer Griechenland in der Eurozone halten und das politische Projekt Europa nicht nachhaltig beschädigen will, wird auf Syriza setzen müssen. Auf absehbare Zeit wird sich keine Alternative finden, die das Land aus der Krise herausführen könnte.

Alexander Graf Lambsdorff

FDP-Politiker Alexander Graf Lambsdorff zu Griechenland:

„Nichts ist alternativlos – Lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende“

phoenix-Kommunikation – EU-Vizeparlamentspräsident Alexander Graf Lambsdorff (FDP) sieht den Austritt Griechenlands aus der Eurozone nicht mehr als Tabu. „Wir wünschen uns, dass Griechenland auf die Beine kommt und in der Eurozone bleiben kann. Auf der anderen Seite sind wir aber auch nicht bereit, uns erpressen zu lassen und ständig Steuergelder hinterher zu schießen. Lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende“, erklärte Lambsdorff in der Sendung Unter den Linden im Fernsehsender phoenix. Die Äußerungen von Kanzlerin Angela Merkel aus der Vergangenheit, dass sie zur Griechenland-Rettung keine Alternative sehe, kritisierte der FDP-Politiker.

Nichts ist alternativlos. Ich halte den Satz von der Alternativlosigkeit in der Politik für gefährlich. Man muss immer abwägen zwischen verschiedenen Optionen.“ Noch vor einigen Jahren hätte sich ein Grexit fatal auf das Währungsgebilde ausgewirkt. Inzwischen habe man aber entsprechende Absicherungsmechanismen geschaffen, um den Austritt eines Landes zu verkraften und keinen Dominoeffekt zu erleben. Griechenland benötige jetzt ernsthafte Reformen, Investitionen und eine solide öffentliche Finanzpolitik. „Wenn das nicht kommt, bin ich auch bereit, zu sagen: Dann eben nicht. Wenn es nicht anders geht, wird Griechenland die Eurozone verlassen müssen“, sah Lambsdorff in den kommenden Monaten so etwas wie eine letzte Chance für Athen.

Die stellvertretende Vorsitzende der Linkspartei, Sahra Wagenknecht, forderte die Kritiker einer Übereinkunft mit der griechischen Regierung auf, den deutschen Bürgern nicht Sand in die Augen zu streuen. Bei einem Ausscheiden Griechenlands aus der Eurozone hätte dies erhebliche Rückwirkungen. „Dann können wir das gesamte Steuergeld in Höhe von 60 Milliarden Euro, das Deutschland dort investiert hat, in Drachmen zurückholen – dann ist das Geld praktisch weg. Dann hätten wir Steuergeld völlig sinnlos verpulvert.“ Auch bei einer Rückzahlung der Schulden müsse man Realität walten lassen. Angesichts einer Schuldenquote von 175 Prozent könne Griechenland bei einer Erholung seiner Wirtschaft „maximal die Hälfte der Schulden zurückzahlen“, so Wagenknecht.

 

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