Hunger und Krieg rauben jede Zukunft am Horn von Afrika

Beschämende Hungersnot

Außenminister Gabriel wirbt im Telefonat mit UN-Nothilfekoordinator für konzertierte Aktion zur Hungerbekämpfung und stellt 15 Mio. Euro Nothilfe zur Verfügung: 5,7 Millionen Menschen sind in Äthiopien nach der verheerenden Dürre im Jahr 2015 nach wie vor von Hunger bedroht und auf Nahrungsmittelhilfe angewiesen.

Hunger und Krieg rauben jede Zukunft am Horn von Afrika

Es ist ein drastischer Hilferuf, den die Vereinten Nation stellvertretend für fast 800 Millionen Menschen formulieren, die weltweit vom Hunger bedroht sind. In den Krisengebieten im Jemen, im Südsudan, in Somalia und in Nigeria ist die Lage so katastrophal, dass „Menschen schlicht und einfach den Hungertod“ sterben werden, wie der UN-Nothilfekoordinator O’Brien warnt. Schlicht und einfach? Wohl eher nicht. Denn die Katastrophe kommt wie so häufig mit Ansage. Im Grunde schauen wir, für die satt werden jeden Tag eine Selbstverständlichkeit ist, viel zu oft nur zu, wenn sich existenzielle Probleme in vermeintlich fernen Ländern verschärfen. Die Krise ist in den genannten Staaten längst zum Dauerzustand geworden. Menschen, die auf der Flucht sind, können eben keine Felder bewirtschaften.

Und während das Geschäft mit Waffen floriert, gibt es kaum Investitionen in Bildung und Gesundheit. Dass – auch finanzielle – Reaktionen meist erst ausgelöst werden, wenn Todes- und Leidensbilder um die Welt gehen, ist beschämend. Beispiel Südsudan: Laut UN stehen hier mindestens eine Million Menschen an der Schwelle zur Hungersnot, mindestens 5,5 Millionen Menschen sind auf Nahrungsmittelhilfe angewiesen. Für die Versorgung der Menschen werden rund 1,6 Milliarden US-Dollar benötigt – davon finanziert sind bislang noch nicht einmal zehn Prozent. Entwicklungshilfeminister Gerd Müller hat diese Woche klargemacht, woran es hapert: „Wir müssen weg vom Klingelbeutel und brauchen feste Zusagen.“ Warum ist dies bei Rüstungsausgaben so einfach und bei der Entwicklungshilfe so schwer? Christiane Stein – Allgemeine Zeitung Mainz

Eine Dürre von diesem Ausmaß hat Äthiopien seit über 30 Jahren nicht mehr erlebt. Ganze Ernten verdorrten. Die Vorräte wurden aufgebraucht, Tiere wurden verkauft oder starben. Die Regenfälle blieben auch im vergangenen Jahr in einigen Regionen Äthiopiens deutlich hinter den Erwartungen zurück. Durch die Wasserknappheit erreichten die Ernten nicht die notwendigen Erträge. Millionen von Kindern, Frauen und Männer sind nun weiter dringend auf Nahrungsmittelhilfe angewiesen.

Die Dürre in Ostafrika fordert nicht nur jetzt bereits zahlreiche Todesopfer, sie zerstört auch langfristig die Zukunft der dort lebenden Menschen. Die DAHW Deutsche Lepra- und Tuberkulosehilfe hat erschreckende Meldungen von ihren Mitarbeitern vor Ort erhalten und intensiviert ihren Einsatz vor Ort. In Tansania und Kenia sind lang ersehnte und benötigte Regenfälle ausgeblieben oder so spät gekommen, dass viele Bauern sich nicht mal selbst ernähren können. Ähnlich sieht es in Somalia, Eritrea und Äthiopien aus, wo darüber hinaus das Vieh nicht mehr mit Wasser versorgt werden kann und verendet. Schon jetzt sind die meisten Menschen dort unterernährt und viele werden an Hunger sterben. Besonders schlimm ist allerdings die Situation in Südsudan: Durch den andauernden Bürgerkrieg zwischen Regierung und Opposition sind kaum Felder bestellt worden.

Soldaten haben bereits erntereife Felder niedergebrannt, wie erst vor wenigen Tagen in Yei im südlichen Bundesstaat Central Equatoria an der Grenze zum Kongo. Westlich davon, bei Nzara im Bundesstaat Western Equatoria, haben mehr als 5.000 Flüchtlinge ihr Lager neben einem Krankenhaus aufgeschlagen. Nach einer ersten Versorgung durch das Welternährungsprogramm WFP gibt es jetzt seit drei Wochen keine Lebensmittel mehr. DAHW-Mitarbeiter berichten zudem, dass selbst in der Hauptstadt Juba es kaum mehr Lebensmittel auf den Märkten gibt. Selbst wenn etwas angeboten wird, sind die Preise für die meisten Menschen unerschwinglich. Streit um Nahrung gehört in Südsudan inzwischen zum Alltag. In Südsudan dürften bis zu 5.000 an Lepra sowie rund 50.000 an Tuberkulose erkrankte Menschen leben, die derzeit kaum eine medizinische Versorgung bekommen können. Besonders schlimm sieht es aus in Regionen, die aufgrund des Bürgerkriegs nicht erreichbar sind. Dort wird die Zahl der an diesen Krankheiten der Armut leidenden Menschen weiter stark ansteigen. In anderen Regionen berichten DAHW-Mitarbeiter, dass gerade die Ärmsten und Schwächsten, zu denen diese Patienten zumeist gehören, besonders unter dem Hunger leiden.

Gibt es ein paar Lebensmittel, können sie sich diese nicht leisten. Gibt es welche, werden sie meist von der Verteilung ausgeschlossen, weil sie durch ihre Erkrankungen stigmatisiert sind. Nachhaltige und solidarische Hilfe muss alle Menschen erreichen Die DAHW wird als erste Notmaßnahme 100.000 Euro aus eigenen Mitteln zur Verfügung stellen, um besonders den Schwächsten in Südsudan helfen zu können. Auch wird die medizinische Arbeit – wo immer es möglich ist – weitergehen, damit die Menschen nicht nur jetzt satt werden, sondern auch eine Zukunft haben. Als Mitglied im Bündnis Entwicklung Hilft (BEH) steht die DAHW gemeinsam mit ihren Partnern vor Ort für eine nachhaltige Nothilfe. Deutsche Lepra- und Tuberkulosehilfe e.V.

Außenminister Sigmar Gabriel sagte nach einem Telefonat mit dem UN-Nothilfekoordinator Stephen O’Brien:

Mit UN-Nothilfekoordinator Stephen O’Brien habe ich heute über die notwendigen Maßnahmen zur Bekämpfung der dramatischen Hungerkrisen am Horn von Afrika, in der Tschadseeregion sowie in Südsudan beraten. Nächste Woche werden wir unsere Beratungen in Berlin fortsetzen. Die Lage in den Hungerregionen ist nach Schilderungen von vor Ort zum Verzweifeln. Kinder sterben unter den Augen der Weltöffentlichkeit. Wenn jetzt nicht bald umfassende internationale Hilfe einsetzt, droht Millionen von Menschen in den betroffenen Regionen der Hungertod.

Wir sind bereit, hier voranzugehen: Ich habe Nothilfekoordinator O’Brien zugesagt, unsere humanitäre Hilfe für die notleidenden Menschen am Horn von Afrika zu verdoppeln und zusätzlich 15 Millionen Euro an Hilfsgelder bereit zu stellen. Wir setzen darauf, dass auch andere Geber die dringend notwendige Hilfe für die von Hunger betroffenen Regionen ausweiten.

Dies alles kann nur ein erster Schritt sein. Es braucht jetzt rasch eine konzertierte Aktion der internationalen Gebergemeinschaft. Ohne das massive und nachhaltige Engagement der internationalen Gemeinschaft wird es nicht gelingen, noch rechtzeitig mit Hilfe vor Ort zu sein. Ich werde hierzu nächste Woche Gespräche mit den Vertretern der großen internationalen Hilfsorganisationen und von Geberstaaten führen.

Natürlich wird auch Deutschland sich noch stärker engagieren müssen. Ich habe dem UN-Nothilfekoordinator deshalb versichert, dass wir auch zu weiteren Maßnahmen bereit sind, um unseren Beitrag zur Beendigung der Hungerkrise zu leisten. Auswärtiges Amt

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