Islamischer Staat nimmt Kurs auf Israel

Auswärtiges Amt verurteilt Anschlagsserie auf dem Sinai

Bei Angriffen auf der Sinai-Halbinsel, wurden nach Angaben der ägyptischen Behörden mehr als 70 Menschen getötet. Während Muslime in aller Welt normalerweise den Fastenmonat Ramadan als Wochen des Friedens, der Freundschaft und der Besinnlichkeit zelebrieren, war für die Extremsten die vierwöchige heilige Zeit schon immer Ansporn zu noch mehr Terror und Gewalt.

Islamischer Staat nimmt Kurs auf Israel

Die erneute Anschlagsserie reiht sich ein in eine Kette von tödlichen Angriffen auf ägyptische Sicherheitskräfte, vor allem im Norden des Sinai. Das Bekenntnis der Terrormiliz ISIS zu den Anschlägen zeigt erneut, mit welcher Skrupellosigkeit die Terrorgruppe Gewalt für ihre Zwecke nutzt. Die Bundesregierung verurteilt die Anschlagsserie auf der Sinai-Halbinsel in aller Schärfe. Unsere Gedanken und unser Mitgefühl sind mit den Angehörigen der Ermordeten und mit dem ägyptischen Volk, sagte Außenminister Steinmeier. Auswärtiges Amt

Der Sinai, einst ein Juwel Ägyptens, ist seit Jahren in weiten Teilen zu einer Art Mini-Somalia degeneriert: Hier wird das staatliche Gewaltmonopol täglich brutal infrage gestellt. Sei es durch Beduinen-Clans, die Flüchtlinge aus Afrika kidnappen und so lange foltern, bis deren Angehörige Lösegeld zahlen. Sei es durch islamistische Terroristen, die der Armee regelrechte Schlachten liefern – wie nun mit Dutzenden von Toten.

Die Nachbarschaft zum Gaza-Streifen, der von der ebenfalls islamistischen Hamas kontrolliert wird, trägt auch noch zur Destabilisierung bei. Im Norden liegt der Rückzugsraum von Extremisten, die aber auch in der Hauptstadt Kairo zuschlagen – wie der Mord an Generalstaatsanwalt Barakat am Montag zeigt. Ägyptens Präsident al-Sisi muss reagieren, auch militärisch. Aber Repression allein schafft das Problem nicht aus der Welt, die soziale Situation der Ägypter muss flächendeckend verbessert werden. Zumindest das sollte der Ex-General eher begreifen als sein Vor-Vorgänger Mubarak. Dessen harte Hand konnte mehrere blutige Anschläge, bei denen auch Dutzende Touristen umkamen, nicht verhindern. Kommentar von Joerg Helge Wagner über den Terror in Ägypten Weser-Kurier

Gewalt, Radikalität und Rachedurst

Während Muslime in aller Welt normalerweise den Fastenmonat Ramadan als Wochen des Friedens, der Freundschaft und der Besinnlichkeit zelebrieren, war für die Extremsten die vierwöchige heilige Zeit schon immer Ansporn zu noch mehr Terror und Gewalt. Doch selten ballte sich selbst in dem geplagten Nahen und Mittleren Osten der Horror so zusammen wie gestern. Tunesien erlebte das schrecklichste Attentat auf ausländische Urlauber seit seiner Unabhängigkeit.

Der Tourismus, das wichtigste wirtschaftliche Rückgrat der einzigen noch verbliebenen Nation des Arabischen Frühlings, ist wahrscheinlich auf Jahre ruiniert. Vor gut vier Jahren nahmen in Tunesien die demokratischen Sehnsüchte in der arabischen Welt ihren Ausgang. Anders als Ägypten, Libyen, Jemen und Syrien hat die kleine 11-Millionen-Nation ihren Weg in die Demokratie bisher ohne Bürgerkrieg und ohne Militärputsch gemeistert. Doch nun droht der Terror auch diese letzte Bastion der Hoffnung in den destruktiven Abwärtsstrudel der arabischen Welt hineinzureißen.

Genauso wie am anderen Ende der Arabischen Welt, wo in der reichen Golfregion die Flammen der Destabilisierung zum ersten Mal offen züngeln. Noch nie gab es eine solch verheerende Serie von Selbstmordattentaten in schiitischen Moscheen wie jetzt. Der „Islamische Staat“ agiert überall als Brandbeschleuniger – egal ob im weltoffen-säkularen Tunesien oder in der konservativ-frommen Golfregion. Kein Wunder also, dass die einzigen stabilen Staaten der Region heute die drei nicht-arabischen sind – Türkei, Iran und Israel. In der arabischen Welt dagegen schwinden immer mehr die mentalen und politischen Ressourcen, um das Versinken in Gewalt, Radikalität und Rachedurst zu stoppen. Von Martin Gehlen Westfalenpost

Eine Meinung zu "Islamischer Staat nimmt Kurs auf Israel". Wie lautet Ihre?

  1. Anonymous   Donnerstag, 2. Juli 2015, 15:21 um 15:21

    „Kein Wunder also, dass die einzigen stabilen Staaten der Region heute die drei nicht-arabischen sind – Türkei, Iran und Israel. In der arabischen Welt dagegen schwinden immer mehr die mentalen und politischen Ressourcen, um das Versinken in Gewalt, Radikalität und Rachedurst zu stoppen. Von Martin “

    Nein da gibts noch mehr mit Algerien und Marokko. Die produzieren nur keine Schlagzeilen. In diesen beiden arabischen Ländern kam es zu einem politischen Ausgleich. (Gut Algerien brauchte dazu nen Bürgerkrieg um zu dieser Erkenntnis zu gelangen…) Marokko wird autokratisch-islamistisch-demokratisch regiert. Alle 3 Machtblöcke sind in der Regierung vereinigt. Allen 3 Raum gelassen. Mögen uns dort die Autokraten und Islamisten nicht passen. Solange sie andere und die Minderheiten in Frieden lassen ist das eben dort so, wenn ein Teil der Bevölkerung es so will. So baut man gemeinsam das Land auf, investiert in die Bildung, fördert den Tourismus, jagt den IS, stärkt die Wirtschaft und lässt die Welt Welt sein. Das ist aber die Tragik der übrigen arabischen Welt, dass ein solcher Ausgleich nicht akzeptiert wird und so das Ganze immer in Unterdrückung, Gewalt, Terrorismus und Chaos endet, was der ideale Nährboden für die Psychophaten vom IS ist. Zumindest ist es den 3 Maghreb Staaten zu verdanken, dass für Libyen nun wieder Hoffnung besteht. Denn man hat es geschafft die dortigen Konfliktparteien zu überzeugen, dass es für einen arabischen Staat das Beste ist in der jetzigen Situation wie daheim in Rabat, Algier und Tunis die Groko zu bilden.

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