Kauder ruft im Schulstreit mit der Türkei zum Weihnachtsfrieden auf

"Weihnachts-Verbot" an türkisch-deutscher Schule in Istanbul

Der Weihnachtsstreit und dessen nun verkündete Befriedung zeigen aber, dass es wenig hilfreich ist, bei jedem Nachweis einer erhöhten Körpertemperatur gleich die Diagnose Diktatur zu erstellen. Die gesellschaftspolitischen Signale, die uns aus der Türkei erreichen, sind alles andere als beruhigend.

Kauder ruft im Schulstreit mit der Türkei zum Weihnachtsfrieden auf

. In der jetzigen Situation benötigt die türkische Zivilgesellschaft die Einhaltung verbindlicher Regeln mehr als einen hinausposaunenden Alarmismus. Mitteldeutsche Zeitung

Unionsfraktionschef Volker Kauder hat angesichts der erhitzten Debatte über ein angebliches „Weihnachtsverbot“ an einer deutschen Schule in Istanbul zu einem abgewogenen Umgang mit deutsch-türkischen Streitfragen aufgerufen. „In einer deutschen Schule muss auch über das Weihnachtsfest gesprochen werden können – das gehört zum Kulturaustausch, der mit solchen Schulen angestrebt wird“, sagte Kauder der in Düsseldorf erscheinenden „Rheinischen Post“. „Wenn nun geklärt wird, dass es kein entsprechendes Verbot gibt, dann sollte in dieser Frage über die Feiertage jetzt auch Ruhe und Frieden einkehren“, betonte Kauder. Eine Zusammenarbeit mit der Türkei liege im deutschen Interesse.

Krings zweifelt an Sinn der deutsch-türkischen Schule Lisesi

Innenstaatssekretär Günter Krings (CDU) zweifelt angesichts des Weihnachtsverbots an der deutsch-türkischen Schule Lisesi am Sinn der Einrichtung. „Das zeigt für mich, dass es dort offenbar kein Interesse an einem offenen kulturellen Austausch mehr gibt“, sagte Krings. „Deshalb muss man sich fragen, welchen Sinn eine solche deutsch-türkische Schule dann noch hat.“ Rheinische Post

Streit um das Weihnachtsverbot

Provokationen kann die türkische Regierung. Dass die renommierteste deutsche Auslandsschule der Türkei auf Anweisung der Schulleitung das Thema Weihnachten vom Lehrplan streichen muss, trifft im vorweihnachtsseligen Deutschland auf kollektives Kopfschütteln. Politiker jeder Couleur überschlagen sich mit Forderungen, die Finanzierung der traditionsreichen Schule gleich ganz zu streichen. Doch so einfach sollte man es sich nicht machen. Die Einmischung in den Lehrplan ist ohne Zweifel ein Affront und ein Verstoß gegen das Kulturabkommen zwischen den beiden Staaten. Das sollte die Bundesregierung in Ankara auch deutlich sagen – zumal es nicht der erste Eingriff an der Schule ist. Die Finanzierung kappen und ganz zurückziehen sollte sich Berlin jedoch nicht. Die Türkei steht an einer Weggabelung, in den kommenden Jahren wird sich weisen, ob ihr Präsident Recep Tayyip Erdogan den Weg in einen religiös-konservativen, autoritären Staat vollenden wird. Bis dahin sollte Deutschland jeden Einfluss nutzen, den es ausüben kann – auch den über die Wertevermittlung an einer Auslandsschule. Südwest Presse

„Weihnachts-Verbot“ an türkisch-deutscher Schule in Istanbul

Es ist nicht immer die große Politik, die einer Regierung die Maske vom Gesicht reißt. Oft sind es die kleinen Veränderungen und Einschnitte, die über den ehrlichen Kurs, die wirklichen Absichten mehr aussagen als überzogene Gesetze oder militärische Kraftprotzerei. Deshalb ist das Verbot der von der AKP-Regierung eingesetzten Schulleitung, an dem erheblich mit deutschen Geldern finanzierten Istanbul-Gymnasium nicht mehr über Weihnachtsbräuche und das christliche Hochfest zu reden, pädagogisch zu erarbeiten oder einfach nur zu singen, ein schlimmeres Zeichen religiöser Borniertheit als manche rauflustig-eitle Einbestellung des deutschen Botschafters. Daran ändert auch das halbherzige Dementi der Schulleitung nichts. Höchste Zeit, dass die Bundesregierung endlich eine rote Linie zieht. Wenn schon nicht im Großen, dann hier, bei dieser kleinen, aber tragenden Beziehungssäule. Wenn Erdogan Weihnachten zum unerwünschten Fest erklärt, hat die Türkei in Europa nichts verloren. Stuttgarter Nachrichten

Den Weihnachtsstreit an der türkisch-deutschen Schule in Istanbul haben Außenministerium und Kanzleramt für beendet erklärt. Dass ein führender Politiker der Erdogan-Partei AKP mit Begriffen wie »Missionierung« noch mehr Öl ins Feuer gießt, wird bewusst überhört. Welche Seite könnte schon Interesse an einer weiteren Eskalation des Streits haben? Wenn hochrangige AKP-Leute den Konflikt anheizen, kann man allerdings davon ausgehen, dass sie dies mit Rückendeckung des türkischen Präsidenten tun. Noch ist in der Sache nicht alles bekannt. Fest steht aber, dass der türkische Schulleiter und der Leiter der deutschen Abteilung an dem Gymnasium ziemlich überzogen haben: der Türke, weil sein vermeintliches Dementi den Streit zusätzlich belastet hat, und der Deutsche, weil er nach der ersten Anweisung der türkischen Schulleitung Weihnachten als Unterrichtsthema komplett für beendet erklärt hat. Der Vorgang macht deutlich, wie angespannt das Verhältnis zwischen beiden Ländern derzeit ist. Das spürt man in der Türkei und auch in Deutschland. Westfalen-Blatt

Kultusminister Lorz fordert Rücknahme der türkischen Entscheidung

Empört hat sich heute der Hessische Kultusminister Prof. Dr. R. Alexander Lorz über eine politische Entscheidung in der Türkei geäußert: „Die Aufforderung der türkischen Behörden, Weihnachten an der Deutschen Auslandsschule in Istanbul nicht mehr zu thematisieren, widerspricht zutiefst dem Geist des deutsch-türkischen Kulturabkommens. Ich fordere daher die türkischen Behörden auf, diese Entscheidung unverzüglich rückgängig zu machen und auch das Weihnachtskonzert des Schulchors am deutschen Konsulat kurzfristig zu erlauben. Die deutschen Lehrkräfte sind zutiefst verunsichert wegen der Frage, inwiefern ihnen die freie Unterrichtsgestaltung in Zukunft noch möglich sein wird.“

Außerdem forderte Lorz ausdrücklich auch Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier auf, sich gegenüber der Türkei dafür einsetzen, dass die vertraglich zugesicherte Vermittlung deutscher Kultur an der Auslandsschule in Istanbul auch künftig möglich ist. Er werde sowohl dem Bundesaußenminister als auch dem türkischen Generalkonsul einen entsprechenden Brief schreiben. Stefan Löwer – Hessisches Kultusministerium

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