Neuer Raketentest Nordkoreas – Kim lebt für die Bombe

Niels Annen: Krise um Nordkorea ist sehr ernst. "Trumps Sprüche sind brandgefährlich"

Der Konflikt zwischen den USA und Nordkorea ist ein Paradestück misslungener Diplomatie. Statt auf verbale Abrüstung zu setzen, überbieten sich Nordkoreas Machthaber Kim Jong-un und US-Präsident Donald Trump an rhetorischer Schärfe. Alle Welt ist besorgt ob immer neuer Raketentests. Und Trump? Er droht und fragt über seinen Lieblingskanal Twitter, ob „der Typ“ (Kim Jong-un) „in seinem Leben nichts Besseres zu tun“ habe.

Neuer Raketentest Nordkoreas – Kim lebt für die Bombe

Die Antwort: Nein, hat er nicht. Kim Jong-un ist isoliert. Er hat sein Leben dem Ziel verschrieben, Nordkorea zur Atommacht zu machen. Selbst die einstige (und einzige) Schutzmacht China hält das ostasiatische Land wirtschaftlich höchstens halbherzig über Wasser – weil es die unberechenbaren Folgen eines Zusammenbruchs Nordkoreas fürchtet. Auf die Staatengemeinschaft hört Nordkorea nicht, ihre Androhung finanzieller Sanktionen verpufft im Nichts. Nordkorea lässt seine Bürger lieber verhungern als von der Aufrüstung abzurücken. Einen Erstschlag scheut aber auch Kim Jong-un. Er weiß, dass dies sein Ende bedeuten würde.

Vermitteln können nur China und Russland. Sie sind das letzte Bindeglied zwischen den Konfliktparteien. Ihre Forderung nach einem Ende südkoreanisch-amerikanischer Manöver könnte zumindest vorerst für Abkühlung sorgen. Schwäbische Zeitung

Kim lebt für die Bombe

Pünktlich zum amerikanischen Unabhängigkeitstag hat Nordkorea die wohl erste Langstreckenrakete getestet, die irgendwann mit atomaren Sprengköpfen US-Territorium erreichen könnte. Der US-Präsident liefert dazu ein Bild der Hilflosigkeit. Ob Kim Jong Un „mit seinem Leben nichts Besseres anzufangen hat“, als Raketen in den Himmel zu schießen, fragt Donald Trump rhetorisch auf Twitter. Eine politisch durchdachte Antwort auf Bedrohung durch den stalinistisch regierenden Diktator blieb aus. Stattdessen vage Hoffnungen: Vielleicht werde China dem „Unsinn ein für alle Mal ein Ende bereiten“. Und: Er könne sich nicht vorstellen, dass sich Südkorea und Japan Nordkoreas Säbelrasseln „weiter bieten lassen“.  Keine Silbe dazu, wie Amerika die Krise entschärfen könnte. Dabei steht Trump national wie international im Wort. Er hat mehrfach rote Linien gezogen. Die dickste im Januar: „Nordkorea hat gerade angekündigt, es sei in den letzten Phasen der Entwicklung einer Nuklearwaffe, die Teile der USA erreichen kann.

Das wird nicht passieren!“, hatte Trump getönt. Seitdem folgen nach jedem neuen Raketentest die gleichen Beteuerungen: Amerika strebe eine friedliche Lösung an, am besten mit China. Notfalls sei man aber willens und in der Lage, dem „Verrückten“ in Pjöngjang im Alleingang sein atomares Spielzeug aus der Hand zu schlagen, wenn Kim Jong Un weiter provoziert. Und nun?  Sollte Nordkorea tatsächlich eine mittelfristig nuklear bestückbare Interkontinentalrakete gezündet haben, wäre eine neue Eskalationsstufe erreicht. Trump geriete weiter unter Druck – und vielleicht in Versuchung, sich mit einem Militärschlag Luft zu verschaffen. Mit verheerenden Folgen.  Jede Militäraktion gegen Nordkorea hätte das Potenzial für eine Kettenreaktion im globalen Maßstab. Dazu darf es nicht kommen. Mehr Diplomatie, vor allem Verhandlungen zwischen Washington und Pjöngjang, sind unumgänglich. Aber Trump will sich nicht an den Verhandlungstisch zwingen lassen. Er setzt allein auf China als Druckmittel. Das ist kurzsichtig.

Denn Peking braucht Pjöngjang als Puffer gegen amerikanische Ambitionen. Es hat kein Interesse am Sturz des Regimes, aber große Zweifel an der Lauterkeit Trumps. Der hatte China zuletzt mehrfach gegen sich aufgebracht – mit Waffenverkäufen an Taiwan etwa, Seemanövern im Südchinesischen Meer und angekündigten Strafzöllen. Entscheidend wird nun sein, welche Tonlage der Präsident anschlägt. Ab sofort kann jeder Satz aus dem Weißen Haus relevant sein für die Frage aller Fragen: Krieg oder Frieden? Dirk Hautkapp, Washington – Neue Westfälische

Niels Annen: Krise um Nordkorea ist sehr ernst. „Trumps Sprüche sind brandgefährlich“

Der außenpolitische Sprecher der SPD, Niels Annen, ist tief besorgt wegen der Lage in Fernost. Annen sagte im Interview mit der „Heilbronner Stimme“: „Ich halte die Krise um Nordkorea für sehr ernst. Der extreme Hass der Nordkoreaner auf die USA ist für uns schwer nachvollziehbar. Zugleich haben wir es mit einem schwer berechenbaren US-Präsidenten zu tun. Nordkoreas Machthaber Kim Jong-Un ist fest davon überzeugt, dass sein Regime nur mithilfe der Atombombe überleben kann. Man hat in Pjöngjang sehr genau registriert, wie es Gaddafi oder Saddam Hussein ergangen ist, die beide nicht im Besitz von Atomwaffen waren.“

Zur Rolle Chinas sagte Annen: „Der Einfluss Chinas auf Nordkorea scheint mir begrenzter als wir glauben und hoffen. Das Verhältnis ist von gegenseitigem Misstrauen geprägt. Dennoch brauchen wir China, um den Konflikt zu lösen. Sie haben nach wie vor den stärksten Hebel in der Hand, da fast alle wirtschaftlichen Kontakte über China laufen. Die Regierung in Peking fürchtet vor allem eines: den unkontrollierbaren Zusammenbruch des Regimes, der sowohl eine riesige Flüchtlingswelle auslösen könnte und zu einer Wiedervereinigung der beiden Koreas führt, in deren Folge sich die Amerikaner bis an die chinesische Grenze ausdehnen.“

Zur Rolle von US-Präsident Donald Trump sagte er: „Trumps Sprüche sind brandgefährlich. Denn es könnte eines Tages der Moment kommen, an dem er sich und seinen Wählern verpflichtet fühlt, seinen markigen Worten auch Taten folgen zu lassen.“ Heilbronner Stimme

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