Räumung des illegalen Flüchtlings-Lagers in Calais

Hollande im Dschungel von Calais - Hält eine Mauer Flüchtlinge auf?

„Es darf keinen ‚Dschungel‘ in Calais oder anderswo geben, denn dies ist die Republik. Diejenigen, die kein Recht haben, hier zu verweilen, müssen zurück in ihre Länder“, sagte Ex-Präsident Nicolas Sarkozy. Daraufhin hat der französische Innenminister, Bernard Cazeneuve, angeordnet, den nördlichen Teil des illegalen Migrantenlagers abzureißen.

Räumung des illegalen Flüchtlings-Lagers in Calais

Flucht im Lkw – In die Hölle von Calais

Rund 10 000 Flüchtlinge harren derzeit im französischen Calais aus, warten auf ihre Chance, mit einem Lkw illegal nach England einreisen zu können. Dabei sind ihnen alle Mittel recht. Acht Flüchtlinge aus dem Irak hätten den Versuch beinahe mit dem Leben bezahlt. Ihre Flucht endete an einer Autobahnraststätte bei Köln. Vier Stunden waren sie in einem Kühlanhänger bei etwa 13 Grad Celsius eingesperrt.

Illegale Flüchtlingsströme in Calais: Fahrer fürchten um Leib und Leben

Der Fahrer des Lkw, der aus Belgien kam, wusste von nichts. Die Flüchtlinge waren überrascht, dass sie in Deutschland gelandet waren. Denn ihr Ziel war eigentlich England.

Nun reagieren die Briten: Um illegale Einwanderer abzuwehren, errichten sie im französischen Calais eine meterhohe Mauer. Und während die Franzosen das Thema für den bevorstehenden Präsidentschaftswahlkampf nutzen, ist die Situation vor Ort in Calais kaum noch zu bewältigen: schlechte Hygiene, kaum Essen, die Stimmung gereizt. Nacht für Nacht verlassen so weiter Tausende verzweifelte Flüchtlinge das Camp, strömen auf die Autobahn, stoppen Lastkraftwagen, warten auf ihre große Chance. Frontal21 – ZDF

Lkw-Fahrer, die in Calais mit der Fähre oder via Eurotunnel nach Großbritannien fahren, berichten von stark anwachsenden Flüchtlingszahlen. Immer mehr Menschen versuchten als blinde Passagiere auf den Ladeflächen der Lkw illegal nach Großbritannien auszuwandern. Mehrere hundert Flüchtlinge lagern zu jeder Tageszeit in der Nähe der Fährterminals und am Eurotunnelterminal, um ihre „Chance“ zu nutzen.

Die ohnehin schwierige Situation verschärft sich aktuell durch das hohe Transportaufkommen und die damit verbundenen Rückstaus vor den Terminals. Selbst am helllichten Tag versuchen ganze Menschengruppen, einzelne Lkw regelrecht zu entern. Um in die wartenden Lkw einzudringen, werden Schlösser und Plomben der Lkw aufgebrochen und die Ladung teilweise aus dem Lkw herausgeworfen. Immer häufiger verweigern deshalb Warenempfänger in Großbritannien die Annahme, wenn die Warenanlieferung unvollständig, beschädigt oder durch Exkremente beschmutzt ihr Ziel erreicht. Besonders problematisch sind in diesem Zusammenhang Lebensmitteltransporte.

Die prekäre Situation wird immer bedrohlicher, weil in jüngster Zeit Fahrer von Flüchtlingen auch mit Gewaltanwendung bedroht werden, sofern sie sich gegen ein Eindringen auf die Ladeflächen wehren. Dem BGL liegen Meldungen vor, wonach Lkw mit Steinen beworfen oder die Reifen aufgeschlitzt werden. Nicht wenige Fahrer fürchten um Leib und Leben und weigern sich, weiterhin Englandtouren zu übernehmen.

Obwohl diese chaotischen Verhältnisse den Kontrollbeamten bekannt sind, stehen Fahrer und Unternehmen unter gewaltigem behördlichem Druck. Finden die britischen Einwanderungsbehörden „Illegale“ auf dem Fahrzeug, so werden Fahrer und Unternehmen rechtlich wegen Menschenschmuggels wie gemeine Schlepperbanden belangt. Eine Unschuldsvermutung sieht die britische Gesetzgebung nicht vor. Vielmehr müssen Fahrer bzw. Unternehmer den britischen Behörden nachweisen, alle Maßnahmen getroffen zu haben, um ein Eindringen der Flüchtlinge zu verhindern. Gleichzeitig ist die französische Polizei offensichtlich nicht bereit oder in der Lage, Fahrer und Fahrzeuge vor Übergriffen zu schützen. Angesichts der großen Anzahl von Menschen, die versuchen auf die wartenden Lkw zu gelangen, gibt sich die Polizei meist machtlos und schaut bei Übergriffen auf Fahrer weg.

Der Bundesverband Güterkraftverkehr Logistik und Entsorgung (BGL) e.V. hat in einem Schreiben an das Auswärtige Amt sowie an das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur eindringlich auf die angespannte Situation in Calais hingewiesen. Die Ministerien wurden darin gebeten, alle notwendigen Schritte zu ergreifen, um „gemeinsam mit den Auslandsvertretungen der Bundesrepublik Deutschland alles zu unternehmen, damit die körperliche Unversehrtheit der Fahrer gewährleistet und das Eigentum der Unternehmen wirksam geschützt wird.“ Eine schnellstmögliche Unterstützung der französischen Behörden sei dringend vonnöten.

Des Weiteren hat der BGL die deutsche Regierung auf das zweifelhafte britische Einwanderungsrecht, das Lkw-Fahrer und Unternehmen grundsätzlich haftbar macht, sobald „Illegale“ auf dem Fahrzeug gefunden werden, hingewiesen. Angesichts der Situation, der die Fahrer vor Ort ausgesetzt sind, ein ebenso menschenverachtendes wie unangemessenes „Grenzschutzregime“. Bundesverband Güterkraftverkehr Logistik und Entsorgung (BGL) e.V.

Das nordfranzösische Calais ist ein anschaulicher Beweis für den Graben zwischen Politiker-Versprechen und der Wirklichkeit. Frankreich sei „kein Land der wilden Lager“, verkündete Präsident François Hollande bei seinem Besuch in der Hafenstadt am Ärmelkanal. Genau dort, wo sich auf erschütternde Weise erleben lässt, dass es durchaus wilde Lager gibt – nämlich in Form einer riesigen Zeltstadt, in der Menschen in unwürdigen Verhältnissen hausen. Nicht umsonst heißt sie „Dschungel“. Und dieser Dschungel ist eine Schande in einem Land, das zu den reichsten der Welt gehört und sich gerne als Hüter der Menschenrechte hervortut. Die Lage in Calais, wo die meisten Flüchtlinge nach Großbritannien wollen, ist nicht nur ein französisches Problem. Zu Recht verweist Paris auf die Mitverantwortung Londons, das sich bislang damit begnügt, Abschottungssysteme zu finanzieren, um die ungewollten Neuankömmlinge fernzuhalten. In Calais zeigt sich die Notwendigkeit europäischer Zusammenarbeit, einer gemeinsamen Strategie, um mit der großen Anzahl der Fliehenden umzugehen. Und zwar auf effiziente und zugleich humane Art und Weise. Birgit Holzer – Weser-Kurier

Hollande: „Dschungel von Calais» wird endgültig geräumt“

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