Syrien: Tausende Kinder sitzen noch immer in Aleppo fest

Fallende Temperaturen und Schnee verschärfen die Notlage der Menschen

Die SOS-Kinderdörfer versuchen, so vielen syrischen Familien und Kindern wie möglich zu helfen: Die SOS-Nothilfeteams verteilen Mahlzeiten, Babynahrung, Winterkleidung und warme Decken. Viele der aus dem Ostteil Aleppos geflüchteten Kinder haben ihre Eltern verloren, sind um ihr Leben gerannt, weinen und stehen unter Schock – und sind doch gleichzeitig froh, endlich in Sicherheit zu sein.

Syrien: Tausende Kinder sitzen noch immer in Aleppo fest

Viele der aus dem Ostteil Aleppos geflüchteten Kinder haben ihre Eltern verloren, sind um ihr Leben gerannt, weinen und stehen unter Schock – und sind doch gleichzeitig froh, endlich in Sicherheit zu sein.

Bei Minusgraden sitzen immer noch Zehntausende in der Trümmerwüste von Ost-Aleppo fest, darunter viele Frauen und Kinder, und warten auf ihre Evakuierung. Die Menschen, die bereits entkommen konnten, befänden sich in einem schrecklichen Zustand, berichtet Alia Al-Dalli, Direktorin der SOS-Kinderdörfer im Nahen Osten: „Sie zittern vor Kälte, stehen unter Schock – und freuen sich doch, dass sie nicht mehr um ihr Leben und das ihrer Kinder fürchten müssen.“

„Die SOS-Nothilfeteams versuchen, so vielen Familien und Kindern wie möglich zu helfen“, so Al-Dalli weiter: „Wir verteilen Mahlzeiten, Babynahrung, Winterkleidung und warme Decken.“ Doch die Kapazitäten der Hilfsorganisation seien begrenzt, es fehle an allem.

Ein SOS-Mitarbeiter vor Ort berichtet, in West-Aleppo seien viele Flüchtlinge in ehemaligen Lagerhallen untergebracht worden. Es sei kalt dort, die hygienische und sanitäre Situation furchtbar. „Es kommen entkräftete Mütter zu uns, die ihre Neugeborenen nur mit Decken vor der Kälte schützen können, Kinder, die in Ohnmacht fallen, weil sie seit Tagen nichts zu essen bekommen haben.“ Viele von ihnen hätten ihre Eltern verloren, seien um ihr Leben gerannt, weinten und stünden unter Schock.

Die SOS-Kinderdörfer betonen deshalb, dass die Versorgung und der Schutz der vielen kranken, verwundeten und elternlosen Kinder absolute Priorität haben müsse. Und fordern dringend und zum wiederholten Male alle Konfliktparteien auf, die Kinder zu schützen und eine sichere Evakuierung zuzulassen. Boris Breyer – SOS-Kinderdörfer weltweit

Chef der Diakonie Katastrophenhilfe klagt die Politik an

Der Leiter der Diakonie Katastrophenhilfe, Martin Kessler, übt angesichts der Flüchtlingskatastrophe in Syrien und dem Irak massive Kritik an der Politik. „Ich befürchte, dass wir uns sehenden Auges in den nächsten Genozid hinein bewegen“, sagte er im Interview der „Stuttgarter Zeitung“ und der „Stuttgarter Nachrichten“ (Samstag). Er fühle sich sehr stark an den Balkan erinnert. „Denn wir erleben eine Reihe von Kesselschlachten in Aleppo und Mossul – in Idlib wird Ähnliches folgen“, so Kessler. 20 Jahre nach dem Massaker von Srebrenica habe die Politik es nicht vermocht, Instrumente zu schaffen, die so etwas verhindern.

Die Sicherheitsarchitektur der Vereinten Nationen biete nur begrenzte Möglichkeiten. Es mache ihn immer wieder wütend, hilflos zuschauen zu müssen. „Als humanitäre Hilfsorganisation sind wir einem System ausgeliefert, das offensichtlich nicht funktioniert.“ Etwa 60 syrische Hilfsorganisationen haben unlängst ihre Aktivitäten aus Protest niedergelegt. „Dies ist ein Ausdruck der Hilflosigkeit, dass ihnen die Hände gebunden sind“, sagte Kessler. „Und es ist ein politisches Zeichen zu sagen: Wenn ihr euch nicht an den Verhandlungstisch setzt, stellen wir die humanitäre Hilfe ein.“

Aus der umkämpften IS-Hochburg Mossul werden bis zu einer Million Flüchtlinge erwartet. „Das ist ein langsamer Fluss“, sagte Kessler. 70 000 Menschen seien schon in Camps untergebracht. „Ich befürchte, dass es bei einem weiteren Vordringen in IS-Bereiche mit den Menschen aus Mossul nicht so eine solidarische Bewegung des Westens geben wird wie im Falle Aleppo.“ Die Spendenbereitschaft für syrische Flüchtlinge sei in Deutschland „nicht so schlecht“, betonte er. „Die Solidarität ist da durchaus zu erkennen.“ Stuttgarter Zeitung

Syrien: Die humanitäre Katastrophe in Syrien geht über die aktuelle Lage in Aleppo hinaus

In den letzten Wochen wurden Tausende Syrer aus Aleppo evakuiert. Die fallenden Temperaturen und der einsetzende Schneefall setzen den Flüchtlingen zu, die jetzt von Ost-Aleppo in den Westteil der Stadt und nach Idlib geflohen sind. „Was die Menschen vor allem brauchen sind warme Kleidung und Öfen, ein Dach über dem Kopf, sauberes Trinkwasser und warme Mahlzeiten“, betont Manuela Roßbach, Geschäftsführerin von „Aktion Deutschland Hilft“. Gerade die Schneestürme haben im letzten Jahr vielen Syrern das Leben gekostet. „Wenn wir jetzt nicht helfen, werden viele Menschen den kalten Temperaturen zum Opfer fallen“, warnt Roßbach.

„Die humanitäre Katastrophe in Syrien geht weit über die aktuelle Lage in Aleppo hinaus“, berichtet Kayu Orellana, Projektkoordinator von Help – Hilfe zur Selbsthilfe, der gerade aus den Krisenregionen nach Deutschland zurückgekehrt ist. „Die kommenden Szenarien sind nur schwer vorauszusehen, aber wie das Ergebnis auch aussehen mag, die humanitäre Lage bleibt enorm dramatisch“.

In Syrien und den Nachbarländern sind über 13 Millionen Menschen auf Hilfe angewiesen – die Zahlen steigen täglich weiter. Für die Hilfsorganisationen vor Ort ist es vor allem innerhalb Syriens weiter eine große Herausforderung, die Menschen zu erreichen. „Insofern die Lage sicher ist, kann aber auch Hilfe geleistet werden“, so Orellana. Der Schwerpunkt liegt laut Vereinten Nationen hier zunächst auf der Abdeckung der dringendsten und grundlegenden Bedürfnisse. So versorgt Islamic Relief in Idlib Männer, Frauen und Kinder unter anderem mit Nahrungsmitteln, sauberem Trinkwasser und Hygieneartikeln. Malteser International versuchen, die medizinische Versorgung in den Rebellengebieten aufrechtzuerhalten. In der Region Idlib verteilen sie momentan vor allem Zelte und Decken an die Geflohenen. In Damaskus und Homs versorgt Help Betroffene ebenfalls mit Nahrungsmitteln und Trinkwasser sowie Kochutensilien, Matratzen und Bettzeug.

Die humanitäre Notlage bleibt, während die Spendenbereitschaft der Deutschen für Syrien stark zurückgeht: Gerade in diesem Jahr haben viel weniger Menschen für Syrien gespendet als noch 2015. Über 3 Millionen Euro kamen damals für die Hilfsorganisationen des Bündnisses zusammen. 2016 war es mit 1,1 Millionen Euro lediglich ein Drittel. Aktion Deutschland Hilft e.V.

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