Trump/Merkel: Der fremde Freund

Es bleibt schwierig mit Trump

Bundeskanzlerin Merkel hat ihren Antrittsbesuch bei US-Präsident Trump glatt über die Bühne gebracht. Das ist mehr, als man nach den gegenseitigen Vorwürfen im Vorfeld hatte erwarten können. Sie hat sich von ihm Rückendeckung für ihre Ukraine-Politik geholt und die Versicherung, dass er zur Nato steht. Damit hat sie ihre wichtigsten Punkte durchgesetzt – auch wenn der Schutz der Amerikaner für uns künftig deutlich teurer wird.

Trump/Merkel: Der fremde Freund

Dennoch bleibt es mit Trump schwierig im deutsch-amerikanischen Verhältnis. Trotz des höflichen Miteinanders wurde offensichtlich, dass bei Merkel und Trump zwei Welten aufeinanderstoßen. Was Merkels Politik bestimmt – ihre biografische Erfahrung von Unfreiheit im Osten, ihre tiefe Verankerung in den westlichen Werten von Demokratie, Freiheit und Humanität sowie die unumstößliche Erkenntnis, dass die weltpolitische Ordnung nach dem Zweiten Weltkrieg Frieden und Wohlstand gebracht hat – all das gehört nicht zu den Triebfedern eines Donald Trump. Ihn interessieren die Abwicklung der Obama-Gesundheitsreform, der nächste Staatshaushalt und neue Jobs für Amerikaner. In der Rolle des mächtigsten Mannes der Welt ist Trump noch nicht angekommen. Eva Quadbeck – Rheinische Post

Es bleibt schwierig mit Trump

Dass es nicht einfach wird, mit einem Donald Trump im Weißen Haus vertrauensvoll und konstruktiv zusammenzuarbeiten, ist allen klar. Trump hat mit seinen markigen Sprüchen von Anfang an viel diplomatisches Geschirr zerschlagen, seine meist über Twitter abgesetzten Wutausbrüche haben ein Übriges dazu getan, dass er nicht Sympathie stößt, zumindest nicht bei den meisten Partnern. Auch Angela Merkel hat genug Grund, auf Trump nicht gut zu sprechen zu sein. Doch wissen beide Seiten, dass sie die transatlantische Partnerschaft brauchen – oder zumindest eine neu verhandelte Version dieser Partnerschaft. Und die Verhandlungen darf Trump nicht alleine diktieren. Merkel wird gute Miene zum bösen Spiel machen müssen. So gut es geht. Christian Kucznierz – Mittelbayerische Zeitung

Es wurden keine Krisen gelöst oder große Beschlüsse gefasst. Aber das war auch nicht erwartet worden, wenn der mächtigste Mann der Welt erstmals auf die mächtigste Frau Europas trifft. Vielmehr ging es bei diesem Premieren-Besuch um ein reines Kennenlernen, ein erstes Beschnuppern. Zu sehen, ob die Chemie stimmt und welchen Umgang man miteinander pflegen will.

Am Ende war es ein Treffen, bei dem die Gemeinsamkeiten und die Zusammenarbeit immer wieder höchst diplomatisch betont wurden. Aber: Der Besuch der Kanzlerin hat auch gezeigt, dass von Deutschland künftig mehr erwartet und insbesondere die USA Deutschland mehr abverlangen werden, als es in den vergangenen Jahren der Fall war.

Auch bei diesem historischen Treffen sind es wieder die großen Bilder und Gesten, die um die Welt gehen (sollen). Auf Trumps ausdrücklichen Wunsch haben der US-Präsident und Angela Merkel eine Viertelstunde unter vier Augen gesprochen – nur Dolmetscher waren zugelassen. Beim Fototermin kurz zuvor war es Trump, der Merkel keines einzigen Blickes würdigte und einen Handschlag offenbar ganz bewusst vermied, während die Kanzlerin fast schon genüsslich schmunzelte, als würde sie sich amüsieren.

Bilder sagen mehr als tausend Worte: »Besser« hätten Trump und Merkel das aktuell angespannte Verhältnis der Öffentlichkeit nicht dokumentieren können. Beim anschließenden Austausch beider Wirtschaftsdelegationen und auch bei der Pressekonferenz war die Atmosphäre viel gelöster, fast schon freundschaftlich.

Wenn am Freitag eines deutlich geworden ist, dann das: Donald Trump wird vermutlich Angela Merkels größte Herausforderung werden – inhaltlich und persönlich. Er wirkte beim Premierentreffen zwar überraschend handzahm, vermied öffentliche Beschimpfungen, lobte Angela Merkel plötzlich ausdrücklich für ihre gute Politik und ließ auch kein America-first-Gehabe durchblicken.

Aber klipp und klar ist, dass Trump von Deutschland als Nato-Mitglied mehr Zahlungen verlangt als zuletzt. Er legt Wert auf faire Handelsbeziehungen, wobei der US-Präsident deutlich zu machen versuchte, dass Amerika in den vergangenen Jahren sehr ungerecht behandelt worden sei. Auch Merkel hält viel von freiem und fairen Handel – sie meinen damit aber offenbar nicht das selbe. Darüber wird noch ernster zu reden sein.

Die nächsten Tage und Wochen werden zeigen, ob Trump und Merkel sich wirklich näher gekommen sind. Der Anfang ist gemacht. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Spätestens beim G 20-Gipfel Anfang Juli werden sich Donald Trump und Angela Merkel wiedersehen. Dann hat die Kanzlerin ein Heimspiel in Hamburg. Und Putin ist dann auch dabei. Westfalen-Blatt

Merkel-Besuch bei Trump: Verständigung in Sachfragen, aber kein Handschlagfoto

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