Tsunami Macron: Frankreich wählt den Ideenwechsel

Parlamentswahl in Frankreich

Breite Mehrheit greifbar nah: Wie ein Tsunami fegt Emmanuel Macron über die politische Landschaft Frankreichs. Nach seinem Sieg bei den Präsidentschaftswahlen ist ihm laut Umfragen auch die absolute Mehrheit in der Nationalversammlung sicher. Mit fast schon sowjetischen Verhältnissen dürfte Macrons Partei La République en Marche in die erste Parlamentskammer einziehen.

Tsunami Macron: Frankreich wählt den Ideenwechsel

Sicher, der sich abzeichnende Erfolg ist eine gute Nachricht für den Staatschef, der sich eine ehrgeizige Reformagenda gesetzt hat. Doch Macron hinterlässt auf seinem Siegeszug eine Spur der Verwüstung. Seine bekanntesten Opfer sind die beiden einstmals großen bürgerlichen Parteien.

Die Sozialisten degradierte er durch seine sozialliberale Bewegung En Marche zur Splitterpartei, die gerade noch so den Fraktionsstatus schaffen dürfte. Die Konservativen spaltete er in zwei Hälften: Die eine arbeitet bereits mit ihm zusammen, die andere wird sich nach rechts außen orientieren. Die Abrechnung unter den Republikanern ist für den Tag nach den Parlamentswahlen bereits programmiert. Aber eine Opposition ist wichtig gegen Macron, der sich schon jetzt als Jupiter versteht – als Oberster der Götter. Denn der Widerstand könnte sonst auf der Straße stattfinden und das wäre fatal für Frankreich. Lausitzer Rundschau

Macron – „En marche“ auch bei der Parlamentswahl? Dass sich mit einem klaren und leidenschaftlichen Bekenntnis zu Europa Wahlen auch gewinnen lassen, hat Emmanuel Macron bereits bei den Präsidentschaftswahlen bewiesen. Was dem jungen, pragmatischen und ganz unprätentiösen Präsidenten noch fehlt, ist eine Mehrheit in der Nationalversammlung. Und die Chancen für seine neue Partei „La République en Marche“ scheinen zumindest laut Umfragen gut, wenn am Sonntag die erste Runde der Parlamentswahlen ansteht. Macron setzt dabei auf unkonventionelle Kandidaten, unter anderen auf einen Star der Wissenschaft, einen Mathematiker. Das Ziel: Frankreich und die „Grande Nation“ wieder als einen Aktivposten in die uropapolitik
einzubringen. Das ist wohl nicht nur die Hoffnung vieler Franzosen, sondern vieler Europäer in einer Zeit, in der Populismus, Terrorismus, Konflikte und Kriege die Tagesordnung der Politik in
höchster Geschwindigkeit diktieren. Der „Weltspiegel“ berichtet über erste Trends der Wahlen in Frankreich. Ellis Fröder, ARD Paris

Die erste Runde der französischen Parlamentswahl war mehr als ein Stimmungstest. Sie war das Bekenntnis vieler Franzosen zu neuen zündenden politischen Ideen, zu Optimismus und Aufbruch. Nachdem sie vor fünf Wochen Emmanuel Macron überzeugend zum Staatspräsidenten gewählt hatten, signalisierten sie ihm nun, dass sie bereit sind, seine junge Bewegung „Republik auf dem Vormarsch“ zu stützen. Macron braucht eine starke parlamentarische Mehrheit, um seine Politik des Wandels erfolgversprechend angehen zu können. Dabei geht er ein großes Risiko ein. Macron setzt auf viele Bürger aus der Zivilgesellschaft, die sich nun bewähren können.

Er gibt ihnen die Chance, Politik und anstehende Reformen mitzugestalten, anstatt im nutzlosen Nörgeln zu verbittern. Dies ist eine Kampfansage an die etablierten Parteien und alle strukturellen Verkrustungen. Der zweite Wahlgang muss das Projekt noch krönen. Macron hat die Menschen mit seiner offenen Art berührt. Er hat allen Berufsskeptikern klar gemacht, dass neben allen innenpolitischen Problemen das Projekt Europa kein auslaufendes Modell ist. Im Gegenteil. Das Thema Europa bleibt für die Jugend des Kontinents eine Schicksalsfrage. Godehard Uhlemann – Rheinische Post

Dass er sich aufs Erneuern versteht, hat Macron bereits bewiesen. In Frankreichs politischer Landschaft steht kein Stein mehr auf dem anderen. Doch so richtig es war, die nach François Hollandes glückloser Präsidentschaft von Selbstzweifeln geplagte Nation auf eine Zukunftsvision einzuschwören und Aufbruchstimmung zu verbreiten: Es ist eben nur eine Vision. Die Wirklichkeit wird dahinter zurückbleiben. Nur weil sich ein Präsident politisch in der Mitte verortet, lösen sich gesellschaftliche Interessenkonflikte nicht in Wohlgefallen auf. Wie jeder Wandel wird der von Macron anvisierte auch Reformverlierer hervorbringen. Axel Veiel – Badische Zeitung

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