Türkei: Warnung vor IS-Anschlag war Grund für Botschaftsschließung

Türkische Terrorgefahr

Inzwischen ist die Türkei weit von der demokratischen Reform-Ära des vergangenen Jahrzehnts entfernt. Das Land bewegt sich auf die Erstarrung in einem autoritären System zu. Sicherer wird die Türkei damit gewiss nicht – Druck erzeugt Gegendruck, weshalb auch in den kommenden Wochen und Monaten mit Anschlägen und Attentatsdrohungen gerechnet werden muss. Susanne Güsten Badische Neueste Nachrichten

Türkei: Warnung vor IS-Anschlag war Grund für Botschaftsschließung

Der Grund für die Schließung der deutschen Botschaft in der Türkei war die Warnung vor einem IS-Anschlag. Das erfuhr das rbb-Inforadio aus deutschen Sicherheitskreisen. Am späten Mittwochabend erhielten die deutschen Sicherheitsbehörden den Hinweis, gegen das deutsche Generalkonsulat in Istanbul sei ein Anschlag geplant.  Der Hinweis war sehr konkret: Gewarnt wurde vor einem Attentäter mit IS-Bezug. Der Hinweis enthielt den Namen und ein Foto des angeblichen Attentäters, sogar eine Telefonnummer wurde genannt.

Mit dem Anschlag habe jederzeit gerechnet werden müssen, heißt es; deshalb sahen die deutschen Sicherheitsbehörden keine Alternative zur sofortigen Schließung des Generalkonsulats in Istanbul, der Botschaft in Ankara sowie der deutschen Schule.

Einzelheiten zu dem mutmaßlichen Anschlagsplan enthielt der Warnhinweis nach rbb-Informationen nicht. Man habe nicht einmal mehr Zeit gehabt, die Situation mit den türkischen Behörden zu besprechen, heißt es in deutschen Sicherheitskreisen. Ein wirksamer Schutz des deutschen Generalkonsulats in Istanbul sei ohnehin kaum möglich.

Ob tatsächlich eine reale Gefahr bestanden hat, ist unklar. Von dem angeblichen Attentäter fehlt jede Spur, er ist den Sicherheitsbehörden nicht bekannt. Denkbar ist deshalb, dass es sich um einen Fehlalarm handelt.

Der Fall erinnere an den Warnhinweis, der im November, unmittelbar nach dem verheerenden Terroranschlag in Paris, zur Absage des Fußball Länderspiels in Hannover führte, heißt es in deutschen Sicherheitskreisen – auch damals kam ein sehr konkreter Hinweis unmittelbar vor dem Spiel, so dass man keine andere Möglichkeit sah, als das Spiel abzusagen. Ähnlich war die Situation in der Silvesternacht: ein konkreter Warnhinweis vor einem angeblich geplanten Anschlag auf einen Münchner Bahnhof führte dazu, dass sowohl der Hauptbahnhof als auch der Bahnhof Pasing geräumt und abgeriegelt wurden. Rundfunk Berlin- Brandenburg

Terrordrohung in Istanbul / Gefährdetes Deutschland

Kann man sich da in Deutschland noch sicher sein, dass es nicht irgendwann zu einem großen Terroranschlag kommt? Nein, denn schon länger sind auch wir im Visier von Islamisten, die neben der Türkei sämtliche westliche Staaten als ihre Feinde betrachten. So spricht vieles dafür, dass sich der Attentäter vor der Blauen Moschee in Istanbul bewusst eine deutsche Reisegruppe aussuchte. Zwar verneinte Bundesinnenminister Thomas de Maizière dies damals. Die aktuellen Drohungen, die nach Erkenntnissen deutscher Behörden von Islamisten ausgehen, könnten aber ein Indiz dafür sein, dass er sich täuschte. Die deutschen Sicherheitsbehörden werden also noch wachsamer sein müssen als bisher, um Terroristen frühzeitig das Handwerk zu legen. Annemarie Rösch Badische Zeitung

Lieber einmal zu viel vorgebeugt als einmal zu wenig. Nach dieser Devise wurde bereits eine ganze Reihe von Veranstaltungen abgesagt, wenn ein Terrorverdacht nicht mehr nur abstrakt im Raum stand – Radrennen, Karnevalszug, Fußballspiel. Nun ließ das Auswärtige Amt deutsche Einrichtungen in der Türkei schließen. Es ist sicherlich kein Zufall, dass gleichzeitig auch das Flugfeld in Incirlik, wo deutsche Tornado-Besatzungen stationiert sind, seine Sicherheitsvorkehrungen auf die höchste Warnstufe heraufsetzte.

Die anhaltende Serie blutigster Anschläge in der Türkei zeigt, dass Terrorbanden sich in dem Land offensichtlich freier bewegen können als in Deutschland. Wer also Deutsche treffen will, könnte geneigt sein, es dort zu versuchen. Deshalb tat Berlin gut daran, in der Türkei zu reagieren, auch wenn das türkischen Behörden wegen der Signalwirkung nicht passt. Freilich erscheint der angeblich nicht gezielt verübte Mord an elf deutschen Touristen nahe der Blauen Moschee in Istanbul vom Januar nun ebenfalls in einem anderen Licht. Gregor Mayntz Rheinische Post

Terrorwarnungen in der Türkei – Vorsicht ja, Hysterie nein

Terroristen, egal welcher politischer Ausrichtung sie anhängen, haben in der Regel ein Hauptziel: Durch Angst und Schrecken verbreitende, blutige Anschläge wollen sie ein Gemeinwesen aus dem Gleichgewicht bringen und latente Angst in der Bevölkerung oder zumindest bei einer bestimmten Zielgruppe schüren. Das gilt auch für die jüngsten Anschläge in der Türkei. Die Reaktion des Gemeinwesens darauf kann nur sein: Es darf sich durch Terroristen weder erpressen lassen noch der Gefahr erliegen, das öffentliche Leben nur noch nach dem Bedrohungspotenzial dieser Kriminellen auszurichten. Denn in diesem Fall hätten die Terroristen mit ihren Anschlägen ein erstes Ziel erreicht.

Sie würden einem ganzen Staat das Heft des Handelns zumindest teilweise aus der Hand nehmen. Politik und Gesellschaft würden von Terroristen vorgeführt. Das darf nicht sein. Deshalb ist die Reaktion von Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier auf jüngste Terrorwarnungen gegen deutsche diplomatische Vertretungen in der Türkei absolut angemessen. Natürlich hat der deutsche Staat in solch einer Situation eine Fürsorgepflicht gegenüber den Beschäftigten dort, wenn konkrete Hinweise auf mögliche Anschläge vorliegen. Immerhin gab es im Januar, Februar und März bereits blutige Anschläge in Istanbul und Ankara mit hohen Opferzahlen. In zwei Fällen erklärte sich eine radikale, kurdische Splittergruppe namens „Freiheitsfalken Kurdistans“ für die Anschläge verantwortlich.

Ate Konflikte um die kurdische Minderheit in der Türkei brechen wieder zunehmend mit gewalttätigen Auseinandersetzungen und auch terroristischen Anschlägen im öffentlichen Raum auf. Dass viele deutsche Touristen nun darauf reagieren und einen Bogen um die Türkei als Reiseland machen, ist aus ihrer Sicht nachvollziehbar. Niemand möchte sich und seine Familie in den schönsten Wochen des Jahres sehenden Auges einer Gefahr für Leib und Leben aussetzen. Das Auswärtige Amt beweist in der akuten Gefahrenlage zu Recht Augenmaß nach dem Motto: Vorsicht ja, Hysterie nein. Es gibt keine Reisewarnung für die Türkei aus, sondern rät zu erhöhter Vorsicht. Ein richtiger Kurs. Matthias Bungeroth Neue Westfälische

Nach Bombenexplosion in der Türkei: kurdische Terrorgruppe bekennt sich zu Anschlag

https://youtu.be/5rTYoC0pDbg

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