US-Demokraten nominieren Hillary Clinton

Kein Bild der Einheit

Es fängt nicht gut an für Hillary Clinton. Statt einem Fest der Harmonie gibt es zum Auftakt des Krönungsparteitags der Demokraten schlechte Laune, Proteste und einen hochkarätigen Rücktritt. Die Generalsekretärin der Demokraten, Debbie Wasserman-Schultz warf das Handtuch, nachdem Wikileaks fast 20 000 interne E-Mails der Partei veröffentlichte.

US-Demokraten nominieren Hillary Clinton

Die E-Mails belegen, was der unterlegene Herausforderer Clintons, Bernie Sanders, immer behauptet hatte: dass die Parteiführung die Vorwahlen zugunsten Hillarys beeinflusste. Die Enthüllung selbst ist weniger erschütternd als sie peinlich ist. Denn es war mehr als offenkundig, dass sich die Parteiführung Clinton und nicht Sanders als Spitzenkandidatin wünschte. Die Affäre macht es für die Präsidentschaftskandidatin nun sehr viel schwieriger als bis dahin gehofft, in Philadelphia ein Bild der Einheit zu vermitteln. Mittelbayerische Zeitung

Kein Bild der Einheit

Der Rummelplatz der Republikaner in Cleveland ist geschlossen, das Kirmesgeschrei des Donald Trump verstummt. Ab heute geht es bei den Demokraten in Philadelphia gesittet zu. Als Stimme der Vernunft und des Augenmaßes wird sich Hillary Clinton den Delegierten und ganz Amerika als Nachfolgerin von Barack Obama andienen. Ihre Nominierung ist Formsache. Clinton geht mit einem Startvorteil auf die Schluss-Etappe des Präsidentschaftswahlkampfes. Der amtierende Geschäftsträger im Weißen Haus wünscht sich ausdrücklich sie als Nachfolgerin. Bei den Republikanern wünschen viele Donald Trump immer noch zum Teufel. Ein Spaziergang wird die viertägige Polit-Show für die 68-Jährige gleichwohl nicht.

Clintons Image ist das einer kalt kalkulierenden, links redenden, rechts lebenden, alle Tricks beherrschenden, machthungrigen Person, die Skandale mit Beharrlichkeit weglächelt. Dass sie alle wünschenswerten Fähigkeiten in innen- wie außenpolitischen Regierungsdingen mitbringt, tritt in den Hintergrund. Das demokratische Kontrastprogramm zu Trump schreibt sich nach Cleveland von selbst. Wenn nach Philadelphia das überzeugendste Argument für Hillary Clinton lauten sollte, dass nur sie Donald Trump verhindern kann, könnte es eng werden. Demokratischen Wählern wird das reichen. Der breiten Mehrheit im Lande nicht. Dirk Hautkapp, Washington – Neue Westfälische

Clinton in Not

Die Schock-Nachricht für Hillary Clinton ist nicht, dass Debbie Wasserman Schultz zurücktritt, die Parteichefin der Demokraten. Die Schock-Nachricht sind auch nicht die 20.000 gehackten E-Mails, die von einer Attacke auf den Clinton-Kontrahenten Bernie Sanders künden – eine Attacke aus den eigenen Reihen der Demokraten. Das wirklich Beunruhigende für Hillary Clinton ist die aktuelle Umfrage, die Donald Trump im Präsidentschaftsrennen vorne sieht – trotz des Republikaner-Parteitags, der eine völlig zerrissene Partei zeigte. Das bedeutet: Immer mehr Trump-Wählern ist nicht nur die Republikanische Partei herzlich egal, sondern auch die Politik als solche. Trumps Kerntruppe, das sind die männlichen weißen Globalisierungsverlierer, oder solche, die sich dafür halten. Und denen ist es wurscht, ob ihr Idol die Nato-Beistandspflicht in Frage stellt.

Zudem scheint Trump zunehmend Leute auf seine Seite zu ziehen, die bislang den Demokraten gewogen waren. Hillary Clinton muss mächtig auf der Hut sein, und sie muss Fahrt aufnehmen. Sie hat dafür hervorragende Unterstützer: die Obamas und nicht zuletzt ihren eigenen Ehemann Bill. Sie hat ihm einst in der Lewinsky-Affäre den Hals gerettet; nun kann er sich revanchieren, indem er seinen noch immer beeindruckenden Charme spielen lässt. Was für eine Ehe-Geschichte! Sie muss ihr soziales Herz zeigen, das ja durchaus vorhanden ist. Zugleich sollten sich die Anhänger des Sozialromantikers Sanders klar machen, was es bedeutet, wenn sie, wie manche von ihnen ankündigen, Clinton nicht unterstützen: dass Trump gewinnt. Das kann niemand wollen, dem die USA auch nur halbwegs am Herzen liegen. Reinhard Breidenbach – Allgemeine Zeitung Mainz

E-Mail-Affäre bei den US-Demokraten

Der Held der Geschichte ist Bernie Sanders, vom Nischensenator aus Vermont aufgestiegen zur Galionsfigur der amerikanischen Linken. Wie gelassen er auf die E-Mail-Affäre reagiert, nötigt schon deshalb Respekt ab, weil es sich so deutlich abhebt vom giftigen Ton, mit dem die Wahlkämpfer in die Endrunde ziehen. Sanders könnte die Enthüllungen nutzen, um in letzter Sekunde zur Rebellion gegen seine vom Parteimanagement regelwidrig bevorzugte Parteifreundin Hillary Clinton aufzurufen. Stattdessen sagt er, dass jetzt nur noch eines zählt: Donald Trump an den Wahlurnen zu besiegen. Die Würde des Bernie Sanders steht nicht nur in Kontrast zu Trumps Tiraden, sie unterscheidet sich auch markant von dem, was Clintons Kampagnenteam aus der Geschichte zu machen versucht. Nach dessen Lesart handelten die Hacker nicht nur im Auftrag Moskaus, sondern im Rahmen eines stillschweigenden Pakts zwischen Putin und Trump. Denkbar ist das allemal. Nur sollte, wer sich aus dem Fenster lehnt, auch Beweise vorlegen. Der Versachlichung einer beispiellos polemischen Kampagne wäre damit allemal gedient. Frank Herrmann – Rheinische Post

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