Dudenhöffer: In Amerika ist der Diesel tot

Automobilexperte sieht Antriebstechnologie vor Genfer Auto-Salon in schwerer Krise

Neue Dieselautos stoßen mehr CO2 pro Kilometer aus als Benziner Greenpeace: Klimaargument für Dieselsubventionen nicht haltbar. Neue Dieselmodelle stoßen pro Kilometer mindestens so viel klimaschädliches Kohlendioxid (CO2) aus wie Benziner.

Vor dem Beginn des 86. Internationalen Genfer Auto-Salons in dieser Woche sehen Branchenkenner eine massive Krise der Dieseltechnologie. In einem Gespräch mit der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ sagte Ferdinand Dudenhöffer, Direktor des Car-Zentrums an der Universität Duisburg-Essen, „die Dieselwolke hängt über der europäischen Automobilindustrie und beschädigt sie ungemein. In Amerika ist der Diesel tot, und es wird kaum möglich sein, ihn wiederzubeleben. Auch in Europa hat dieser Antrieb ungemein schwierige Zeiten vor sich.“ Ferner hält der Automobilexperte die Abgas-Affäre des Volkswagen-Konzerns noch nicht für überwunden. Der Lösungsweg, den VW per Update vornehme, sei noch nicht hinreichend auf seine Folgen untersucht. „Wenn man ein Parameter am Motor ändert, hier die Stickoxide, dann bleibt es nicht aus, dass es an anderer Stelle Auswirkungen gibt, etwa bei der Leistung oder beim Verbrauch“, sagte Dudenhöffer. „Welches diese Folgen sind, und ob man sie beherrscht, das wird man erst noch sehen“, so der Professor. Neue Osnabrücker Zeitung

Neue Dieselmodelle stoßen pro Kilometer mindestens so viel klimaschädliches Kohlendioxid (CO2) aus wie Benziner. Dies zeigt eine Kurzexpertise des Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie im Auftrag von Greenpeace. Wie auch Neuvorstellungen auf dem Donnerstag eröffnenden Genfer Autosalon zeigen, werden Dieselautos immer schwerer und höher motorisiert. Dadurch hat sich der ursprüngliche Effizienzvorsprung des Kraftstoffs deutlich verringert. Vergleicht man den CO2-Ausstoß pro Kilometer der tatsächlich verkauften neuen Dieselfahrzeuge mit jenem der verkauften Benziner, schnitten Diesel 2013 sogar leicht schlechter ab. Im Jahr 1995 war das Verhältnis noch etwa umgekehrt. „Den milliardenschweren Dieselsubventionen fehlt heute jede ökologische Grundlage. Sie gehören gestrichen. Diese Gelder müssen dringend für tatsächlich saubere Verkehrsformen verwendet werden, wie etwa Elektrobusse in Städten oder den Ausbau des Radwegenetzes“, so Greenpeace-Verkehrsexperte Daniel Moser.

Verkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) wie auch Daimler-Chef Dieter Zetsche haben die Steuerprivilegien für Diesel zuletzt mit der vermeintlich besseren CO2-Bilanz des Kraftstoffs gerechtfertigt. Derzeit wird ein Liter Diesel mit 18,41 Cent weniger besteuert als ein Liter Benzin. Nachdem der Dieselanteil an neuzugelassenen Autos in Deutschland in den vergangenen Jahren auf annähernd 50 Prozent gestiegen ist, summieren sich diese Subventionen auf etwa 7 Milliarden Euro pro Jahr. Greenpeace hatte zuletzt errechnen lassen, dass mit dieser Summe innerhalb eines Jahres alle städtischen Busse auf saubere Elektromotoren umgestellt werden könnten.

Dieselmotoren sorgen für schlechte Luft in Städten

Während die Klimabilanz von Dieselwagen bislang fälschlicherweise als Argument für den Treibstoff galt, sind die Selbstzünder unbestritten als Ursache der schlechten Luft in vielen deutschen Städten. Die Weltgesundheitsorganisation WHO wertet Dieselabgase als so giftig wie Arsen. Dieselmotoren stoßen zwei Drittel der verkehrsbedingten Emissionen an Stickoxiden aus. Der Luftschadstoff führt bei hohen Konzentrationen zu Asthma, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und fördert Krebs. In zahlreichen deutschen Städten werden seit Jahren die geltenden Grenzwerte für Stickoxide überschritten. Erst durch den VW-Abgasskandal wurde einer breiten Öffentlichkeit bewusst, dass auch moderne Dieselautos der Euro-6-Norm im Straßenverkehr die EU-Stickoxidgrenzwerte um ein Vielfaches überschreiten.

Greenpeace misst derzeit zusammen mit Experten der Universität Heidelberg Stickoxidkonzentrationen in deutschen Großstädten. Greenpeace

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