Hofreiter bezeichnet Rücktritt Winterkorns als „absolut richtig“

Guten Ruf sichern - Winterkorn bei Rücktritt wenig souverän

Grünen-Fraktionschef Anton Hofreiter hat den Rücktritt von VW-Chef Martin Winterkorn als „absolut richtigen Schritt“ bezeichnet. Der Rücktritt dürfe jetzt aber nicht bedeuten, dass VW bei der Aufklärung der Vorfälle nachlasse, sagte Hofreiter der in Düsseldorf erscheinenden „Rheinischen Post“ (Donnerstagausgabe).

Hofreiter bezeichnet Rücktritt Winterkorns als „absolut richtig“

Der Grünen-Politiker mahnte bei Automobilherstellern einen „grundlegenden Mentalitätswechsel“ an. „VW muss die Aufklärung vorantreiben. Winterkorns Nachfolger darf durch die Affäre nicht belastet sein“, sagte Hofreiter. Die Verbraucher hätten ein Recht darauf, dass die Schadstoffemissionen von Neuwagen „auch in der Realität, nicht nur im Labor“ vorgegebene Grenzwerte nicht überschritten. Rheinische Post

Da hat kein Krisenmanagement geholfen, das Martin Winterkorn selbst leiten wollte. Saß der Volkswagen-Chef noch vor einer Woche fester als zuvor im Sattel, ist er heute bereits Geschichte. Und das offenbar ganz ohne Einsicht. Immerhin ist sich der Ex-Konzernchef „keines Fehlverhaltens bewusst“. Mit Verlaub: Das ist wenig souverän. Er hätte einsehen müssen, dass Fehlverhalten auch durch Unterlassung möglich ist. Es dürfte ihn dabei nur wenig trösten, dass ihm im Verlauf der kommenden Wochen weiteres Führungspersonal – wenn auch vielleicht nicht von ganz oben – in die Reihe der ehemaligen Volkswagen-Mitarbeiter folgen wird.

Bei einem derartig gigantischen finanziellen Schaden muss das Unternehmen nach dem ersten Sturm nun zügig in ruhige Bahnen gelenkt werden – unter welchem neuen Vorstandschef auch immer. Die Mitarbeiter brauchen in unsicheren Zeiten Führung, damit aus dem Abgas-Skandal keine Dauerkrise wird. Dass Volkswagen und seine Tochterunternehmen hochwertige Autos bauen können, zeigt das hohe Verbrauchervertrauen, das sich auch durch die Probleme mit dem Abgas nicht in Luft auflösen wird – wer am eigenen Auto keine Qualitätsmängel feststellt, dürfte wenig Neigung verspüren, auf ein anderes Modell umzusteigen. Trotzdem muss Volkswagen vermeiden, seinen guten Ruf vollends zu verlieren. Sonst springen irgendwann Firmenkunden ab – und die kaufen zum Beispiel in Deutschland viel mehr Neuwagen als Privathaushalte.

Martin Winterkorn sollte sich derweil keine Sorgen um seine Zukunft machen. Er hat an der Spitze des Volkswagen-Konzerns mit dafür Sorge getragen, dass das Unternehmen im ersten Halbjahr 2015 weltweit die meisten Autos verkauft hat. Sein Wissen und seine Dienste dürften gefragt bleiben – wenn auch vielleicht nicht bei VW. Florian Girwert Thüringische Landeszeitung

Abgasaffäre: Winterkorn räumt Chefsessel bei VW

Er geht! Überrascht dürfte am Ende kaum noch jemand von der Nachricht gewesen sein, dass VW-Chef Martin Winterkorn seinen Posten räumt. Diese Entscheidung ist eine überfällige Konsequenz dessen, was in den vergangenen Tagen passiert ist. Und sie ist eine logische Folge dessen, wie wir – die Gesellschaft – schon seit Jahrhunderten gestrickt sind: Läuft etwas gehörig daneben, dann muss es einen geben, auf den wir mit dem Finger zeigen und den wir bestrafen können. So einfach ist das System. Erinnern wir uns. Freitagabend begann alles mit einer kurzen Notiz. Die US-Umweltbehörde EPA wirft dem Autobauer Verstöße gegen das Klimaschutzgesetz vor und fordert den Konzern auf, knapp 500000 Fahrzeuge in Kalifornien zurückzurufen.

So weit, so gewöhnlich. Doch die Dynamik, die danach in Gang gesetzt wurde und die bis zuletzt immer weiter an Fahrt aufgenommen hat, hat es in den vergangenen Jahren in der deutschen Wirtschaft nicht mehr gegeben: ein Aktiencrash von fast 40 Prozent, das Einschalten ranghöchster Politiker, weltweite Ermittlungen und eine drohende Geldstrafe von bis zu 18 Milliarden Dollar. Es war reichlich naiv von Winterkorn zu glauben, dass er an seinem Amt kleben kann. Bei einem Skandal in einer solchen Größenordnung reicht es nicht aus, mal eben hier einen US-Manager oder da einen Bereichsleiter zu feuern. Bei einem Ereignis, das gleichermaßen Deutschland, die USA, Brasilien oder auch China erschüttert, muss derjenige den Hut nehmen – und das ist selbstverständlich -, der weltweit für einen Konzern steht, der die Verantwortung trägt.

Im Fall VW: Martin Winterkorn. Winterkorn ist mit Sicherheit kein Unschuldslamm. Ob er über die Manipulationen wirklich nicht informiert war, ist mehr als zweifelhaft. Aber am Ende war schon längst nicht mehr die Rede davon, wer was wann wusste. Am Ende ging es nur noch darum, dass Köpfe in Verantwortung rollen. Denn das ist letztendlich das Einzige, was die aufgebrachte Menge – eine undurchsichtige Masse aus Politikern, Wirtschaftsexperten und Otto-Normal-Verbrauchern – befrieden kann. So war es immer, und so muss es sein. Wir sind einfach gestrickt. Maren Beneke Weser-Kurier

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