Dürrekatastrophe in Afrika verschlimmert sich

Klimawandel - Konsequent und mit Verstand

Um fast anderthalb Grad hat sich Deutschland seit Ende des 19. Jahrhunderts erwärmt. 23 der vergangenen 25 Jahre waren zu warm. Das zeigt: Wir leben in einer neuen Klimaepoche. Deshalb bedarf es einer neuen Vorstellung davon, was wir als normal bezeichnen.

Dürrekatastrophe in Afrika verschlimmert sich

Ist ein Dezember, der sich wie ein April anfühlt, noch normal? Sind es beständige Südlagen wie im vergangenen Hitzesommer? Die derzeitige Klimareferenzperiode von 1961 bis 1990 ist nicht mehr zeitgemäß. Der Deutsche Wetterdienst sollte sie endlich anpassen, wie es die Schweizer getan haben. Und endlich nachhaltig erforschen, wie der Klimawandel genau auf die Wetterlagen wirkt. Nur so wird deutlich, welchen Schwankungen unser Wetter tatsächlich unterworfen ist. Andreas Frey Badische Zeitung

Das Wetter / Was ist normal?

In der schlimmsten Dürre seit einem halben Jahrhundert wird Äthiopien weitgehend alleine gelassen. Der Boden ist vertrocknet, Ernten fallen aus, das Vieh vielerorts verendet – und jetzt hungern auch die Menschen. Die Vereinten Nationen, Hilfsorganisationen und die äthiopische Regierung warnen seit Monaten, dass sich die Situation von rund zehn Millionen Hilfsbedürftigen weiter verschlimmert. Doch die internationale Gemeinschaft hat bislang erst knapp die Hälfte der zugesagten Mittel bereitgestellt. „Europa ist aufgrund der Flüchtlingskrise mit sich selbst beschäftigt. Deshalb findet diese humanitäre Katastrophe in Afrika viel zu wenig Aufmerksamkeit“, sagt Josefine Kamm, Geschäftsführerin der Stiftung Menschen für Menschen Schweiz.

Verursacht ist die Dürre durch den Klimawandel, der durch das aktuelle globale El-Niño-Wetterphänomen noch verstärkt wird. Laut dem Amt für die Koordinierung humanitärer Angelegenheiten im UN-Sekretariat stieg die Zahl der auf Nahrungsmittel angewiesenen Menschen in Afrika in den ersten Monaten des Jahres noch einmal, nämlich von 18,2 auf 20,4 Millionen Menschen. Die Hälfte davon lebt in Äthiopien.

Die UN-Behörde geht davon aus, dass dort 435’000 Kinder mit schwerer Unterernährung dringend behandelt werden müssen. Zu den rund 730’000 Flüchtlingen, die vor Kriegen und Willkürherrschaft in den Nachbarländern nach Äthiopien geflohen sind, kommen nun noch 545’000 Binnenflüchtlinge hinzu. Mehr als 200 Schulen hätten schon geschlossen werden müssen, weil Hirtenfamilien mit ihren Kindern auf der verzweifelten Suche nach Wasser und Futter für ihre Herden in weitabgelegene Gebiete gezogen seien. Dort sind die Kinder einem noch grösseren Risiko ausgesetzt: Durch Nahrungsmangel und schmutziges Wasser drohen ihnen Infektions- und parasitäre Krankheiten, die aufgrund ihrer Entkräftung leicht zum Tode führen können.

„Dieses Schicksal vermeiden wir im besonders betroffenen Distrikt Mille in der Region Afar durch unsere Nothilfe“, sagt Josefine Kamm. Dort wies nach Angaben der lokalen Behörden zum Jahreswechsel jedes vierte Kind unter fünf Jahren Anzeichen von Unterernährung auf, rund 1000 Kinder waren demnach schwer unterernährt. Menschen für Menschen Schweiz bringt diese Kinder seit Januar mit einer Zusatznahrung durch die Dürre. Pro Kind bekommen die Familien viereinhalb Kilogramm Famix, ein proteinreiches Pulver aus Soja und Getreide, und einen halben Liter Speiseöl: „Solange die saisonalen Regen ausbleiben, entscheidet unsere Hilfe über Gesundheit und Leben der Kinder.“

Über die Nothilfe hinaus sei es wichtig, den Menschen Perspektiven anzubieten, die sie langfristig unabhängig machen vom Klimawandel, betont die Geschäftsführerin der Stiftung, die sich auf die Äthiopienhilfe spezialisiert hat: „Die Hirtenfamilien brauchen Alternativen zur Viehzucht. Sonst hungern sie bei künftigen Dürren erneut.“ Deshalb bauen Experten der Stiftung im Gebiet Subuli in der Afar-Region Bewässerungskanäle am ganzjährig Wasser führenden Arso-Fluss: „Wir wandeln 100 Hektar staubiger Savanne in Getreide- und Gemüsefelder um, auf denen zwei Ernten im Jahr möglich sind.“ 1800 Menschen finden so auf Jahrzehnte hinaus Nahrungsmittel-Sicherheit.

„In der Flüchtlingsdebatte in der Schweiz wird zurecht die Forderung gestellt, die Hilfe in den Herkunftsländern zu verstärken“, sagt Josefine Kamm. „Wir helfen gefährdeten Kindern kurzfristig mit Nothilfe und sorgen gleichzeitig für langfristige Perspektiven, damit die Familien in ihrer Heimat ein menschenwürdiges Auskommen finden. Um diese Ziele zu erreichen, sind wir weiterhin dringend auf die Hilfe der Schweizer Bevölkerung angewiesen.“ www.menschenfuermenschen.ch Michael Kesselring

Klimawandel – Konsequent und mit Verstand

Es muss gehandelt werden und zwar konsequent und mit Verstand. Erst im Dezember wurde in Paris auf dem Klimagipfel über den Temperaturanstieg debattiert. Auf mehr als 1,5 Grad solle sich das Klima nicht erwärmen, so das erklärte Ziel, doch nur einige Monate später zeichnet sich ein ernüchterndes Bild ab: 2015 war bereits um durchschnittlich 1,4 Grad wärmer als die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts. Eine symbolische Schwelle. Ausgehend von dieser Zahl müssten weltweit alle Staaten sofort auf fossile Brennstoffe verzichten, um das Chaos noch einigermaßen einzugrenzen.

Verantwortungsvolles Handeln ist gefragt, denn die ersten Auswirkungen des Klimawandel sind schon jetzt spürbar. Starkregen auf der einen Seite, Hitze und Dürre auf der anderen. Der Wandel gefährdet Ökosysteme und Infrastrukturen. Besonders deutlich zeigt sich der Temperaturanstieg in den Skigebieten: neun von zehn müssen künftig wahrscheinlich ohne Schnee auskommen. Selbst mit Kunstschnee ist der bisherige Standard offenbar nicht zu halten. Zudem werden Regionen, die schon ohnehin als regnerisch gelten vermehrt von Starkregen betroffen. Fakt ist: Die Versiegelung von Böden in deutschen Städten nimmt immer weiter zu. Etwa 47 Prozent einer Stadtfläche werden durchschnittlich von Beton und Asphalt überzogen. Aber in den meisten Städten ist die Kanalisation nicht für größere Niederschlagsmengen ausgelegt.

Bei einem länger anhaltenden Starkregen zieht das Wasser also durch die Straßen, überflutet diese und hinterlässt Schäden, anstatt im Gulli zu verschwinden. Köln und Rheinland-Pfalz haben aus vergangenen Starkregenkatastrophen mittlerweile Konsequenzen gezogen und Regelungen bei Neubauten verschärft und Leitfäden mit Hinweisen und Anregungen erstellt, um Gefahren einschätzen und Schäden rechtzeitig abwenden zu können. Striktes Handeln an denen sich andere Politiker ein Beispiel nehmen können. Viktoria Bartsch Neue Westfälische

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