Leben mit dem Atomrisiko – Folgen von Fukushima

5 Jahre Fukushima: "Innovationen voranbringen"

Es reicht, einen Blick auf den Zustand der deutschen Energiekonzerne zu werfen. Allen voran die Branchenführer Eon und RWE: Einst galten sie als unbezwingbare Riesen. Heute sind sie Sanierungsfälle. Die Energiewende fegt über die Konzerne hinweg.

 

Die Berliner Politik macht sich mit dem Gedanken vertraut, dass am Ende der Steuerzahler für die Hinterlassenschaften des Nuklear-Zeitalters aufkommen muss. An das Thema Braunkohle-Ausstieg wiederum traut sich die amtierende Bundesregierung bisher nicht heran. Und die Unternehmen sehen sich als Opfer des Ökostrom-Booms. Dabei könnten sie längst dessen Vorreiter sein. Die Konzerne sind aber keine Opfer der Energiewende, sondern das Opfer einer Verbindung aus politischer Beliebigkeit und Managementversagen. Mitteldeutsche Zeitung

Folgen von Fukushima

Stärke 9 hatte das Erdbeben, das den Tsunami auslöste. Und es passierte, was offiziell unmöglich war: Die Kühlsysteme des Atomkraftwerks versagten, es kam zur Kernschmelze, ein ganzer Landstrich wurde verseucht, die Menschen mussten ihre Heimat verlassen. Bis heute kämpft das Land mit den Folgen. Mit Kosten von geschätzt 100 Milliarden Euro für die Bewältigung des Unglücks ist das riesige Ausmaß der Katastrophe nur in Zahlen umrissen – das Leid der Menschen ist nicht zu messen.

Was im fernen Japan geschah, verursachte in Deutschland ein politisches Erdbeben. Aus der Atompartei CDU wurde quasi über Nacht die Partei der Energiewende. Dieselbe Regierung, die kurz zuvor Laufzeitverlängerungen beschlossen hatte, wollte nun so schnell wie möglich raus aus der Technologie. Es begann ein beispielloser energiepolitischer Umbau der Republik, der bis heute nicht abgeschlossen ist und große wirtschaftliche Verwerfungen auslöste. Alternativlos?

Heute blicken die Bürger Nordrhein-Westfalens mit Sorge gen Westen. In Tihange bei Lüttich und in Doel bei Antwerpen arbeiten belgische Uraltreaktoren, die seit Monaten im Pannentakt hoch- und runtergefahren werden. Ein vertuschter Störfall im französischen Atomkraftwerk Fessenheim im April 2014, der erst jetzt ans Licht kam, gibt Befürchtungen neue Nahrung. Fukushima markiert einen Wendepunkt, doch mit den Risiken der Atomtechnologie werden die Menschen noch lange leben müssen. Christopher Onkelbach Westdeutsche Allgemeine Zeitung

5 Jahre Fukushima: „Innovationen voranbringen“

Fünf Jahre nach der Reaktorkatastrophe von Fukushima stehen weitere wichtige Etappen der Energiewende bevor. „Die Klimabeschlüsse von Paris erhöhen den Druck bei der Dekarbonisierung der Energieversorgung, Digitalisierung und Dezentralisierung ermöglichen viele neue Geschäftsmodelle und stellen andere in Frage“, betont Robert Busch, Geschäftsführer des Bundesverbandes Neue Energiewirtschaft (bne). Die Kopplung der Sektoren Strom, Wärme und Mobilität wird dabei ein prägendes Element des künftigen Energiesystems sein.

Versorgungssicherheit und Netzstabilität sollen in Zukunft über viele Millionen dezentrale Erzeugungsanlagen und Speicher gewährleistet werden, die miteinander und mit kleinen und großen Verbrauchern verbunden sind. Digitale Anwendungen etwa zum Messen und Steuern spielen dabei eine wichtige Rolle. Mit den Gesetzen zum Strommarktdesign sowie zur Digitalisierung der Energiewende hat die Bundesregierung wichtige Schritte auf diesem Weg unternommen. Beide befinden sich aktuell im parlamentarischen Verfahren. „Wir hoffen darauf, dass diese Vorhaben nun auch zeitnah in Kraft treten können, um neue energiewirtschaftliche Geschäftsmodelle, vernetzte Dienstleistungen für Strom, Wärme und Mobilität oder das Lastmanagement zu ermöglichen“, betont bne-Geschäftsführer Busch. Der bne und seine Mitgliedsunternehmen sind hier Vorreiter.

Intelligente Infrastruktur
Eine wichtige Rolle für das Gelingen der Energiewende spielt eine moderne und effiziente Leitungsinfrastruktur. Bei der aktuellen Diskussion über die Reform der Anreizregulierung sollten dafür die richtigen Impulse gesetzt werden. Dabei gilt es, die Kostenbelastung für die Energiekunden im Blick zu halten. „Niemand bestreitet, dass in das Netz investiert werden muss, aber nicht überall in gleichem Maße. Mit intelligenter Netztechnik sowie gemeinsamen Betriebsführungen auf Verteilnetzebene ließen sich die Kosten reduzieren“, betont Busch.

Im Zuge des Ausbaus der wetterabhängigen erneuerbaren Energien braucht es zudem Anreize, Erzeugung und Verbrauch zu flexibilisieren. „Wegen der geltenden Netzentgeltvergünstigungen für energieintensive Unternehmen bei einem möglichst konstanten Strombezug werden bestehende Flexibilitätspotentiale oft nicht gehoben“, so Busch. Auch die Vergünstigungen für die sogenannte atypische Netznutzung haben sich überholt, weil die Zugrunde liegenden Zeitfenster noch aus der Welt zentraler Großkraftwerke stammen und nichts mit der Einspeisung von Solar- oder Windenergie gemein haben.

In einer künftigen Netzentgeltsystematik sollten Hemmnisse für eine Flexibilisierung beseitigt werden. Gleichzeitig muss die Frage beantwortet werden, wie angesichts der zu erwartenden Zunahme von Eigenverbrauchslösungen die Netzkosten gerechter verteilt werden können. Bundesverband Neue Energiewirtschaft e.V.

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