Hauch von Luxus bei Lufthansa längst verflogen

Ehrlichere Ticketpreise

Reicht fürs lange Wochenende in London das Handgepäck, wird’s billiger – zumindest bei der Konkurrenz und dem eigenen Billigflieger Germanwings.

Von ihrem Ruf der etwas feineren, etwas stilvolleren Fluglinie mit einem Hauch Luxus hat die Lufthansa viele Jahrzehnte gut gelebt. Allerdings war seinerzeit das Fliegen auch noch Luxus und die Lufthansa ein Staats-Monopolist. Beides ist lange vorbei. Billigflieger wie Ryanair haben das Flugzeug zu einem normalen Verkehrsmittel gemacht, das, clever gebucht, nicht selten sogar die Bahn im Preis unterbieten kann. Entsprechend haben sich auch die Erwartungen der Kunden verschoben – vom Sektchen über den Wolken zum Ticket-Tiefstpreis. Dafür verzichten die meisten gern auf etwas Service.

Spohr hat gar keine andere Wahl

Reicht fürs lange Wochenende in London das Handgepäck, wird’s billiger – zumindest bei der Konkurrenz und dem eigenen Billigflieger Germanwings. Da Fliegen kein Luxus mehr ist, wird ihre ohnehin nicht mehr gar so penibel gepflegte Tradition für die Lufthansa mehr und mehr zum Ballast. Der Kranich kann gar nicht anders, als sich der Preispolitik der Mitbewerber auch mit der Kernmarke anzupassen und gleichzeitig das Billigsegment auszubauen. Vorstandschef Spohr mag sich damit im eigenen Laden keine Freunde machen. Doch er hat keine Wahl. Von Stefan Schulte Westdeutsche Allgemeine Zeitung

Wenn Lufthansa die Tarife weiter differenziert, ist das im Prinzip zu begrüßen: Warum sollen Passagiere ohne aufgegebenes Gepäck dafür mitbezahlen, dass viele hundert Kilo an Taschen und Koffern in den Bauch des Flugzeuges geladen und mitgenommen werden? Also ist es an sich eine gute Idee, künftig einen Discount-Tarif anzubieten, bei dem die Kunden darauf verzichten, Gepäck aufzugeben. Trotzdem sind die neuen Preise nicht ohne Risiko: Wer häufig mit Ryanair als bekanntestem Billigflieger gereist ist, erinnert sich mit Grauen, wie Passagiere darum stritten, wo sie ihr relativ umfangreiches Handgepäck unterbringen.

Falls also der neue Preisvorteil für Reisende ohne aufgegebenes Gepäck bei Lufthansa zu ähnlichen Verhältnissen führt, ist das Image als Premium-Airline noch stärker bedroht. Zugleich stellt sich die Frage, ob Reisen mit Gepäck zum Ausgleich teurer wird. Lufthansa hätte das sicher gerne, doch tatsächlich kennen die Preise im Luftverkehr nur eine Richtung: nach unten. Der Wettbewerb um die Gunst der Kunden funktioniert. Von Reinhard Kowalewsky Rheinische Post

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