Erdogan lacht nicht

Moderator Christian Ehring will Erdogan nicht als "Running Gag" ausreizen

Moderator Christian Ehring (43) hofft, dass sich die Wogen nach dem Wirbel um ein Erdogan-Video in seiner Satire-Sendung „Extra 3“ demnächst wieder glätten. „Es gibt letztlich Wichtigeres, als sich über einen Satire-Beitrag zu streiten“, sagte er der in Düsseldorf erscheinenden „Rheinischen Post“.

In der aktuellen Sendung am Mittwochabend hatte er dennoch nachgelegt und Erdogan als „Mitarbeiter des Monats“ bezeichnet. Ehring will jedoch nicht, dass daraus ein „Running Gag“ wird. „Wenn Erdogan aber den Botschafter ausweist, ist das für uns wieder ein Thema. Der Ball liegt jetzt wieder bei ihm.“ Rheinische Post

Fast zwei Wochen hat es gedauert, bis die Mitarbeiter des türkischen Präsidenten diesen auf eine zwei Wochen alte deutsche Fernsehsendung aufmerksam gemacht haben. Darin wird in einem hübschen Lied Recep Tayyip Erdogan für sein diktatorisches Gebaren, seinen Krieg gegen die Kurden, sein Frauenbild und manch anderes kritisiert. Anstatt nun aber zu schweigen und die für Erdogan unvorteilhafte Darstellung in der Satiresendung „extra drei“ zu ignorieren, fährt der „Boss vom Bosporus“, wie er in der Satire genannt wird, heftiges diplomatisches Geschütz auf: Der deutsche Botschafter in Ankara wurde einberufen, das Außenministerium drängt auf eine Absetzung der Sendung.

Der europäisch-türkische Vertrag über die Rücknahme von Flüchtlingen hat bereits zu einer Zunahme der Repression nach innen in der Türkei geführt. Jetzt dokumentiert Ankara auch nach außen, dass, wer mit ihnen Geschäfte macht, nach ihrer Pfeife zu tanzen habe. Die unhöflichen Gesten in Richtung Berlin zeugen von einem Verständnis von Meinungsfreiheit, wie es in weiten Teilen der Europäischen Union nicht mehr anzutreffen ist. Und sie zeigen einmal mehr, wie wenig dieses Land mit dieser Regierung in eine Europäische Union gehört. Schwäbische Zeitung

Wegen eines satirischen NDR-Beitrags hat das türkische Außenministerium nach Angaben von SPIEGEL ONLINE den deutschen Botschafter Michael Erdmann vorgeladen. Der Diplomat musste sich demnach am vorigen Dienstag in einem längeren Gespräch rechtfertigen.

Dabei handelte es sich offenbar nicht um eine freundliche Einladung unter Partnern, wie bei Meinungsverschiedenheiten unter Diplomaten zunächst üblich, sondern um eine formelle Vorladung, hieß es in dem Beitrag.
Bei der Unterredung ging es um eine knapp zweiminütige Satire aus der Sendung „extra 3“ vom 17. März, ein Lied mit dem Titel „Erdowi, Erdowo, Erdogan“ über den türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan. Die Sendung, die sonst regelmäßig im NDR-Fernsehen läuft, wurde an diesem Abend in der ARD ausgestrahlt.

Im Text heißt es zum Beispiel: „Er lebt auf großem Fuß, der Protz vom Bosporus“. Außerdem werden die jüngsten Angriffe auf die Pressefreiheit in der Türkei thematisiert. So heißt es: „Ein Journalist, der irgendwas verfasst, was Erdogan nicht passt, ist morgen schon im Knast.“

Mehrere diplomatische Vertreter, darunter auch Erdmann und der britische Generalkonsul Leigh Turner, hatten den ersten Prozesstag in Istanbul beobachtet. Erdogan warnte Turner am Sonntag, ohne dessen Namen zu nennen. „Wenn diese Person noch immer ihren Dienst in der Türkei fortführen kann, ist das unserem Edelmut und unserer Gastfreundschaft zu verdanken“, sagte Erdogan nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur Anadolu auf einer Veranstaltung in Istanbul.
Hintergrund ist eine Twitter-Nachricht Turners vom Samstag. Er hatte geschrieben, die Türkei entscheide selbst, was für ein Land es sein möchte. Erdogan sagte, mit dem Tweet sei eine Grenze überschritten worden. Woanders würden Diplomaten, die ein solches Benehmen an den Tag legten, nicht einen Tag geduldet.

Dündar und Gül müssen sich nach einem Bericht über Waffenlieferungen des türkischen Geheimdienstes an Islamisten in Syrien wegen des Vorwurfs der Spionage und des Verrats von Staatsgeheimnissen verantworten. Erdogan hatte dies als rufschädigend für die Türkei bezeichnet und persönlich Strafanzeige gestellt. Den Angeklagten drohen lebenslange Haftstrafen.
Der Prozess findet künftig hinter verschlossenen Türen statt. Die Richter gaben zum Prozessauftakt am Freitag einem entsprechenden Antrag der Staatsanwaltschaft statt, so SPIEGEL ONLINE. sputniknews

DasParlament

Ihre Meinung ist wichtig!

Persönliche Angaben freiwillig! Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.