Häusliche Gewalt: NRW-Polizei sprach im vergangenen Jahr 13.402 Wohnungsverweise aus

Ministerin Steffens: Gewalt gegen Frauen darf nicht verharmlost werden

Bei häuslicher Gewalt geht es um eine ganze Palette von Straftatbeständen – meist um Körperverletzungen, Bedrohungen und Sachbeschädigungen, aber eben auch um Tötungsdelikte (2015: 20 Anzeigen) und Vergewaltigung.

Tausende Menschen haben in Nordrhein-Westfalen auch im vergangenen Jahr wegen häuslicher Gewalt die Polizei zu Hilfe gerufen. Laut aktuellen Zahlen des Landeskriminalamtes, die der Neue Ruhr / Neue Rhein Zeitung vorliegen, registrierten die Beamten 26.464 Strafanzeigen – etwa 2 Prozent weniger als im Vorjahr. Experten raten, das Minus nicht überzubewerten. Polizisten sprachen gegen Täter insgesamt 13.402 Wohnungsverweise und Rückkehrverbote aus ( plus 4 Verweise). In 9895 Fällen konnten Opfer an Beratungsstellen vermittelt werden.

Bei häuslicher Gewalt geht es um eine ganze Palette von Straftatbeständen – meist um Körperverletzungen, Bedrohungen und Sachbeschädigungen, aber eben auch um Tötungsdelikte (2015: 20 Anzeigen) und Vergewaltigung. Zudem zählten die Beamten auch 418 Anzeigen wegen Stalkings. „Viele Verfahren werden eingestellt“, berichtete Claudia Fritsche von der Landesarbeitsgemeinschaft Autonomer Frauenhäuser. Bei Staatsanwaltschaften zögen sich die Ermittlungen oft lange hin.

Viele Frauen seien dann nicht mehr bereit, auszusagen – „weil sie sich nicht noch mal mit dem Geschehen belasten wollen“. Oder die Frauen hätten Angst, erneut Opfer einer Straftat zu werden: „Wenn sie sich gerade in der Trennungsphase vom gewalttätigen Mann befinden, ist das Risiko besonders groß“, so Fritsche. Ohne Aussage würden die Verfahren dann eingestellt. Neue Ruhr Zeitung / Neue Rhein Zeitung

Ministerin Steffens: Gewalt gegen Frauen darf nicht verharmlost werden

Die sexuellen Übergriffe in der Silvesternacht in Köln haben eine breite gesellschaftliche Debatte ausgelöst. Anlässlich des Internationalen Frauentages ruft Emanzipationsministerin Barbara Steffens dazu auf, diese Debatte fortzusetzen, um das Thema Gewalt gegen Frauen dauerhaft in den Blick zu nehmen. „Frauen sind in unserer Gesellschaft ständig Opfer von Übergriffen und sexueller Belästigung, was immer noch viel zu oft verharmlost wird. Wenn 50 Prozent der Frauen in Deutschland sagen, dass sie schon einmal sexuell belästigt wurden, dann darf Gewalt gegen Frauen nicht als ein Problem anderer Kulturen bezeichnet werden.

Es ist ein Problem, das sich durch alle Gesellschaftsschichten und alle Kulturen zieht. Wir brauchen einen stärkeren Blick im Alltag auf das, was Frauen in dieser Gesellschaft passiert. Wir brauchen eine größere gesellschaftliche Verurteilung dieses männlichen Machtmissbrauchs. Und das nicht nur im öffentlichen Raum. Wir müssen auch im privaten Umfeld und am Arbeitsplatz genau hinsehen“, erklärte Ministerin Steffens in Düsseldorf.

Im Zusammenhang mit sexueller Gewalt wird Frauen noch immer oft eine Mitschuld oder sogar die Verantwortung zugeschoben. Diesem „victim blaming“ sind Frauen auch in der digitalen Welt ausgesetzt. „Das Netz ist Spiegel unserer Gesellschaft. Auch hier erfahren Frauen Ausgrenzung, Abwertung, Diskriminierung und Gewalt. Aber längst hat sich im Netz eine starke feministische Szene insbesondere junger Frauen etabliert, die die Möglichkeiten der Digitalisierung souverän nutzt.

Hier ist ein Austausch und Schulterschluss mit all denen überfällig, die sich zum Teil schon seit Jahrzehnten für die Umsetzung der im Grundgesetz verankerten Gleichstellung engagieren. Diesen Prozess möchten wir anlässlich des diesjährigen Internationalen Frauentags mit unserer Veranstaltung ‚Online trifft offline‘ beflügeln und gemeinsam neue Strategien entwickeln“, so Ministerin Steffens.

Hintergrund

Nordrhein-Westfalen hat für die Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen in den vergangenen Jahren deutlich mehr Geld zur Verfügung gestellt. Die Mittel für den Förderbereich „Schutz und Hilfe für gewaltbetroffene Frauen“ wurden seit 2011 fast verdoppelt: 2016 sind es rund 22 Millionen Euro.

„Online trifft Offline – Feministische Diskurse und Strategien“ lautet der Titel der Veranstaltung des Emanzipationsministeriums am 11. März in Duisburg zum Internationalen Frauentag, zu dem sich rund 300 Frauen angemeldet haben. Bereits seit Anfang Februar können Interessierte auf der Internetplattform www.gleichstellungimnetz.nrw und über Twitter (@gleichimnetzNRW und #IFT2016NRW) online in den Dialog treten.

Die Digitalisierung ist eines der Kernthemen der Landesregierung. Deshalb ist – eingebettet in die Open.NRW-Strategie des Landes – die „Gleichstellung in der digitalen Gesellschaft“ in diesem Jahr ein Schwerpunktthema des Ministeriums für Gesundheit, Emanzipation, Pflege und Alter. Weitere Informationen unter www.gleichstellungimnetz.nrw
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