4,3 Mrd. Euro Geldbuße für Google

Marktmacht: Kartellstrafe gegen Google

4,3 Mrd. Euro Geldbuße für Google

Wenn US-Präsident Donald Trump auf amerikanische Straßen schaut, ärgert er sich über die vielen Mercedes und BMW. Wenn umgekehrt Europäer auf ihr Smartphone blicken, muss ihnen alles amerikanisch vorkommen. Sie googlen, um ihren Wissensdurst zu stillen. Sie orientieren sich auf Googlemaps, wenn sie nach dem Weg suchen. Sie schauen Youtube und bezahlen demnächst mit Googlepay. Was nicht Google ist, ist Apple, Facebook, Amazon, Microsoft – und damit auch amerikanisch. Konkurrenz mit nennenswerten Nutzerzahlen gibt es auf der Welt fast nur noch in China.

Daran wird auch die mit Abstand höchste Kartellstrafe der EU erst einmal nichts ändern. Google hat schon angekündigt, dass es einfach sein Betriebssystem Android künftig nicht mehr kostenlos zur Verfügung stellen wird. Das wird die Entwickler noch nicht dazu bringen, Apps nun auf ganz anderen, vielleicht europäischen Betriebssystemen zu entwickeln. Dazu ist die Marktmacht von Googles‘ Android und Apples iOS zu groß. Trotzdem ist es richtig, dass die EU ein Zeichen setzt – nicht nur für Google, sondern für alle Datenkraken, mögen sie hier noch so charmant auftreten. Westfalen-Blatt

Kartellstrafe gegen Google

Um es gleich vorneweg klarzustellen: Die Entscheidung der EU-Kommission, Google mit einer bislang nie dagewesenen Geldbuße zu überziehen, hat nichts damit zu tun, dass Europas oberste Wettbewerbshüterin Margrethe Vestager etwas gegen die USA hätte, wie deren Präsident Donald Trump kürzlich behauptete. Es geht auch nicht um Rache für Entscheidungen von US-Behörden gegen europäische Konzerne, um einen protektionistischen Schutz der EU-Wirtschaft oder den Aufbau von Verhandlungsmasse im Handelsstreit mit Washington. Es geht vielmehr ganz schlicht darum, dass in Europa Regeln für alle Unternehmen gleichermaßen gelten – egal, woher sie kommen und wie mächtig sie sind. Und es zeigt, dass die EU-Kommission zumindest im Bereich der Wettbewerbspolitik gewillt ist, klare Kante zu zeigen, um das Recht auch durchzusetzen.

Die Brüsseler Entscheidung wird Google treffen. Vielleicht nicht so sehr wegen der gut 4 Mrd. Euro, die zu berappen sind, sondern eher, weil die EU in das bislang recht erfolgreiche Geschäftsmodell des Konzerns eingreift. Google hatte nach Erkenntnissen der EU-Kommission bereits sehr früh verstanden, was der Übergang von Desktop-PCs zu mobilen Internetdiensten für einen Wandel mit sich bringt, und daher bereits Mitte der 2000er Jahre seine Strategie entsprechend angepasst. Die Folge sieht man heute: Bei Smartphones beherrscht der Konzern die Internetsuche, die lizenzpflichtigen Betriebssysteme und die Android-App-Stores mit Marktanteilen von zum Teil über 95%. Wettbewerb findet hier nicht mehr statt.

Die Macht von vorinstallierten Apps auf mobilen Geräten, die Google nutzt, sollte nicht unterschätzt werden. Untersuchungen haben zum Beispiel gezeigt, dass 2016 mehr als 95% aller Internetrecherchen auf Android-Geräten, bei denen die Google-Suche und der Chrome-Browser vorinstalliert waren, auch über die Google-Suche liefen. Auf Geräten von Windows Mobile, auf denen diese Apps nicht vorinstalliert waren, wurde dagegen nur in weniger als 25% der Suchanfragen auf Google zurückgegriffen.

Die Brüsseler Entscheidung öffnet nun den Markt wieder ein Stück weit, wovon viele kleine Firmen, Tüftler und App-Entwickler profitieren werden. Und auch wenn Google mit ihrer Suchmaschine, ihrem Browser, Betriebssystem und anderen Diensten wie der Videoplattform Youtube weiter an den Schaltstellen sitzt – die EU-Verbraucher werden künftig hoffentlich ein wenig mehr Auswahl haben. Andreas Heitker – Börsen-Zeitung

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