Air Berlin: Der Wettbewerb wird leiden

Lieber eine saubere Pleite von Air Berlin

Die Politik hat in der Causa keine gute Figur gemacht. Dass die Regierung sich überhaupt eingeschaltet hat, ist zwar nicht zu beanstanden. Unglücklich jedoch war, dass gleich zwei Minister, Alexander Dobrindt und Brigitte Zypries, sich offen für eine Stärkung der Lufthansa als nationalem Champion ausgesprochen haben. Möglich, dass sie der Gesellschaft mit dieser Parteinahme sogar einen Bärendienst erwiesen haben. Straubinger Tagblatt

Air Berlin: Der Wettbewerb wird leiden

Es läuft auf eine Zerschlagung von Air Berlin hinaus – und mit dem Aus der Marke geht auch ein Kapitel deutscher Luftfahrtgeschichte zu Ende. Rasantem Wachstum in den ersten Jahren folgte eine Phase mit Selbstüberschätzung und unklarer Strategie.

Die Filetstücke der Fluggesellschaft dürften an Lufthansa gehen – vorausgesetzt, Kartellamt und EU-Kommission erheben keine Einwände. Den Alternativ-Angeboten, die einen Kauf der insolventen Fluggesellschaft als Ganzes vorsehen, fehlt es an Sicherheiten, die für eine nachhaltige Fortsetzung des Flugbetriebs notwendig wären. Die Zielsetzung der Lufthansa, mindestens 3000 bisherige Air-Berlin-Beschäftigte zu übernehmen, ist schon mal ein kleines Hoffnungszeichen. Doch es bleiben rund 5000 Arbeitnehmer, die sich ernsthaft Sorgen machen müssen. Gelingt es tatsächlich, alle Unternehmensteile zu verkaufen? Welche Bieter kommen neben der Lufthansa zum Zuge?

Es gilt nun, einen geordneten Übergang zu schaffen, ohne Chaos und wilde Streiks. Die Gewerkschaften tragen hier große Verantwortung. Je mehr Beschäftigte erfolgreich bei den neuen Eignern untergebracht werden, desto überschaubarer wird die Aufgabe einer möglichen Transfergesellschaft sein. Auch wenn dafür noch einmal staatliches Geld benötigt werden könnte: Es ist allemal besser, gezielt Vermittlung und Qualifizierung der Beschäftigten zu finanzieren als Arbeitslosigkeit. Doch die Frage nach den Beschäftigten ist die eine, die nach einem funktionierenden Wettbewerb die andere. Denn der wird leiden, wenn ein Großteil des Kurzstreckengeschäftes von Air Berlin an die Lufthansa geht. Vor allem bei innerdeutschen Strecken besteht die Gefahr, dass die Kranichlinie zum Monopolisten wird. Die Preise werden steigen und neue Verbindungen auf Jahre ausbleiben.

Die Bundesregierung, die sehr früh auf die Lufthansa als einzigen ernst zu nehmenden Kaufkandidaten setzte, muss sich dann fragen lassen, ob sie wirklich im Sinne eines funktionierenden Wettbewerbs gehandelt hat. Schwäbische Zeitung

Die Lufthansa und die Politik

Die unappetitlichen Details der Air-Berlin-Zerschlagung werden erst nach der Wahl auf dem Tisch liegen. Dazu zählt besonders die Antwort auf die Frage, wie viele Menschen es ihren Arbeitsplatz kosten wird.

Dass die Lufthansa keine Langstreckenflieger von Air Berlin übernehmen will, überrascht nicht, sie ist in diesem Bereich selbst perfekt aufgestellt. Lufthansa ist an den lukrativen Kurz- und Mittelstreckenflügen interessiert, vor allem auch daran, monopolartige Zustände auf innerdeutschen Verbindungen zu schaffen, wie sie herrschten, bevor Air Berlin einst den Markt mit Sonderangeboten eroberte. Bundespolitiker stehen Lufthansa mit erstaunlicher Schamlosigkeit zur Seite. Allein die Kartellrechtler könnten diesen lange geplanten Coup noch verhindern, zumindest Bedingungen diktieren.

Für den Düsseldorfer Flughafen und damit für die Kunden von Rhein und Ruhr brechen kurzfristig viele Direktverbindungen nach USA und in die Karibik weg. Andere Fluggesellschaften wollen Strecken übernehmen, haben es schon getan. Air Berlin wird in Vergessenheit geraten. Wer denkt heute noch an die LTU? Frank Preuß – Westdeutsche Allgemeine Zeitung

Lieber eine saubere Pleite von Air Berlin

Beschäftigte und Passagiere von Air Berlin müssen viel ertragen: Die einen bangen um ihre Jobs, die anderen leiden unter Verspätungen, Ausfällen, Chaos. Zugleich pokern die Bieter mit allen Tricks. Hans Rudolf Wöhrl bietet 500 Millionen Euro, hat aber nur 50 Millionen. Utz Claassen fiel bisher mehr mit Krach als mit Erfolgen auf. Die Lufthansa lässt sich schamlos von der Bundesregierung unterstützen. Nun will die Lufthansa also nicht mehr für die Langstrecke bieten, wichtiger ist ihr ohnehin die Kurzstrecke. Zum Poker passt, dass die Gläubiger tagten, aber die endgültige Entscheidung verschoben. Man will die Wahl nicht durch Jobabbau-Zahlen stören.

Das Gezerre hätte man sich erspart, wenn die Regierung Air Berlin im August in die Insolvenz hätte gehen lassen statt per Staatskredit aufzufangen. (Zumal sie Handwerker auch nicht vor der Pleite bewahrt.) Dann wären die Flugrechte an den nationalen Slot-Koordinator gegangen, der sie breit verteilt hätte. Die Urlauber hätte man schon nach Hause bekommen. Beschäftigte würden sich bereits um neue Jobs kümmern. Erneut zeigt sich, was man seit LTU und Holzmann weiß: Staatshilfe rettet keine kranken Unternehmen, sondern verlängert nur das Leiden. Rheinische Post

N24-Interview mit Martin Schulz: Schulz äußert Sympathie für Lufthansa bei „Air Berlin“-Rettung

SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz hat in einem N24-Interview deutlich gemacht, dass ihm eine Air Berlin-Übernahme durch die Lufthansa lieber sei als eine andere, vermutlich arbeitnehmerfeindlichere Lösung:

„Sehen Sie, wenn ich die Wahl habe zwischen einem deutschen Unternehmen, das sich an die Bedingungen der Bundesrepublik Deutschland hält, und das, glaube ich, kann man über die Lufthansa sagen. Bei allem Respekt und aller Härte, die im Wettbewerb gerade auch unter den Airlines herrscht. Denken Sie mal an die harten Streiks, die die Lufthansa hat durchstehen müssen, wo es richtig um Tarife ging. Wenn ich die Auswahl habe zwischen einem solchen Unternehmen und Ryanair, von dem jeder weiß, dass der Manchester-Kapitalismus in Reinkultur da betrieben wird, da will ich mich jetzt nicht einmischen, aber für wen mein Herz schlägt, das können Sie sich ausrechnen.“ N24 Programmkommunikation

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