America First vs Europe United: EU-Politiker rechnet mit Strafzöllen auf Autos

Auswirkungen von US-Strafzöllen auf deutsche Autobauer

America First vs Europe United: EU-Politiker rechnet mit Strafzöllen auf Autos

Der Europapolitiker Helmut Scholz rechnet mit „Strafzöllen“ der USA auf Autos aus Europa. Das sagte der Koordinator der Linksfraktion im Handelsausschuss des EU-Parlaments gegenüber „nd“. „Importzölle auf Autos und Autoteile aus der EU werden im Wahlkampf auf 25 Prozent erhöht werden, damit Trump sich als harter Mann im Konflikt profilieren kann“, erklärte Scholz mit Blick auf die Kongresswahlen im November in den USA.

Der LINKE-Abgeordnete kritisierte zugleich das Vorgehen der EU im Handelskonflikt, die auf die Provokationen Washingtons einginge. So habe der Generaldirektor Handel der EU-Kommission, Jean-Luc Demarty, geäußert, dass nach seiner psychologischen Einschätzung Trumps dieser nur verstünde, wenn man ihm auch Stärke zeigen würde. „Das klingt für mich nach zu viel Testosteron in der Analyse“, so Scholz. neues deutschland

Im Bann des Handelsstreits

Noch überwiegt am Aktienmarkt die Hoffnung, dass im Handelskonflikt letztlich doch ökonomische Vernunft die Oberhand gewinnt und ein für die Weltwirtschaft verheerender Handelskrieg vermieden wird. Allerdings haben die jüngsten Ereignisse die Hoffnung nicht gerade bestärkt. Mit den von China und der EU verhängten Vergeltungszöllen hat sich der Konflikt weiter verschärft, und er droht sich noch weiter hochzuschaukeln, nachdem US-Präsident Donald Trump per Twitter Strafzölle auf Autos aus der EU ankündigt hat.

Aus Sicht des Aktienmarktes hat der Konflikt nun durch eine weitere Entwicklung eine neue Stufe erreicht. Mit Daimler hat erstmals ein Unternehmen unter Hinweis auf den Handelskonflikt eine Gewinnwarnung ausgegeben. Vor allem aufgrund der von China verhängten Zölle auf in den USA produzierte Fahrzeuge, die den SUV-Absatz in der Volksrepublik zu beeinträchtigen drohen, geht das Unternehmen für das Gesamtjahr nun von einem Rückgang seines operativen Ergebnisses zwischen 2,5% und 10% aus. Ein Schock. Die Aktie fiel um bis zu 5,9% bis auf 58,68 Euro, der tiefste Stand seit dem Juli 2016. Die DZ Bank befürchtet noch mehr Ungemach für die Aktie. Das Institut stufte sie in der abgelaufenen Woche auf Verkaufen zurück und senkte den für den Titel veranschlagten Fair Value von 63 auf 49 Euro. In diesem sind nicht nur reduzierte Ergebnisschätzungen eingearbeitet, sondern auch eine erhöhte Risikoprämie.

„Der zu erwartende anhaltende Newsflow zu den Themen Zölle und Diesel dürfte das Sentiment gegenüber der Branche und unter anderem nach der überraschenden Gewinnwarnung insbesondere Daimler belasten“, so das Institut. Der gesamte Automobilsektor leidet unter dem Handelsstreit, sein Stoxx-Branchenindex sank zuletzt auf den tiefsten Stand seit dem September 2017. Denn es muss befürchtet werden, dass die USA die von Trump angekündigten Zölle auf Automobile aus der EU auch verhängen werden, was angesichts der Bedeutung des US-Marktes sehr negative Auswirkungen hätte.

Auch auf Gesamtmarktniveau würde das stark bemerkbar werden. Allein auf die vier Unternehmen der Automobilbranche entfallen den Markterwartungen zufolge in diesem Jahr 45% der gesamten Erlöse und 34% der Nachsteuergewinne der Dax-Unternehmen, hat die Commerzbank errechnet. Hinzu kommt, dass der Automobilsektor nicht die einzige Branche ist, die stark leiden wird, wenn sich die Spirale im Handelsstreit weiterdreht. Mit der jüngsten Eskalation im Handelskonflikt zwischen den USA und China seien die Abwärtsrisiken wieder ins Blickfeld gerückt, so die BayernLB. Der Dax sei aufgrund seiner zyklischen Sektorstruktur, der hohen Exportorientierung der Unternehmen und des hohen Automobil-Exposure besonders anfällig für eine Verschärfung des protektionistischen Kurses der amerikanischen Regierung. Noch kann das Schlimmste auf dem Verhandlungswege verhindert werden, und einstweilen sprechen ein recht solides Wachstum der Wirtschaft und der Gewinne und die niedrigen Zinsen für Dividendentitel.

Doch der Handelsstreit droht sich hinzuziehen und damit letztlich über Stimmungseintrübung und Verunsicherung über kurz oder lang in der Realwirtschaft Schleifspuren zu hinterlassen. Für den Aktienmarkt bedeutet das wahrscheinlich einen volatilen Sommer und möglicherweise weiteren Kursdruck. In diesem Umfeld dürften Strategen, die zu einer defensiven Positionierung zulasten zyklischer Assets raten, bei den Investoren durchaus auf Gehör stoßen.

Denn die potenziellen Risiken sind nicht zu unterschätzen. Die UBS glaubt zwar, dass es zu Verhandlungen und Kompromissen kommen wird. Allerdings veranschlagt sie die Wahrscheinlichkeit einer Eskalation, bei der die USA Strafzölle auf einer breiteren Basis, die größere Branchen der amerikanischen Wirtschaft einschließen, verhängen, mit 20 bis 30%. Zwar wären die makroökonomischen Auswirkungen ihrer Einschätzung nach relativ überschaubar. Jedoch würden Vergeltungszölle der Handelspartner der Vereinigten Staaten die Gewinne großer US-Unternehmen und eventuell auch anderer großer, eng mit der amerikanischen Wertschöpfungskette verbundener multinationaler Konzerne drücken, so das Institut. Das, befürchtet die Schweizer Großbank, könnte an den weltweiten Aktienmärkten zu einer Korrektur zwischen 10 und 20% führen. Christopher Kalbhenn – Börsen-Zeitung

Auswirkungen von US-Strafzöllen auf deutsche Autobauer

Aus guten Gründen führt Daimler für seine eingetrübte Einschätzung nicht nur Trump ins Feld. Der neue raue Umgangston der Politik zeigt, wie viel Glaubwürdigkeit die Manipulationsvorwürfe, die Ermittlungsverfahren und Razzien die Branche gekostet haben – bei den Bürgern ebenso wie bei der Politik, die der Branche traditionell eher gewogen ist. Nun besteht die Gefahr, dass die Entwicklung in das andere Extrem abgleitet. Bei der überfälligen Umstellung der Zulassungsverfahren auf realistische Schadstoffmessungen wurden die Regeln kurzfristig noch einmal derart drastisch verändert, dass viele Hersteller sogar die Produktion von Modellen zeitweise einstellen müssen. Manche Klagen der Autobauer mögen überzogen gewesen sein. Wenn die Politik aber nur noch weghört, betreibt Europa die gleiche Selbstbeschädigung, die es in den USA mit Kopfschütteln begleitet. Stuttgarter Nachrichten

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