Auf der Überholspur: Trump holt Billionen zurück

Wie der künftige US-Präsident Konzernen helfen will

Er will Amerika wieder groß machen – mit diesem Slogan hat Donald Trump die Wahl zum US-Präsidenten gewonnen. Die Wirtschaft ist dabei ein wichtiges Thema für ihn. Die Zuversicht der Marktteilnehmer lässt sich an den Volatilitätsindizes deutlich ablesen. So sank der deutsche VDax-New am Freitag bis auf 15,87 Zähler.

Auf der Überholspur: Trump holt Billionen zurück

Rund um den Globus sind die Aktienmärkte ins Rollen gekommen und bescheren den Anlegern das, was man gemeinhin Jahresschluss-Rally nennt. Die Rekordjagd der US-Indizes – in der abgelaufenen Woche ist mit dem Dow Jones Transportation das letzte noch fehlende wichtige Marktbarometer auf einen Höchststand geklettert – hat die Industrieländeraktienmärkte der übrigen Zeitzonen erfasst. In der Woche nach dem gescheiterten italienischen Verfassungsreferendum hat der Dax endlich das alte Jahreshoch von etwas mehr als 10800 Punkten überwunden, um dann noch zügig über die Schwelle von 11000 Zählern zu steigen. Mehr noch: Beim Wochenschluss von 11204 Punkten steht nun ein Plus seit Jahresbeginn von 4,3% zu Buche, nachdem der Index vor dem Referendum noch leicht im Minus gelegen hatte. Damit hat der Dax endlich die Performance zehnjähriger Bundesanleihen, die nur noch bei 3,7% liegt, übertroffen. Auch in Japan wurden neue Höhen erreicht. Am Freitag stieg der Nikkei erstmals in diesem Jahr über die Schwelle von 19000 Zählern.

VDax vor Zweijahrestief

Die Zuversicht der Marktteilnehmer lässt sich an den Volatilitätsindizes deutlich ablesen. So sank der deutsche VDax-New am Freitag bis auf 15,87 Zähler. Seit Anfang 2015 hat dieser Gradmesser der Marktnervosität nur an zwei Tagen des zurückliegenden Septembers einen niedrigeren Stand gesehen. Sinkt der Index auch noch unter das September-Tief von 15,42 Zählern – und das scheint absolut möglich -, würde er damit den tiefsten Stand seit zwei Jahren erreichen.

Zu der Rally trägt neben der Tatsache, dass mit dem Italien-Referendum das letzte politische Unsicherheitsmoment des Jahres abgehakt ist, die akkommodierend bleibende Geldpolitik bei, auch wenn die Fed sehr wahrscheinlich in der neuen Woche ihren behutsamen Zinsnormalisierungskurs mit einer längst überfälligen Anhebung ihres Leitsatzes wieder aufnehmen wird. Entscheidend sind aber die Aussichten auf eine spürbar bessere Entwicklung von Konjunktur und Unternehmensgewinnen, die mit dem Wahlsieg von Donald Trump starken zusätzlichen Auftrieb erhalten haben. Damit verbessert sich das Umfeld für Aktien, während Anleihen unter der Aussicht auf einen spürbaren Anstieg von Inflation und Zinsen leiden.

Die Frage ist nun aber, welches Potenzial die Aktienmärkte nach den deutlichen Kursavancen seit der US-Wahl haben bzw. ob sie in den nächsten Tagen und Wochen in dem Tempo weiter klettern können, und dies angesichts eines mit rund 17 bereits recht üppigen Kurs-Gewinn-Verhältnisses am amerikanischen Aktienmarkt. Hier muss die ehrliche Antwort wohl sein, dass dies derzeit niemand voraussagen bzw. vorausahnen kann, weil schlichtweg die entscheidenden Informationen fehlen. Eine einigermaßen fundierte Einschätzung wird erst möglich sein, wenn sich abzeichnet, wie viel der neue Präsident von seinen im Wahlkampf angekündigten Vorhaben umsetzen wird (und kann). Dieser Unsicherheitsfaktor kann zu vorübergehenden Rückschlägen führen, sollten – hoffentlich demnächst auch ohne Twitter – Äußerungen Trumps folgen, die die deutlich rosiger gewordene Wahrnehmung der Marktteilnehmer in Frage stellen.

Dieses Risiko ist nicht ganz von der Hand zu weisen. Trump wird wohl bezüglich so mancher Ankündigung zurückrudern müssen. So haben die Republikaner in beiden Häusern des Kongresses die Mehrheit. Doch ob viele Parteigenossen Trumps tatsächlich sehr darauf erpicht sind, die Staatsverschuldung so hochzujagen, wie es Trumps Ankündigungen implizieren, ist fraglich. Dabei kann es auch um eine Frage der Glaubwürdigkeit gehen. Schließlich hat die Partei Obama geraume Zeit eine Anhebung der Schuldengrenze verweigert und damit die USA sogar an den Rand der Zahlungsunfähigkeit geführt. Legt man seine Ankündigungen zugrunde, wird Trump die neue Schuldenobergrenze im kommenden Jahr locker knacken. Werden die Republikaner sich dann auf den Standpunkt stellen: „Was soll’s, was interessiert uns, was wir bislang zu dem Thema gesagt haben“?

Kurzum: Nach wie vor gilt, dass Trump wahrscheinlich noch einige Abstriche an seinen Wahlkampfaussagen machen wird, was manche Hoffnung auf Ankurbelungsmaßnahmen schmälern könnte. Das kann man aber auch positiv sehen, denn es könnte auch für die Tiraden gegen ausländische Billigkonkurrenz und seine heftige Kritik an der Verlagerung von Produktion an günstigere Standorte im Ausland gelten. Zumindest den verunsicherten Finanzmärkten der Schwellenländer würde das Auftrieb geben. Christopher Kalbhenn – Börsen-Zeitung

Wie der künftige US-Präsident Konzernen helfen will

Er will Amerika wieder groß machen – mit diesem Slogan hat Donald Trump die Wahl zum US-Präsidenten gewonnen. Die Wirtschaft ist dabei ein wichtiges Thema für ihn. So plant Trump Anreize für US-Konzerne, Gelder aus dem Ausland wieder in die Vereinigten Staaten zurückzuholen. Insbesondere dieses Programm könne dabei helfen, den Turbo zu zünden, meint Jörg Wiechmann, Geschäftsführer im Itzehoer Aktien Club (IAC).

Ihn hat Trumps Sieg über Hillary Clinton nicht überrascht: Es sei derselbe Nährboden einer Unzufriedenheit in der Gesellschaft mit dem Establishment in Politik und Wirtschaft, der auch schon das Brexit-Votum und den Aufstieg der politisch radikalen Kräfte in der EU ermöglicht habe. Zudem war Wiechmann skeptisch, als Experten einen Kurssturz an den Börsen für den Fall eines Trump-Sieges vorhersagten: „Die Erwartungen an ihn waren so niedrig, da gab es viel Potenzial für positive Überraschungen.“ Und richtig: Nach Trumps Erfolg sprangen die Kurse an der US-Börse um fünf Prozentpunkte nach oben, „ein wahrer Trump Jump“.

Auch die US-Wirtschaft will der neue Präsident wieder groß machen und in den kommenden zehn Jahren mehr als fünf Billionen US-Dollar investieren in Ausbau und Erneuerung der Infrastruktur, Schulen und Bildung, Militär, Programme für niedrigere Steuern und die Schaffung neuer Jobs. Besondere Aufmerksamkeit verdient aus Wiechmanns Sicht das geplante Steuer-Repatriierungs-Programm: Trump will das Geld, das US-Konzerne im Ausland bunkern, zurück ins Land holen.

Die Summe ist riesig: 2,5 Billionen US-Dollar an Cash-Reserven hätten US-Konzerne im Ausland liegen, und täglich würden es mehr, so der IAC-Geschäftsführer. „Wenn die Unternehmen das Geld in die Staaten zurückbringen wollten, fiele ein Steuersatz in Höhe von 35 Prozent an – deshalb lassen sie es.“ Trump plant einen „tax holiday“, einen Steuer-Urlaub: Zeitlich begrenzt soll der Steuersatz für die Rückholung des Geldes auf zehn Prozent sinken. „Ein ebenso einmaliges wie attraktives Angebot für die Konzerne“, kommentiert Wiechmann. Schon wenn sie einen Teil der riesigen Cash-Bestände in die USA umschichteten, stelle sich die Frage: Was tun mit dem vielen Geld? Bereits in den vergangenen Jahren hätten US-Multis wie Apple, Microsoft oder General Electric dank sehr guter Einnahmen viel Geld zur Verfügung gehabt und dieses für Dividendenzahlungen und milliardenschwere Programme zum Aktien-Rückkauf genutzt. Die Kurse stiegen, aber Wiechmann betont: „Das könnte nur ein Vorgeschmack sein auf das Kursfeuerwerk bei einem Steuer-Urlaub.“ Nils Petersen – Itzehoer Aktien Club GbR

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