Auswirkungen des neuartigen Coronavirus auf die Finanzmärkte

Bei Corona hilft kein Konjunkturprogramm

Auswirkungen des neuartigen Coronavirus auf die Finanzmärkte

Angst ist ein hoch ansteckender Virus. Traditionell sind Börsianer dafür besonders empfänglich. Schon kleinere Gerüchte als das einer drohenden Pandemie können jene, die große Gelder verwalten, nachhaltig verunsichern.

Diesmal ist es ernst, vielleicht vergleichbar ernst wie zu Beginn der Finanzkrise 2008. Es ist gar nicht so wichtig, ob „Covid-19“ tatsächlich Reaktionen wie in der internationalen Logistik oder bei den Hamsterkäufern in Europa rechtfertigt. Die Reaktionen sind da, und die Unternehmen müssen mit den Produktions- und Lieferausfällen zurechtkommen.

Eine erprobte Reaktion ist die Kurzarbeit. Sie trug vor zwölf Jahren dazu bei, dass die deutsche Wirtschaft mit vergleichsweise geringem Schaden aus der Finanzkrise herauskam. Die Gefahr jeder Maßnahme, die den normalen Arbeitsrhythmus stört, ist das, was sie an anderer Stelle auslöst. Je kleingliedriger die Ketten zwischen Zulieferern und Produzenten sind, desto anfälliger ist das System insgesamt. Grund zur Panik besteht nicht. Aber es wird die Aufgabe der Zukunft sein, Abhängigkeiten zu verringern. So führt der Heilungsprozess vielleicht zu einer stärkeren Wertschätzung der Lieferanten in der Region.¹

Die Corona-Krise ist nicht nur für das Gesundheitssystem eine Herausforderung, sondern auch für die Weltwirtschaft, die ohnehin in einer Schwächephase ist: In China geht ein langer Boom zu Ende, die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt schwächelt. Donald Trump hat Handelskriege angezettelt, die Firmen in aller Welt verunsichern. Nun kommt Corona hinzu. Wer geglaubt hatte, das Ganze sei ein chinesisches Problem, wurde eines Besseren belehrt. Der Börsencrash in der vergangenen Woche lässt böse Erinnerungen an die Lehman-Krise wach werden. Die Pleite der US-Bank 2008 löste bedrohliche Kettenreaktionen aus. Und anders als damals haben die Notenbanken ihr Pulver bereits verschossen, der Leitzins in der Eurozone liegt bei null. Und anders als damals steckt nicht die Finanz- die Realwirtschaft an, sondern umgekehrt.

Zu Recht suchen Wirtschaftspolitiker nach Mitteln gegen die Krise. 2008 hat Deutschland gelernt, dass eine Ausweitung des Kurzarbeitergeldes viele Industriearbeitsplätze retten kann. Banken bereiten Notfallpläne vor, um trotz drohender Personalausfälle das tägliche Bankgeschäft aufrechtzuerhalten. Für Panik besteht kein Anlass. Was wir aber nicht brauchen, sind hektisch geschnürte Konjunkturprogramme. Schon gar nicht sollten sie Branchen erhalten wie der Autobau, die Corona jetzt als Vorwand nehmen, um hausgemachte Probleme beim Staat abzuladen. Aktuell hat die Weltwirtschaft eher ein Angebots- als ein Nachfrageproblem. Bei allem Segen der Globalisierung: Mittelfristig werden sich deutsche Firmen überlegen müssen, ob sie sich weiter so einseitig an Vorprodukte aus China binden. Dass von 97 therapierelevanten Wirkstoffen in Deutschland 50 Prozent aus China kommen, wirft ein Schlaglicht darauf, wie verwundbar die Wirtschaft geworden ist.²

¹Westfalen-Blatt ²Antje Höning – Rheinische Post

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