Bank of Japan: Ratlos in Tokio

Die Renditen sinken wieder

Bank of Japan: Ratlos in Tokio

Die Bank of Japan (BoJ) unter Gouverneur Haruhiko Kuroda will die Deflation dauerhaft besiegen und das Wirtschaftswachstum ankurbeln, indem sie die Inflationsrate nachhaltig auf 2% treibt. Für diese ehrenhaften Ziele hat sich die Notenbankführung in den vergangenen dreieinhalb Jahren einiges einfallen lassen: zunächst die kräftige Ausweitung der Geldbasis, dann die Einführung von milden Strafzinsen, nun die Kontrolle der Zins- bzw. Renditekurve. Doch die eigene Zwischenbilanz ist ernüchternd ausgefallen: Zwar wurden die Realzinsen gedrückt und die Inflationserwartung wurde erhöht, aber das Inflationsziel wurde nicht erreicht. Dafür seien vor allem gesunkene Rohstoffpreise verantwortlich, redeten sich die Notenbanker heraus.

Wenn diese Analyse wirklich stimmt, dann müsste Kuroda Konsequenzen ziehen – also mehr Staatsanleihen kaufen, die Strafzinsen verschärfen oder etwa über Helikoptergeld nachdenken. Zumal akuter Handlungsbedarf besteht: Seit Monaten steigen die Preise immer langsamer, Bürger und Firmen erwarten weniger Inflation. Japan fällt ins deflationäre Denken zurück: Viele Geschäfte setzen vor allem auf Rabatte, Löhne und Gehälter wachsen kaum noch. Doch die Geldpolitik stagniert. Die nun angekündigte Flexibilisierung der Wertpapierkäufe ist letztlich reine Kosmetik, weil die Rendite der zehnjährigen Staatsanleihen schon nahe an den angestrebten 0% liegt.

Warum handelt Kuroda also nicht? Vermutlich befürchtet er, dass neue Maßnahmen am Finanzmarkt genauso verpuffen könnten wie die Einführung des Negativzinses Ende Januar. Das Risiko eines erneuten Scheiterns will er nicht eingehen. Lieber setzt er klammheimlich darauf, dass die Zinsen in den USA steigen und in der Folge der Yen wieder abwertet. Der schwache Wechselkurs war der eigentliche Hebel für seine bisherigen Erfolge bei der Überwindung der Deflation. Doch Kuroda selbst hat keine überzeugenden Instrumente mehr, um den Yen zu schwächen. Der Markt hört nicht mehr auf ihn.

Zugleich ist ein Zurück kaum mehr möglich. Schon ein Tapering der BoJ-Wertpapierkäufe würde den Aktien- und Bondmarkt erschüttern, vom Abbau der Bestände ganz zu schweigen. Die eigentliche Leistung der extremen Geldpolitik in Japan besteht darin, dass ein Großteil der Staatsschulden zur öffentlichen Hand gewandert und de facto neutralisiert worden ist. Dazu hat die Führungsspitze der Notenbank bisher kein Wort verloren. Womöglich ist sie bei diesem heiklen Thema ähnlich ratlos wie bei der Steigerung der Inflationsrate. Martin Fritz – Börsen-Zeitung

Die Renditen sinken wieder

Der Renditeanstieg am Markt der Eurozone-Staatsanleihen, der in den vergangenen Handelstagen zu beobachten gewesen ist, hat im Handel wieder einmal die Frage aufgeworfen, ob das nun die Bodenbildung ist und damit der Schritt zur Zinswende eingeleitet ist oder ob es sich wieder um einen dieser kurzlebigen Ausbruchsversuche nach oben handelt. Vieles spricht für Letzteres, und die Anleger sind wieder einmal gut beraten, Ruhe zu bewahren, sich von dieser Marktentwicklung nicht ins Bockshorn jagen zu lassen und sich die dahinterstehenden Faktoren einmal etwas genauer anzusehen.

Ausgelöst wurde der Sprung der Renditen nach oben – die zehnjährige Bundrendite bewegte sich vom Minusbereich wieder ins Plus – zum einen durch Äußerungen von Eric Rosengreen, Präsident der Fed von Boston und stimmberechtigtes Fed-Mitglied, der vor einem zu langen Warten bei dem nächsten Zinsschritt der Fed warnte. Derartige Äußerungen haben schon so manches Mal für Renditeaufwärtsbewegungen gesorgt. Sicherlich ist seine diesbezügliche Einschätzung korrekt, man sollte sich aber vor Augen führen, dass wichtige US-Konjunkturdaten – wie etwa der Arbeitsmarkt oder die Einkaufsmanagerindizes – zuletzt enttäuscht haben. Das spricht dafür, dass die Fed im September erneut abwartet, was die Renditen eher wieder nach unten befördert.

Zum anderen wurde der Renditeaufwärtstrieb auch durch die Europäische Zentralbank (EZB) ausgelöst. Mario Draghi und Co. entschieden sich bei der jüngsten Sitzung geradeaus zu fahren und beschlossen keine weiteren Lockerungsmaßnahmen, was am Markt mit etwas Enttäuschung aufgenommen wurde. Die Zinsanalysten aus dem Hause der Commerzbank weisen zu Recht auf ein wichtiges Detail hin, das am Markt von dem einen oder anderen vielleicht übersehen wurde. So stieg (!) die Prognose für die Kerninflation für 2017 auf 1,3 Prozent. Dies lege den Schluss nahe, dass die nächsten Lockerungsschritte zum Jahresende anstehen sollten, da dieses Ziel leicht unterschritten werden könnte. Aus dieser Sicht sollten sich Marktakteure also eher auf niedrigere Renditen einstellen.

Angetrieben wurde die Aufwärtsbewegung der Bondrenditen auch durch Spekulationen, dass die Bank of Japan an einer steileren Kurve der japanischen Renditen interessiert sein und deshalb beschließen könnte, weniger langlaufende Anleihen zu kaufen und verstärkt in kurzfristige Papiere des japanischen Staates zu investieren und damit am kurzen Ende die Sätze noch tiefer ins Minus zu drücken. Die Bank of Japan tagt in der neuen Woche. Auch hier sollte man abwarten und zunächst Ruhe bewahren.

Was am Markt allerdings etwas untergegangen ist, sind die Umschichtungen einiger größerer Hedgefonds. Sie hatten lange Zeit darauf gesetzt, dass sich der Renditeabstand (Spread, zum Beispiel im zehnjährigen Laufzeitenbereich) zwischen den USA und der Eurozone ausweitet (höhere Renditen in den USA wegen Spekulationen auf einen näher rückenden US-Zinsschritt und niedrigere Bondrenditen in der Eurozone wegen des QE der EZB), und hatten sich deshalb mit langlaufenden Bundesanleihen eingedeckt. Infolge erst mal ausgebliebener Lockerungsmaßnahmen der EZB und der Erwartung, dass sich der US-Zinsschritt wieder verschiebt, wurde diese Erwartung wiederum gedreht. Hedgefonds gingen von höheren Bundrenditen und niedrigeren US-Renditen aus und schichteten um. Das sorgte für Verkäufe in Bundesanleihen.

Hinzu kam ein spezieller Faktor am Eurozonen-Markt. Die Spreads der Peripheriebonds kamen immer näher an die Kernländer heran, und bei einzelnen Laufzeiten gab es nicht genügend Nachfrage. Auch hier wurden Verkäufe gesehen, die die Renditen nach oben drückten.

Wo steht der Markt aktuell, speziell die Bundesanleihen? Bis Donnerstag der abgelaufenen Woche war die zehnjährige Bundrendite noch im positiven Bereich, wenn auch nur knapp. Die Grenze von positiv zu negativ konnte also bei knapp unter zehn Jahren Laufzeit gezogen werden. Damit war der Markt in etwa auf dem Niveau angekommen, das er am 9. Juni – rund zwei Wochen vor dem Brexit-Votum Großbritanniens – hatte. Doch am Freitag hat sich der Kursanstieg am europäischen Rentenmarkt fortgesetzt; die zehnjährige Bundrendite ist wieder in den Minusbereich abgerutscht. Bis auf minus 0,02 Prozent ging es herunter. Der Markt hat die Aufwärtsbewegung der Renditen praktisch ausgeglichen. Das Tief am 9. September war bei minus 0,05 Prozent. Sollte die Fed abermals stillhalten und sich am Markt die Einschätzung verfestigen, dass die EZB noch in diesem Jahr beim QE nachlegt, steht tieferen Sätzen nichts im Weg. Kai Johannsen – Börsen-Zeitung

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