Bartsch sieht „sozialen Sprengsatz“ – Inflation frisst Plus bei Rente auf

Linke: Nettorenten seit dem Jahr 2000 real um 1,9 Prozent gesunken

Bartsch sieht „sozialen Sprengsatz“ – Inflation frisst Plus bei Rente auf

Die Nettorenten in Deutschland sind nach Berechnungen der Linken im Bundestag seit dem Jahr 2000 real um 1,9 Prozent gesunken. Die Rentenentwicklung werde „immer mehr zum sozialen Sprengstoff“, sagte Fraktionschef Dietmar Bartsch der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ (NOZ). Er betonte: „Das ist das Ergebnis der falschen Rentenpolitik von Union und SPD seit der Jahrtausendwende.“

Insgesamt sind die durchschnittlichen Nettorenten im fraglichen Zeitraum von 700 auf 896 Euro gestiegen, wie die Linksfraktion unter Berufung auf Zahlen der Rentenversicherung betont. Doch stehen diesem Plus von 28 Prozent insgesamt 29,9 Prozent Inflation gegenüber, ergibt sich aus Berechnungen des Statistischen Bundesamtes.

Dabei gab es deutliche Unterschiede zwischen den Renten von Männern und Frauen. „Die durchschnittliche Versichertenrente netto vor Steuern ist bei Männern von rund 956 Euro Ende des Jahres 2000 auf rund 1114 Euro Ende des Jahres 2018 angestiegen. Das sind rund 16,5 Prozent mehr“, wie die Deutsche Rentenversicherung bestätigte. Bei Frauen stieg der entsprechende Wert im selben Zeitraum von rund 496 Euro auf rund 719 Euro. „Das sind rund 44,8 Prozent mehr“, so ein DRV-Sprecher gegenüber der NOZ. Bei den genannten Nettowerten ist der Eigenanteil des Rentners zur Kranken- und Pflegeversicherung bereits abgezogen.

Hält man die Inflation dagegen, sind die Nettorenten der Männer nach Berechnung der Linken allerdings gesunken, und zwar um real 13,4 Prozent. Bei den Frauen waren es real 14,8 Prozent mehr.

Die Deutsche Rentenversicherung macht eine andere Rechnung auf und vergleicht die Preisentwicklung mit den Bruttorenten. Die Rentenanpassungen betrugen demnach im fraglichen Zeitraum insgesamt rund 33,1 Prozent für Entgeltpunkte West und insgesamt rund 47,6 Prozent für Entgeltpunkte Ost. „Das heißt: Der Realwert der (Brutto-)Renten ist in diesem Zeitraum gestiegen, da die Rentenanpassungen höher waren als die Inflation“, so ein DRV-Sprecher auf Anfrage der NOZ.

Für Bartsch sind indessen die Nettorenten der entscheidende Faktor. Er warnte: „Wir können auf eine Katastrophe zusteuern, wenn das Rentenniveau nach 2025 weiter abgesenkt werden sollte. Dass die Rentenkommission zu scheitern droht, spricht Bände.“

Bis zum Jahr 2025 gilt eine gesetzliche Haltelinie, nach der das Rentenniveau nicht unter 48 Prozent sinken darf. Das Rentenniveau beschreibt die Relation zwischen einer Standardrente (45 Jahre Beitragszahlung auf Basis eines Durchschnittsverdienstes) und dem Entgelt eines Durchschnittsverdieners. Es liegt zurzeit bei gut 48 Prozent. Im Jahr 2000 belief es sich noch auf rund 53 Prozent und im Jahr 2010 auf 51,6 Prozent.¹

Private Altersvorsorge: Verzinsung von Lebens- und Rentenversicherungen weiter auf Talfahrt

Die Verzinsung von Lebens- und Rentenversicherungen ist weiter auf Talfahrt. Einer Studie der Ratingagentur Assekurata zufolge sank die laufende Verzinsung der Altersvorsorgeklassiker im Jahr 2019 über alle ausgewerteten Produktarten und Laufzeiten im Schnitt auf 2,74 Prozent.

Niedrige Zinsen sind ein Dauerärgernis für deutsche Sparer. Seit Jahren sinkt die Verzinsung von beliebten Kapitalanlageformen wie Lebens- und Rentenversicherungen kontinuierlich. Während die Verzinsung von Altverträgen weitgehend stabil ist, mussten vor allem jüngere Policen hohe Abschläge verzeichnen. Der Grund für die die ungleiche Entwicklung sind Garantiezinsen von bis zu vier Prozent bei Altverträgen. Kunden haben darauf einen Anspruch, so dass die von den Versicherungen jährlich neu festgesetzte Überschussbeteiligung nicht darunter sinken kann. Der vom Bundesfinanzministerium festgesetzte Garantiezins liegt für Neuverträge seit 2017 hingegen nur noch bei 0,9 Prozent.

Einer aktuellen Studie der Gothaer Versicherung zufolge stößt die Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) auf eine wachsende Ablehnung in der Bevölkerung. Rund 61 Prozent der Befragten halten die dauerhaft niedrigen Zinsen für falsch. Im Vorjahr lag die Ablehnungsquote mit 53 Prozent deutlich niedriger. Lediglich 29 Prozent bewerteten die Leitzinspolitik der EZB für richtig. „In Zeiten von Negativzinsen ist es nicht verwunderlich, dass die Zinspolitik der EZB immer stärker an Rückhalt in der Bevölkerung verliert“, kommentiert Christof Kessler, Vorstandssprecher der Gothaer Asset Management die Studienergebnisse.

Finanzexperten warnen vor Rentenlücke

Finanzexperten wie Sven Thieme, Geschäftsführer der Competent Investment Mangement, warnen seit Jahren vor den Folgen der Niedrigzinspolitik. Die niedrigen Kapitalmarktzinsen würden das Thema private Altersvorsorge zunehmend komplex machen, während gleichzeitig das gesetzliche Rentenniveau kontinuierlich abgesenkt werde. „Sparer befinden sich in dem Dilemma, dass einerseits die Notwendigkeit einer privaten Altersvorsorge steigt, während andererseits niedrige Zinsen den Vermögensaufbau erschweren“, kommentiert Competent-Chef Thieme.

Die Konsequenz der politischen Weichenstellungen in den letzten Jahren ist laut einer Umfrage der Deutschen Bank ein sinkendes Vertrauen in die gesetzliche Rente. Mehr als 50 Prozent der Bundesbürger befürchten im Alter den Lebensstandard nicht halten zu können. Nur 17 Prozent der 3.200 Befragten im Alter von 20 bis 65 Jahren erwarten, dass die gesetzliche Rente im Alter ausreichen wird. 70 Prozent glauben hingegen, dass sie nur die Grundrente erhalten werden.

Die meisten Experten rechnen zudem damit, dass sich die Situation in Zukunft eher verschärfen wird. „Die robuste Situation am Arbeitsmarkt sowie steigende Nettoeinkommen sorgen derzeit noch für eine recht stabile Situation der Rentenkasse. Langfristig wird die demographische Entwicklung aber zwangsläufig zu steigenden Beiträge und sinkenden Rentenansprüchen führen“, sagt Sven Thieme, Geschäftsführer der Competent Investment Management.

Private Altersvorsorge: Diskrepanz zwischen Notwendigem und Möglichem

Abhilfe aus der Zwickmühle kann eine gute Planung und langfristige Strategie für den Vermögensaufbau schaffen. Sparer müssen dafür allerdings einen langen Atem mitbringen. Zum Start sollte mit Hilfe eines unabhängigen Finanzberaters die persönliche Vorsorgelücke ermittelt werden. Im Anschluss kann eine individuelle Strategie entworfen werden, die Lebensumstände, Sparziele und verfügbares Einkommen berücksichtigt.

Als zweite Säule der Altersvorsorge neben der gesetzlichen Rente bezeichnen Experten steuerlich geförderte Produkte wie Riester- und Rürup-Renten sowie die Betriebliche Altersvorsorge. Kapitalmarktprodukte, wie Aktienfonds oder private Rentenversicherungen, werden genauso wie Immobilien, Edelmetalle oder Sachwerte als dritte Säule der Altersvorsorge bezeichnet. „Bei der Produktauswahl müssen Risikoneigung, individuelle Lebensumstände und persönliche Präferenzen berücksichtigt werden“, erklärt Competent-Chef Sven Thieme.

Generell sollten Anleger bei der Altersvorsorge nicht alles auf eine Karte setzen. Stattdessen sollten die Ersparnisse über verschiedene Anlageklassen gestreut werden. Profis sprechen von einer Diversifikation des Portfolios. „Wir raten unseren Mandanten generell zur Streuung des Vermögens über mehrere Assetklassen, um ein möglichst ausgewogenes Chancen-Risiko-Verhältnis zu gewährleisten“, erklärt Competent-Geschäftsführer Sven Thieme.

Das eigentliche Problem ist allerdings nicht der Mangel an Produkten, sondern eine gewisse Überforderung der Bevölkerung. Laut der Deutsche-Bank-Studie finden 56 Prozent der Befragten die angebotenen Produkte zur Altersvorsorge oft unverständlich, 36 Prozent halten die gesamte Thematik für zu komplex. Drei Viertel der befragten Studienteilnehmer gaben zwar an, dass sie mit 200 Euro pro Monat eine hohe Notwendigkeit für die private Altersvorsorge sehen, tatsächlich würden aber im Schnitt nur 50 Euro für die Altersvorsorge zurückgelegt werden. Sven Thieme, Geschäftsführer der Competent Investment Management, resümmiert: „Viele Menschen haben die Notwendigkeit einer ausreichenden privaten Altersvorsorge erkannt, investieren aber trotzdem zu wenig.“²

¹Neue Osnabrücker Zeitung ²Competent Investment Management GmbH

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