Boss of it all: Donald Trumps Politikstil

Neue Weltordnung

Boss of it all: Donald Trumps Politikstil

Es gibt viele gute Gründe, warum die Politik nicht über Gewinner und Verlierer in der Wirtschaft entscheiden sollte. Der wichtigste hat mit den Selbst-Regulierungskräften des Marktes zu tun. Gängelei von oben hat weder im real existierenden Sozialismus funktioniert, noch in diversen Kommando-Wirtschaften autokratischer Regime. Der künftige US-Präsident sieht das offenkundig anders. Donald Trump versteht sich als „CEO-in-Chief“, der besser weiß, was für einzelne Unternehmen gut ist, als deren Geschäftsführer. Mehr als die Dünnhäutigkeit Trumps und der Gebrauch erfundener Zahlen irritiert am Beispiel Boeings, dass er bereit scheint, seine Macht zu gebrauchen, Amerikas Wirtschaftskapitänen den Kurs vorzugeben. Dieses Vorgehen irritiert nicht nur die Betroffenen. Der Kommando-Stil passt auch nicht zu einer effizienten Marktwirtschaft, in der sich nicht die Einflussreichen, sondern die Besseren durchsetzen. Mittelbayerische Zeitung

Gefährliche Gerüchte

Von seinem Höchststand von 12391 Punkten ist der Dax, anders als die von Rekord zu Rekord eilenden US-Indizes, zwar noch weit entfernt. Dennoch ist der gestrige Anstieg ein Durchbruch. Denn der Index hat damit nicht nur endlich das bisher erfolglos attackierte alte Jahreshoch von 10800 Zählern hinter sich gelassen. Er hat auch die Verlustzone verlassen. Am Freitag noch mit 2% im Minus, steht nun mit 10987 Punkten im Vergleich zum Jahresbeginn ein Plus von 2,3% zu Buche.

In gewisser Weise wiederholt sich damit das Muster, das schon nach dem Brexit-Votum und dem ebenfalls überraschenden Wahlsieg von Donald Trump zu beobachten war. Nach vorübergehender Schwäche kehrten die Aktienmärkte in ihren Aufwärtstrend zurück. Mit einem Unterschied: Das Scheitern des italienischen Verfassungsreferendums hatte sich abgezeichnet. Dass andererseits die Implikationen des Scheiterns für Europa und damit letztlich auch für die Märkte mittel- bis langfristig potenziell sehr negativ sind, ist aus Sicht der Marktteilnehmer derzeit von geringer Relevanz. Für sie zählt nur, dass jetzt die letzte große politische Unbekannte dieses Jahres vom Tisch und damit der Weg für höhere Kurse frei ist. Dabei können sie sich auf ein aufgehelltes Umfeld stützen.

Weltweit zeigen die Einkaufsmanagerindizes nach oben, womit derzeit die Aussichten gut scheinen, dass sich das globale Wachstum 2017 etwas beschleunigen und sich nicht wie in den zurückliegenden Jahren verlangsamen wird. In den USA und in Europa haben die Unternehmensgewinne im dritten Quartal erstmals seit langem wieder Zuwächse zum Vorjahr gezeigt, so dass die Gewinnrezession überwunden scheint. Beides begann schon vor der US-Wahl, doch mit dem Sieg Trumps bzw. den von ihm avisierten Steuersenkungen und umfangreichen Infrastrukturinvestitionen könnten diese Tendenzen zusätzlichen Schub erhalten – sofern eine Protektionismuswelle ausbleibt. Die positive Stimmung spiegelt sich in der Entwicklung des Volatilitätsindex VDax New, eines Gradmessers für die Nervosität im Markt, deutlich wider. Er sank gestern bis auf 16,43 Punkte. In den zurückliegenden beiden Jahren war er nur an zwei Tagen des zurückliegenden Septembers niedriger. Damit ist der Markt derzeit viel zu sorglos. Auch wenn der Dax zunächst weiter steigen dürfte, sprechen die erheblichen politischen und wirtschaftlichen Unsicherheiten für das nächste Jahr eher für einen deutlich höheren VDax als für einen sehr kräftigen Anstieg des Dax. Christopher Kalbhenn – Börsen-Zeitung

Es hat in der jüngeren Geschichte der USA noch nie einen Wahlkampf gegeben, in dem derart viele Gerüchte in die Welt gesetzt wurden wie diesmal. Und es war nicht zuletzt Donald Trump, der sie streute. Der Mann, der behauptete, Barack Obama sei gar nicht auf amerikanischem Boden geboren. Der darauf beharrte, dass Tausende Muslime gejubelt hätten, als am 11. September 2001 in Manhattan die Zwillingstürme einstürzten. Indem sich Trump die krudesten Verschwörungstheorien zu eigen machte, trug er dazu bei, eine Wahrnehmungsblase zu schaffen, in der sich der faktenfreie Diskurs so richtig austoben kann. Was passieren kann, wenn sich eine Lawine absurder Thesen mit einem nahezu unbeschränkten Recht auf privaten Waffenbesitz mischt, lässt sich gerade studieren. In einer Pizzeria in Washington müssen Gäste um ihr Leben bangen, weil ein selbst ernannter Rächer für bare Münze nimmt, was an Unsinn über einen vermeintlichen Kindersexring kursiert. Einen Mitarbeiter, der diese Gerüchte verbreitete, hat Trump jetzt gefeuert. Das war das Mindeste. Rheinische Post

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