Brexit: Ende mit Schrecken

Keine Angst vor dem Brexit

Brexit: Ende mit Schrecken

Noch ist nicht klar, ob Theresa May bei ihrer morgigen Grundsatzrede den harten Brexit verkünden wird, doch die Zeichen dafür mehren sich. So schickte sie am Wochenende schon einmal ihren Finanzminister vor, um ihn per Interview verkünden zu lassen: Wir sind zu allem entschlossen. Sollten dieser verbalen Entschlossenheit tatsächlich Taten folgen, wäre das bemerkenswert. Denn ein harter Brexit würde das Königreich wirtschaftlich viel stärker treffen als die EU. Ideal aus britischer Sicht wäre eine andere Lösung: Die Europäer gewähren weiter den Zugang zum EU-Binnenmarkt, während London zugleich die Freizügigkeit der EU-Bürger einschränken darf. Schließlich haben deshalb viele Briten mit „out“ gestimmt. Auf eine solche inkonsequente Lösung kann sich die EU aber unmöglich einlassen. Schließlich darf sie grundlegende Prinzipien wie die Freizügigkeit nicht einfach so preisgeben. Das würde Nachahmer zum Austritt animieren. Dann doch lieber das von May signalisierte Ende mit Schrecken. Maximilian Plück – Rheinische Post

Keine Angst vor dem Brexit

Die große Mehrheit der Unternehmen in Deutschland reagiert gelassen auf den drohenden Brexit. Nur rund jedes 50. Unternehmen befürchtet starke Produktionseinbußen, wie eine IW-Umfrage zeigt. Die britische Regierung kann in den Austrittsverhandlungen folglich nicht darauf setzen, dass sich die deutsche Wirtschaft für weiche Kompromisse zugunsten der Briten einsetzt.

Deutsche Firmen sehen dem EU-Austritt des Vereinigten Königreichs überwiegend entspannt entgegen. Das zeigt eine Umfrage des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW) unter 2.900 Unternehmen im Oktober und November 2016: Mehr als 90 Prozent von ihnen erwarten keine oder nur geringe Auswirkungen auf ihre Geschäfte. Lediglich zwei bis drei Prozent glauben, dass der Brexit ihre Produktion, Investitionen und Beschäftigtenzahlen stark beeinträchtigen wird. Selbst den Handel mit dem Vereinigten Königreich sehen die meisten Unternehmen nur wenig beeinträchtigt. Nur knapp zehn Prozent rechnen damit, deutlich weniger Güter auf die Insel zu liefern, weitere rund 30 Prozent erwarten leicht rückläufige Exporte.

Knapp ein Viertel der Firmen erhofft sich sogar positive Effekte durch den britischen EU-Austritt, zum Beispiel weil Käufer wegen möglicher Handelsbarrieren nicht länger bei der britischen Konkurrenz zuschlagen, sondern bei ihnen. „Die Befragung zeigt, dass die britische Regierung über weniger Druckmittel in den Brexit-Verhandlungen verfügt, als sie zu glauben scheint“, sagt IW-Experte Jürgen Matthes. „Deutsche Unternehmen werden einen Brexit à la carte jedenfalls nicht unterstützen.“

Doch zu einem harten Brexit wird es nach Ansicht der meisten Unternehmen auch nicht kommen: Sechs von zehn Firmen gehen davon aus, dass es am Ende auf einen weichen Brexit hinausläuft, die Handelsbeziehungen zwischen dem Vereinigten Königreich und der EU also nicht allzu stark eingeschränkt werden. Bemerkenswert ist allerdings: Egal, ob die Firmen einen weichen oder einen harten Brexit erwarten – die vermuteten Auswirkungen unterscheiden sich nur wenig. Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW)

Wenn der Stolz regiert

Populistisch, unökonomisch, anachronistisch – über den vielen Spott, mit dem die Europäer den neuen US-Präsidenten Trump überziehen, haben manche ganz vergessen, wo der Siegeszug des neuen Protektionismus begann: in Großbritannien, Europa. Das eigene glorreiche Land mittels Abschottung zu alter Größe zu führen, war das Versprechen der Brexit-Befürworter, das letztlich zog. Mit den Folgen wird ganz Europa zu kämpfen haben. Umso mehr, je härter die Ex-Partner aus London und Brüssel ihre Scheidung durchziehen.

Die von der britischen Regierungschefin May gewählte Strategie verheißt nichts Gutes. Bisher galt die Streichung aller Handelsvorteile als stärkstes Druckmittel der EU. May schwächt es ab, indem sie selbst einem harten Brexit das Wort redet. Wie sehr das der Taktik geschuldet ist, weiß niemand. So oder so erschwert es eine Trennung, die von Vernunft statt Stolz getrieben wird. Die Briten sind wie die Amerikaner bereit, für mehr Selbstbestimmung etwa bei der Zuwanderung auf die Vorteile freien Handels zu verzichten. Es sind Pioniere der Globalisierung, die ausscheren. Treffen wird das vor allem Länder, die vom Export leben – so wie unseres. Westdeutsche Allgemeine Zeitung

Harter Brexit: Droht ein Handelskrieg mit Europa?

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