China – Der wankende Riese

Commerzbank-Chef Blessing zweifelt an Chinas offiziellen Wachstumszahlen

China – Der wankende Riese

So schnell kann es manchmal gehen – innerhalb von zwei Tagen hatte mancher Börsen-Experte Angst, dass der Dax sich im freien Fall nach unten befindet. Am Dienstag hat er, beflügelt von einer chinesischen Zinssenkung, bereits wieder den Horizont der 10 000 Punkte durchbrochen. Wohl dem, der mit stahlseilendicken Nerven sein Geld an der Börse verdienen muss.

Bei genauem Blick nach China zeigt sich aber mittelfristig vor allem Eines: Die Zeiten, in denen man als deutsches Unternehmen den Markt in China routiniert mit einem Zuwachs von fast zehn Prozent pro Jahr in der eigenen Bilanz einplanen konnte, sind vorbei. Obwohl die Wirtschaft sich auch weiterhin in atemberaubenden Tempo entwickeln wird, ist irgendwann der Punkt erreicht, an dem reiche Chinesen kein zweites deutsches Auto mehr brauchen und die Unternehmen vor Ort wichtige Industriegüter selbst herstellen kann. Gut dran ist nun, wer nicht nur auf immer mehr Absatz im Reich der Mitte gebaut hat. Riskant wird es da für Firmen wie Volkswagen, die längst gewaltige Anteile ihres Umsatzes in Fernost erwirtschaften – sie haben in China auch mehr zu verlieren als andere. Doch alle werden akzeptieren müssen, dass es in China nicht ewig in hohem Tempo aufwärts geht – und wenn, dann profitieren nicht mehr zuvorderst Firmen aus dem Ausland. Die müssen andere Märkte suchen. Vielleicht müssen sie auch erkennen, dass Wachstum im Ausmaß der jüngeren Vergangenheit nicht mehr möglich ist – sondern dass man sich in Zukunft wieder stärker untereinander Marktanteile abluchsen muss.

Zeigen wird sich zudem, ob die Realwirtschaft von den Turbulenzen an der Börse mitgerissen wird. Zwar mag der heftige Einbruch in China nicht von Dauer gewesen sein – Anleger und Unternehmen im deutschen Export-Paradies hat er trotzdem zittern lassen. Von Florian Girwert Thüringische Landeszeitung

Chinas Börsen kommen nicht aus der Krise. Da kann auch die Regierung in Peking nicht helfen. Der Lokomotive der Weltwirtschaft geht der Dampf aus. Nötige Reformen werden verschoben. Was bedeutet das für das Land? Und wie wirkt sich der Sog auf die Weltwirtschaft aus?

In den meisten Ländern sind die Börsen ein Abbild der realen Volkswirtschaft. Wenn es Land und Unternehmen gut geht, steigen die Kurse – und umgekehrt. In China jedoch haben die Börsen schon lange ihren Bezug zur Realität verloren. Und in diesen Tagen ist die chinesische Börse nichts für Nervenschwache. Die Führung in Peking versucht, mit eigenen Maßnahmen die Aktienmärkte zu stabilisieren. Wird es ihr gelingen, die Talfahrt an den Börsen aufzuhalten? Welche Auswirkungen haben die wirtschaftlichen Turbulenzen der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt auf die globalen Finanzmärkte? Und welche Veränderungen stehen der chinesischen Gesellschaft bevor? phoenix-Kommunikation

Ungezügelte Finanzmärkte bedrohen Wirtschaft und Arbeitsplätze

Acht Jahre nach der letzten umfassenden Krise auf den Finanzmärkten platzen schon wieder Blasen. „Aktien müssen in erster Linie Instrumente sein, die Mittel für die Finanzierung von Produktion und Arbeitsplätzen zur Verfügung stellen“, sagte Detlev von Larcher, Sprecher der Attac AG Finanzmärkte und Steuern. Darauf müssten Finanzmärkte und Bankensystem ausgerichtet werden. Tatsächlich aber gehe die Zockerei auf den Finanzmärkten ungebremst weiter. Der Computerhandel verstärke noch den Herdentrieb der Spieler. „Wenn ein großer Investor verkauft, beginnt der große Verkaufs-Run. Deutlich ist, dass die Finanzmärkte immer noch ein Eigenleben außerhalb der Wirtschaft führen, diese aber durch ihre wüsten Spekulationen nach wie vor bedrohen,“ so von Larcher weiter. „Unser kapitalistisches Wirtschaftssystem wird nach wie vor von den Finanzmärkten getrieben.“

Dabei ist es nach Meinung von Attac nicht ausschlaggebend, ob die Börsentalfahrt in China den Beginn des großen Crashs darstellt, wie einige Wirtschaftsgurus zu erkennen glauben, oder ob es sich um eine „gesunde“ Normalisierung handelt. Die völlig überhitzten und durch das billige Zentralbankgeld aufgeblähten Märkte reagieren hektisch. Die Kursgewinne dieses Jahres sind jedenfalls in China und an der Frankfurter Börse innerhalb einer knappen Woche verloren worden. Das Handelsblatt urteilt folgendermaßen: „Das Grollen über den Weltbörsen ist der Soundtrack einer Geldkultur, die von einer Panik zur nächsten flüchtet. Wir sind Zeitzeuge eines finanzpolitischen Thrillers, bei dem nur noch unklar ist, wann der Mord passiert.“

„Unsere Kritik an den viel zu schwachen Stabilisierungsmaßnahmen in der Europäischen Union erweist sich als berechtigt“, sagte Werner Rätz, Mitglied im Attac-Koordinierungskreis und bei Blockupy aktiv. „Die Politik hat nicht die Finanzmärkte gezähmt, sondern sich noch verstärkt von ihnen abhängig gemacht.“ Das zeigten nicht zuletzt die ökonomisch völlig unsinnigen Maßnahmen, die Griechenland im Interesse der Finanzanleger aufgezwungen wurden. „Neoliberale Ideologie und Finanzlobbyismus haben die Politik fester denn je im Griff“, so Rätz weiter. „Noch immer wird beispielsweise über die Einführung einer Finanztransaktionsteuer diskutiert, statt sie endlich einzuführen.“ Detlev von Larcher Werner Rätz Attac Deutschland

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