Daimler zeigt VW wie man es richtig macht

An der Spitze

Daimler zeigt VW wie man es richtig macht

Daimler will unter anderem bei der Hybridtechnologie vorankommen. Doch dies ist ein Irrweg. Diese Autos tun nur so, als seien sie umweltfreundlich. Es handelt sich um Spritfresser. Daimler muss umsteuern. Wir brauchen reine Elektroautos. Vor allem geht es darum, Akkus zu entwickeln, die länger halten und billiger werden. Insofern lassen sich die Kursverluste auch als Mahnung an Zetsche lesen, sein Investitionsprogramm zu überdenken. Mitteldeutsche Zeitung

Siege, aber triumphiere nicht“, schrieb die Schriftstellerin Marie von Ebner-Eschenbach. Daimler-Chef Dieter Zetsche nimmt es sich zu Herzen. Fast 2,9 Millionen Fahrzeuge im vergangenen Jahr verkauft. Profitabel gewachsen. Audi überrundet, dicht am Erzrivalen BMW dran. Rekordzahlen. Zetsche könnte triumphieren. Er hat das Boot Daimler wieder flott gemacht, gewendet und so die eigene Position im Konzern zementiert. Aber Triumph liegt ihm fern.

Die Krönungsmesse fällt bei der Präsentation der Jahresbilanz aus. Null Überheblichkeit. Nur ein einziges Symbol des Sieges leistet sich der Vorstandschef: Er trägt im Gegensatz zu den anderen Vorständen keine Krawatte. Das ist unüblich für eine solch wichtige Veranstaltung – und hat nicht nur mit Weiberfasnacht zu tun. Möglicherweise ist aber selbst dieses Zeichen dem Unternehmen geschuldet. Denn Daimler soll sich ändern. Zetsche ruft eine neue Führungskultur aus. Mitarbeiter werden sich in Gruppen zusammenfinden und ohne Kontrolle des Vorstands die Hierarchie-Struktur, Meeting-Kultur und Leistungsbewertung im Konzern überprüfen. Vorgabe: Es gibt keine Vorgabe. Damit will Daimler US-Firmen kopieren, die bei der Digitalisierung vorne liegen. Managementfehler durch hierarchische Strukturen sollen vermieden werden.

Volkswagen versucht noch heute vergeblich, Patriarchat und lineare Organisationsstrukturen abzuschütteln. Daimler lernt. Dies ist auch ein Erfolgsgarant der vergangenen Jahre. Potenziale ausmachen, sie heben und dabei möglichst flexibel, fokussiert und nach vorne gerichtet vorgehen. Das hat in den vergangenen Jahren funktioniert. Die Modellpalette wuchs, das Chinageschäft wurde bereinigt und Altlasten wie der Schmiergeldskandal aufgearbeitet. Käufer sind jünger geworden. Und jetzt? Reicht es, einfach mitzuschwimmen, immer neue Modelle auf die Märkte der Welt zu bringen, auf weibliche Kunden zu setzen und abzuwarten?

Einfach weiter so ist keine Vision. Für das laufende Jahr ist Zetsche nicht mehr so optimistisch. Auch, weil er weiß: Es ist schwer, an die Spitze zu gelangen, aber genauso schwer, an der Spitze zu bleiben. In China schrumpfen Margen, möglicherweise lassen sich Verkaufsrekorde etwa bei Lastwagen nicht mehr erzielen. Die Fahrbahn der Möglichkeiten für Daimler wird enger, Innovationszyklen kürzer. Neue Modelle und Technologien binden Potenzial. Die Stuttgarter haben sich breit aufgestellt: geografisch, aber auch technisch. Sie halten an der Brennstoffzelle fest und forschen an Batteriezellenfertigung, von der sich andere längst verabschiedet haben. Das alles birgt Möglichkeiten, kostet aber viel Geld. Dann ist da noch der Abgas-Skandal, der europäische Autobauer erschüttert.

Es ist nur zu hoffen, dass Daimlers schnell gemachte Aussage, keine Leiche im Keller zu haben, zutrifft. Ansonsten wären viele Ziele des Konzerns unerreichbar. Die neuen verschärften EU-Abgasregeln belasten finanziell, könnten im anderen Falle aber einen weiteren Schub verleihen: Technisch waren die Süddeutschen schon immer groß – aber dachte man das nicht auch von VW? Zetsche hat sehr vieles richtig gemacht. Wenn nun die Weltwirtschaft einbricht, es Fahrverbote für Diesel gibt oder China nachhaltig schwächelt, hinterlässt das Spuren, trifft jedoch auch Konkurrenten. Nach dem Erntedankfest, das derzeit bei Daimler stattfindet, kommt jahreszeitlich der Winter, aber auch irgendwann wieder der Frühling. Die Saat ist bereits aufgegangen. Hoffentlich keine Leiche im Keller. Thomas Veitinger Südwest Presse

Daimler-Beschäftigte erhalten bis zu 5650 Euro Erfolgsprämie

Daimler ist im Geschäftsjahr 2015 gewachsen und hat Bestmarken bei Absatz, Umsatz und EBIT aus dem laufenden Geschäft sowie beim Konzern-EBIT und Konzernergebnis erwirtschaftet. Der Konzern erzielte im Geschäftsjahr 2015 mit 13,5 Milliarden Euro sowohl das beste EBIT und mit 13,8 Milliarden Euro auch das beste EBIT aus dem laufenden Geschäft. Das Konzernergebnis lag mit 8,9 Milliarden Euro deutlich über dem Vorjahresniveau. Das Ergebnis je Aktie stieg auf 8,08 Euro.

Mit rund 2,9 Millionen Fahrzeugen wurde das Vorjahresniveau um zwölf Prozent übertroffen. Zu diesem Anstieg haben vor allem die Geschäftsfelder Mercedes-Benz Cars (+16 %) und Mercedes-Benz Vans (+9 %) beigetragen. Bei den Lastwagen (Daimler Trucks) war der Zuwachs mit einem Prozent vor allem aufgrund der schwachen Märkte in Lateinamerika und Indonesien kleiner als ursprünglich erwartet. Bei Daimler Buses lag der Absatz deutlich unter dem Vorjahresniveau. Maßgeblich hierfür war vor allem die ausgeprägte Schwäche der Märkte für Busfahrgestelle in Lateinamerika. Getrieben vom Absatzplus hat Daimler den Konzernumsatz um 15 Prozent auf 149,5 Milliarden Euro gesteigert; bereinigt um Wechselkurseffekte war ein Zuwachs um neun Prozent zu verzeichnen.

Vorstand und Aufsichtsrat werden der Hauptversammlung eine Dividende in Höhe von 3,25 Euro pro Aktie vorschlagen. Die Ausschüttungssumme beträgt knapp 3,48 Milliarden Euro, die Ausschüttungsquote erreicht 40,2 Prozent des auf die Daimler-Aktionäre entfallenden Konzernergebnisses. Das Unternehmen beteiligt auch seine Mitarbeiter am Erfolg der jeweiligen Gesellschaft. Daimler wird an ihre anspruchsberechtigten Beschäftigten im April 2016 für das Geschäftsjahr 2015 einen Betrag von bis zu 5650 Euro ausbezahlen.

Die Nettoliquidität des Industriegeschäfts ist zum Ende des Jahres 2015 auf 18,6 Milliarden Euro gestiegen, obwohl eine außerordentliche Dotierung der Pensionsvermögen in Deutschland und den USA in Höhe von 1,2 Milliarden Euro durchgeführt und 0,7 Milliarden Euro für den Kauf des digitalen Kartengeschäfts HERE eingesetzt wurden, an dem auch Audi und BMW beteiligt waren. Auch der Free Cash Flow aus dem Industriegeschäft war bereinigt um Sondereffekte mit 5,9 Milliarden Euro nochmals höher als im Vorjahr.

Aufgrund der hohen Nachfrage nach den Produkten ist die Belegschaft gegenüber Ende 2014 um ein Prozent gestiegen. Zum 31. Dezember 2015 waren im Daimler-Konzern insgesamt 284 015 Mitarbeiter beschäftigt. In Deutschland erhöhte sich die Zahl der Beschäftigten auf 170 454 Mitarbeiter. Die Belegschaft der konsolidierten Tochtergesellschaften in China lag am Jahresende bei 3155. Mit rund 6500 Auszubildenden stellt Daimler mehr als ein Drittel der Ausbildungsplätze aller deutschen Automobilhersteller.

Mercedes-Benz Cars, das die Marke Mercedes-Benz mit den Submarken Mercedes-AMG, Mercedes-Maybach und Mercedes me sowie Smart umfasst, hat mit 2 001 400 Fahrzeugen (+16 %) erstmals die Zwei-Millionen-Grenze überschritten. Dabei konnten in nahezu allen Regionen Marktanteile hinzugewonnen werden. Der Umsatz erhöhte sich auf 83,8 Milliarden Euro (+14 %). Das EBIT des Geschäftsfelds lag im Jahr 2015 mit 8,23 Millionen Euro um 41 Prozent höher als im Vorjahr. Die Umsatzrendite stieg auf 9,8 Prozent.

Daimler Trucks steigerte den Absatz im Jahr 2015 auf 502 500 Einheiten (+1 %). Der Umsatz stieg um auf 37,6 Milliarden Euro (+16 %). Das EBIT des Geschäftsfelds lag mit 2,58 Milliarden Euro um 37 Prozent über dem Vorjahresergebnis. Die Umsatzrendite stieg auf 6,9 Prozent.

Mercedes-Benz Vans erzielte im Geschäftsjahr 2015 mit 321 000 Einheiten eine Absatzsteigerung von neun Prozent. Der Umsatz lag bei 11,5 Milliarden Euro. Das Geschäftsfeld erwirtschaftete im Jahr 2015 ein EBIT von 900 Millionen Euro (+32 %). Die Umsatzrendite stieg auf 7,8 Prozent. Daimler Buses hat im Geschäftsjahr 2015 weltweit 28 100 Busse und Fahrgestelle abgesetzt. Der Umsatz erreichte 4,1 Milliarden Euro (-0,1 Milliarden Euro). Das EBIT des Geschäftsfelds betrug im abgelaufenen Geschäftsjahr 214 Millionen Euro und lag damit um neun Prozent über dem Vorjahresniveau. Die Umsatzrendite belief sich auf 5,2 Prozent.

Im Laufe des Jahres 2015 schloss Daimler Financial Services 1,5 Millionen neue Finanzierungs- und Leasingverträge im Wert von insgesamt 57,9 Milliarden Euro. Der Wert aller neu abgeschlossenen Verträge wuchs gegenüber dem Vorjahr um 21 Prozent. Insgesamt standen Ende 2015 mehr als 3,7 Millionen finanzierte oder verleaste Fahrzeuge (+18 %) in den Büchern – das entspricht einem Vertragsvolumens von 116,7 Milliarden Euro. Das Geschäftsfeld erzielte ein EBIT von 1,62 Milliarden Euro und übertraf somit das Vorjahresergebnis um 17 Prozent. Die Eigenkapitalrendite lag bei 18,3 Prozent.

Die Forschungs- und Entwicklungsleistungen im Konzren wurden im Jahr 2015 auf 6,6 Milliarden Euro erhöht. Schwerpunkte waren neue Fahrzeugmodelle, kraftstoffeffiziente und umweltschonende Antriebe sowie neue Sicherheitstechnologien, das autonome Fahren und die digitale Vernetzung der Produkte. (ampnet/nic) Auto-Medienportal.Net

2016 kocht Daimler auf kleinerer Flamme – economy

https://youtu.be/EvLCHfOpj_k

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