Das Schweige-Kartell – Gab es ein deutsches Auto-Kartell?

VDA: Kartellrechtlichen Vorwürfen muss konsequent nachgegangen werden

Für alle Varianten liberaler und neo-liberaler Wirtschaftspolitik gilt als oberster Glaubenssatz: Nur Wettbewerb schafft Wohlstand. Die deutsche Autobranche widerlegt diese These. Sie ist durch ein gigantisches Kartell immer stärker geworden. Durch ein Kartell, in dem auch Politik und Gewerkschaften eine zentrale Rolle spielen… Es hat die Lebenslüge der deutschen Autobauer vom sauberen Diesel möglich gemacht. Frank-Thomas Wenzel – Berliner Zeitung

Das Schweige-Kartell – Gab es ein deutsches Auto-Kartell?

Seit vier Tagen weiß die Öffentlichkeit, dass Ämter gegen die „Großen Fünf“ ermitteln. Seither müssen Diesel-Fahrer davon ausgehen, dass Konzerne sie in jeder Hinsicht übers Ohr gehauen haben: Sie haben ihnen Diesel verkauft, die dreckiger sind als behauptet und denen nun Fahrverbote drohen. Und sie haben ihnen Diesel verkauft, die ihre womöglich durch Absprachen überhöhten Preise nicht wert sind. Doch die Konzerne bleiben, abgesehen von Floskeln, still. Wie kurzsichtig. Das Schweige-Kartell bestätigt nur alle Verdächtigungen und zeigt, dass die Branche ihre Krise noch nicht begriffen hat. Dabei hätte die Energie ein abschreckendes Beispiel sein können.

RWE und Co. haben lange an alter Technik festgehalten und den Ökostrom verschlafen. Dann kam mit Fukushima ein externer Schock, die Politik wandte sich ab, die Konzerne wurden zum Schatten ihrer selbst. Noch verlassen sich VW und Co. darauf, dass 800.000 deutsche Autojobs ein Freibrief für alles sind. Doch anders als die Kanzler werden sich die Kartellwächter davon nicht beeindrucken lassen. Die Zeit des PS-Klüngels geht zu Ende. Rheinische Post

VDA: Kartellrechtlichen Vorwürfen muss konsequent nachgegangen werden

Mit Betroffenheit hat der Verband der Automobilindustrie (VDA) auf die kartellrechtlichen Vorwürfe gegenüber deutschen Fahrzeugherstellern reagiert. Den Verdachtsmomenten müsse konsequent nachgegangen werden, ließ der Branchenverband heute in einer Pressemitteilung erklären. Die Unternehmen müssten ihrerseits mit den Behörden ohne Einschränkung kooperieren und eine vollständige Aufklärung ermöglichen.

Aus Sicht des VDA sind illegale Absprachen ebenso wie Bewegung in rechtlichen Grauzonen inakzeptabel. Der Stand des Verfahrens lege es derzeit aber auch nahe, mit Vorverurteilungen zurückhaltend umzugehen. Standardisierungs- und Normierungsaktivitäten seien pauschal weder schädlich noch illegal – Absprachen zulasten des Verbrauchers oder des Wettbewerbs hingegen schon, betonte der Interessenverband.

VDA-Präsident Matthias Wissmann appelliert an die Branche, sich kritischen Fragen zu stellen und „mehr Selbstreflexion (zu) üben“. Die Automobilindustrie sei mit ihren technischen Entwicklungen Innovationen und ihrem wirtschaftlichen Erfolg „ein wichtiger Teil des Deutschlandbildes in der ganzen Welt“. Diesen Ruf gelte es zu schützen. Der VDA verwahrt sich außerdem gegen ein Pauschalurteil für die gesamte Branche, denn ihr gehören Hunderte von Hersteller- und Zulieferfirmen an, deren Mitarbeiter jeden Tag harte und ehrliche Arbeit leisten.

Dem Verband selbst liegen zu den aktuellen Vorwürfen gegenwärtig keine eigenen Erkenntnisse vor. Die Vorgänge beziehen sich auf Angelegenheiten, die nicht Teil des VDA und seiner Arbeit sind, heißt es weiter. Vor einigen Monaten seien aber Hersteller mit der Bitte auf den VDA zugekommen, weitere Entwicklungs-, Normungs- und Standardisierungsthemen in die Verbandsarbeit zu integrieren. Dazu habe es erste Vorgespräche gegeben. Die Prüfung der damit verbundenen Fragen stehe jedoch erst am Anfang. Die Initiative der Unternehmen beruhte auf dem Wunsch, bisherige herstellereigene Strukturen aufzulösen. Die Verbandsarbeit selbst richte sich an dem seit 2009 existierenden und aktualisierten „Leitfaden Kartellrecht im VDA“ aus und sei für alle Mitwirkenden verbindlich, betonte Wissmann. Auto-Medienportal.de

Kartell der Autobauer

Es muss offenbar erst einen richtig lauten Knall geben, bevor die gehätschelten und erfolgsverwöhnten Automanager merken, dass sie zu weit gegangen sind. Die Enthüllungen über möglicherweise illegale Absprachen in der Autobranche könnten nun dieser Knall sein. Der Diesel-Skandal allein hat jedenfalls nicht ausgereicht, um die Branche zum Umdenken zu bewegen. Man könnte sich nun zurücklehnen und mit einer gewissen Schadenfreude beobachten, wie sich die Schlinge immer enger um die einstige deutsche Vorzeigebranche zieht. Endlich, so könnte man denken, bekommen die Top-Manager ihren Denkzettel. Doch solche Schadenfreude ist fehl am Platz. Dafür hängt viel zu viel ab von der deutschen Schlüsselindustrie. Die Zeche für den ganzen Schlamassel werden nämlich wir alle zahlen müssen. Weil bei den Konzernen durch drohende hohe Kartellstrafen die Innovationskraft schwindet, weil Arbeitsplätze auf dem Spiel stehen, und weil die Unternehmenssteuern dann nicht mehr so kräftig sprudeln werden. Was wir aber erwarten können ist, dass die vermeintliche Elite ihr Schweigen bricht, das Beschönigen beendet und reinen Tisch macht. Und selbst Verantwortung übernimmt. Auch finanziell. Westdeutsche Zeitung

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