Der Brexit kommt: Camerons katastrophale Fehlkalkulation

Außenhandels-Chef bestürzt über Brexit-Entscheidung

Der Brexit kommt: Camerons katastrophale Fehlkalkulation

Und wie reagiert das politische Berlin auf das Referendum? Welche Strategien haben die Führungsspitzen in Berlin entwickelt, um nach der Entscheidung im Rahmen der EU keine Unsicherheiten entstehen zu lassen, wie es nun weitergeht?

Die Briten kappen die Taue, die sie an die EU binden. Umfragen und Buchmacher hatten die Pro-Europäer in Sicherheit gewogen. In der City of London knallten schon die Korken, Westminster glaubte aufzuatmen zu können. Wenige Stunden später aber erwachte Großbritannien, fast ungläubig, zu einer anderen Welt. In weiten Teilen von England und Wales mochte man den Appellen des heimischen Establishments und der großen internationalen Institutionen nicht folgen. Nur Nordirland, Schottland und London stehen fest zu Europa. Das britische Pfund, am Vortag noch auf Höhenflug, schlug am Freitag hart auf dem Boden neuer Realitäten auf. Auf den Märkten, die sich derart verkalkuliert hatten, werden zum Wochenende schwere Tumulte erwartet. Ganz Europa, und die Welt über Europa hinaus, wird die schockierende Nachricht dieser Nacht erst einmal verarbeiten müssen. Und in Schottland fragt man sich bereits, ob man zulassen soll, gegen den klaren Willen schottischer Wähler aus der EU geworfen zu werden. Über David Cameron aber ist der Stab schon gebrochen. Er war es, der dieses Referendum veranstaltete und der es problemlos zu gewinnen glaubte. Es war nicht nur eine persönliche Fehlkalkulation. Es war eine Entscheidung von katastrophalen Dimensionen. Peter Nonnenmacher – Badische Zeitung

Europaministerin Spoorendonk zum Brexit-Referendum

Zur Entscheidung der Briten, die Europäische Union zu verlassen, erklärt Schleswig-Holsteins Europaministerin Anke Spoorendonk: „Die Bürgerinnen und Bürger des Vereinigten Königreichs haben sich gegen den Verbleib ihres Landes in der Europäischen Union ausgesprochen. Ich bedaure dieses Votum zutiefst, weil wir mit dem Ausscheiden Großbritanniens einen unserer wichtigsten europäischen Partner verlieren werden, dessen Bedeutung für die wirtschaftliche Stärke und außenpolitische Handlungsfähigkeit der Europäischen Gemeinschaft unbestritten ist. Bedauerlich ist die Entscheidung für einen Austritt auch deshalb, weil sie eine schmerzhafte Zäsur für den europäischen Einigungsprozess insgesamt darstellt. Unser bisheriges Verständnis von der Unumkehrbarkeit des europäischen Projekts wird damit offen in Frage stellt. Den Ausgang des Referendums verstehe ich somit als deutliche Mahnung, dass wir zukünftig noch mehr Anstrengungen unternehmen müssen, um das Vertrauen der Bürgerinnen und Bürger in die Europäische Union zurückzugewinnen. Wir müssen den Zusammenhalt der Europäischen Gemeinschaft stärken, um zu verhindern, dass das britische Referendum eine „Blaupause“ für ähnliche Initiativen in anderen Mitgliedstaaten wird“, so Spoorendonk. Oliver Breuer | Ministerium für Justiz, Kultur und Europa der Landesregierung Schleswig-Holstein

Außenhandels-Chef bestürzt über Brexit-Entscheidung

Der Chef des deutschen Außenhandelsverbandes, Anton Börner, hat entsetzt auf die Entscheidung der Briten reagiert, die EU zu verlassen. „Das Ergebnis ist eine Katastrophe für Großbritannien, für Europa und insbesondere auch für die deutsche Wirtschaft“, sagte Anton Börner, Chef des Bundesverbandes Groß- und Außenhandel (BGA), der in Düsseldorf erscheinenden „Rheinischen Post“. „Es ist bestürzend, dass die älteste Demokratie der Welt uns den Rücken kehrt“, so Börner. Es gebe Prognosen, wonach die Briten infolge des Brexit bis zu 30 Prozent ihres Wohlstands bis 2030 verlieren könnten. „Aber auch für Europa ist das eine verheerende Nachricht. Wir müssen jetzt alles daran setzen, die massiven Zentrifugalkräfte, die uns in Europa zu zerreißen drohen, einzufangen“, sagte Börner.

DIHK-Chef wertet Brexit als „Schlag ins Kontor“ für die deutsche Wirtschaft

DIHK-Chef Eric Schweitzer erwartet nach der Brexit-Entscheidung der Briten erhebliche negative Auswirkungen für die deutsche Wirtschaft. „Der Brexit ist für die deutsche Wirtschaft ein Schlag ins Kontor“, sagte Schweitzer der in Düsseldorf erscheinenden „Rheinischen Post“. „Bei einem ihrer wichtigsten Handelspartner müssen sich die deutschen Unternehmen auf erhebliche Veränderungen einstellen“, sagte der Präsident Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK). Insbesondere exportorientierte Firmen müssten mit Absatzverlusten in Großbritannien rechnen. In der nun folgenden Phase der Unsicherheit würden sich die Unternehmen mit Investitionen zurückhalten. „Die EU muss jetzt den Zusammenhalt der restlichen Mitgliedstaaten sichern“, sagte Schweitzer. Es dürfe sich nicht die „gefährliche Botschaft“ verbreiten, „dass man die Vorteile der EU nutzen kann, ohne sich an den Kosten zu beteiligen“. Das Brexit-Votum zeige, dass Europa für viele keine Selbstverständlichkeit mehr sei. „Damit die EU gleichermaßen Menschen und Wirtschaft hinter sich vereint brauchen wir eine Offensive für Europa. Hierzu zählen ein verstärkter grenzüberschreitender Jugendaustausch ebenso wie ein europäischer Dialog der Unternehmen“, sagte Schweitzer. Rheinische Post

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