Der Fluch des Ex-VW-Patriarch Ferdinand

Keine Chance für Winterkorn

Wer einmal lügt … -VW-Manipulation zerstört Vertrauen. Aufgedeckte Manipulationen bei den Diesel-Abgaswerten bei VW in den USA werden Winterkorn den Kopf kosten. Der Abgas-Skandal von Volkswagen droht nicht nur dem Wolfsburger Konzern großes Ungemach zu bringen.

Der Fluch des Ex-VW-Patriarch Ferdinand

Eigentlich hatte Martin Winterkorn doch erst vor wenigen Wochen die Zukunft der Autohersteller ins Digitale verlegt – nun holt den Chef des Autokonzerns Volkswagen die Tatsache ein, dass manche Abteilung offenbar schon früher Ressourcen in die Entwicklung von Bereichen gesteckt hat, die sich nicht direkt im Motor befinden.

Die Affäre um die Manipulation von Abgaswerten hebt das Misstrauen, das viele motorisierte Bürger gegenüber Automobilherstellern hegen, auf eine neue Stufe. Ohnehin war den meisten Autofahrern klar, dass die in Verkaufsprospekten angegebenen Verbrauchswerte im wirklichen Leben nicht zu erreichen sind. Nun weiß man, dass auch die formell recht sparsamen Diesel-Motoren nicht das halten, was das Gesetz und die Verbraucher von ihnen verlangen.

Stattdessen hat Volkswagen Geld in die Entwicklung einer Software investiert, die erkennt, wann es im Labor um die Wurst geht und wann vorschriftsmäßige Abgaswerte nicht unbedingt sein müssen. An kreativen Köpfen scheint es bei den Wolfsburgern also nicht zu mangeln. Sollte sich herausstellen, dass die Konzernspitze von den Manipulationen wusste oder durch bewusst geschaffene Strukturen Sorge dafür getragen hat, dass sie ermöglicht wurden, muss der zuständige Vorstand zurücktreten.

Doch bei allem bestehenden Misstrauen: Dass staatliche Prüfstellen aktiv hinters Licht geführt wurden, stellt eine neue Qualität dar und wird die deutsche Vorzeige-Industrie lange in Atem halten. Kindern wird erzählt: „Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht, und wenn er auch die Wahrheit spricht.“ Angefangen bei VW beginnt nun das große Zittern, dass die Autobranche deshalb in Zukunft härter angefasst wird. Von Florian Girwert Thüringische Landeszeitung

Manipulierte Schadstoffregulierung: VW drohen auch strafrechtliche Konsequenzen

Der VW-Chef wackelt

Ginge es nicht um Betrug und um Tausende Jobs, könnte man lachen: Zuerst schaffte es VW-Chef Martin Winterkorn im Frühjahr, die Attacken des als allmächtig eingeschätzten Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch abzuwehren und Piëch zum Rücktritt zu bringen. Und nun kann Winterkorn froh sein, wenn er sich an der Spitze von VW hält. Zu unklar ist, ob er von den Abgas-Manipulationen in den USA wusste, oder ob er nur mangelhaft kontrollierte, was die US-Manager so trieben. Was muss passieren? Es reicht nicht, dass der Konzern eine Prüfung des Skandals ankündigt. Tatsächlich muss der Aufsichtsrat diese Untersuchung unabhängig vom Vorstand überwachen.

An sich erscheint undenkbar, dass Winterkorn das übersteht. Ist es denkbar, dass Ingenieure eigenmächtig eine Software entwickelten, die Motoren bei Umwelttests gezielt in einen Sparmodus umschaltet? Und weiß nicht gerade der detailverliebte Ingenieur Winterkorn, welche Umweltwerte seine Wagen wirklich haben? Viel deutet auf einen Chefwechsel in Wolfsburg hin – zumindest Piëch würde sich freuen. Rheinische Post

Der Abgas-Skandal von Volkswagen droht nicht nur dem Wolfsburger Konzern großes Ungemach zu bringen. Ihm drohen Milliardenstrafen in den USA und vermutlich horrende Schadenersatzklagen von wütenden Autokäufern und von Aktionären. Damit nicht genug: Der Fehltritt von VW bringt die ganze Automobilbranche ins Zwielicht und eine Technologie, die bisher als ein Joker der deutschen Hersteller galt, wenn es um umweltfreundliche Autos geht.

Diesel dürfte in den USA seinen Ruf als saubere, aber weitaus teurere Alternative zum Benziner verspielt haben. Das wird sich auf andere Märkte niederschlagen, zumal jetzt in Deutschland und Europa Politiker fordern, strengere Abgasrichtlinien und transparentere Testverfahren einzuführen. Wie immer, wenn ein Skandal an die Öffentlichkeit kommt, stellt sich die Frage nach der Verantwortung dafür und möglicher personeller Konsequenzen. Nun, die Antwort dürfte angesichts des riesigen Schadens auf der Hand liegen: Hat VW-Chef Martin Winterkorn von den Manipulationen gewusst, muss er gehen.

Sind die Fälschungen, die in so großem Stil erfolgt sind, hinter seinem Rücken passiert, zeugt das davon, dass er als Mann an der Spitze eines Weltkonzerns nicht mehr ausreichend Autorität besitzt. Das Scharmützel mit Ex-VW-Patriarch Ferdinand Piëch mag er überstanden haben, doch es wäre verwunderlich, wenn er das auch mit dieser Affäre schafft. Südwest Presse

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