Deutsche Bank darf kurz Luft holen

Deutsche Bank - Die Angst vor einer Kettenreaktion ist berechtigt

Deutsche Bank darf kurz Luft holen

Zur Klarstellung: Die Pleite steht nicht an. Die Deutsche Bank hat Ertragsprobleme, Rechtsprobleme, technische Probleme – aber kein Liquiditätsproblem. Ihr Puffer beträgt stolze 215 Milliarden Euro. Darüber hinaus könnte sie sich im Notfall etliches Geld von der Europäischen Zentralbank borgen. Die Strafe der US-Behörden wird nicht die befürchteten 14 Milliarden Dollar betragen, sondern wohl 5,4 Milliarden. Selbst im ersten Fall wäre die Bank weder insolvent noch ihr Kapitalpuffer unerlaubt niedrig. Und auch wenn die Bundesregierung Pläne zur Rettung der Bank durchspielen würde, so spräche dies nicht für eine nahende Pleite, sondern nur dafür, dass die Regierung sich auf alles vorbereitet, also ihren Job macht. Wer aus dem niedrigen Aktienkurs auf eine Pleite-Gefahr schließt, hält die Börse für eine Kommission zur Bewertung der wirtschaftlichen Realität. Das aber ist zu viel der Ehre. Die Börse spielt nur. Mitteldeutsche Zeitung

Erinnern Sie sich noch an die Banken- und Finanzkrise 2007/2008? Die Lehman-Pleite brachte das gesamte kapitalistische System auf unkontrollierte Weise ins Wanken. An der Commerzbank sind die Folgen bis heute sichtbar. Nach wie vor hält der Staat nach der Rettung mit Steuerzahler-Milliarden 15 Prozent an Deutschlands zweitgrößtem Finanzinstitut. Die Deutsche Bank agierte seinerzeit vom hohen Ross. Sie wies jede Form staatlicher Hilfe zurück. In dieser Woche tat sie dies erneut, aber aus einer Position der absoluten Schwäche heraus. Vertrauen stehe im Bankgeschäft am Anfang von allem, predigt der Deutsche-Bank-Chef John Cryan gerade. Und am Ende? Ist es futsch. Genau dies ist aktuell eines der großen Probleme der Bank. Dass gierige Fondsmanager die Pleite-Gerüchteküche mit Freude befeuern, um mit Leerverkäufen Profite zu machen, ist ein übler Nebeneffekt.

Die Deutsche Bank war allerdings auch nie zimperlich, wenn es um Profite ging. Etliche Kommunen erinnern sich nur ungern an ihre Derivat-Geschäfte. Der Vorwurf in den USA ist nun ähnlich. Die Bank habe Risiken im Hypothekengeschäft verheimlicht. Die Androhung von 12,5 Milliarden Euro Strafzahlungen kam zur Unzeit. Also doch staatliche Hilfe? Für die Banker ein Horrorszenario. Schon wegen dann beschränkter Boni. Noch mehr aber für Merkel und Co. Sie dementieren aus gutem Grund, an Rettungsplänen zu arbeiten. Um die Deutsche Bank nicht weiter zu schwächen. Vor allem aber hatten sie einst beteuert, dass der Steuerzahler nie wieder für eine „systemrelevante“ Bank zur Kasse gebeten werde. Die bittere Wahrheit: Auch die Deutsche Bank müsste gerettet werden, selbst wenn dies politisch ein enormes Beben nach sich zöge. Westfalenpost

Eine Bank atmet durch

So weit ist es also schon: Die Deutsche Bank ist zum Spielball von windigen Investoren geworden. Die gestrige Achterbahnfahrt des Aktienkurses zeigt, wie gefährlich Spekulanten auch für große Unternehmen sein können. Wenn sich der Wind dreht und immer nur schlechte Nachrichten verbreitet werden, dann gibt es keine Worte, mit denen man die Märkte beruhigen kann. Auf der Welle reiten die Zocker, die mal auf fallende, mal auf steigende Kurse setzen und sich zunutze machen, dass die Bank viel Glaubwürdigkeit verspielt hat. „Vertrauen ist der Anfang von allem“, hat Vorstandschef John Cryan geschrieben. Andersherum gilt: Misstrauen kann der Anfang vom Ende sein. Sollte die Bank sich tatsächlich mit den US-Behörden einig geworden sein, wäre dies ein kleiner Schritt. Der Anstieg des Aktienkurses um zwölf Prozent ist indes genauso übertrieben wie der vorherige Absturz unter zehn Euro. Beides zeigt: Die Börse reagiert derzeit extrem empfindlich auf jede neue Nachricht. Die Deutsche Bank kann einmal durchatmen. Ausgestanden hat sie die Krise noch nicht. Georg Winters – Rheinische Post

Bericht: „Nur“ noch 4,8 Milliarden Euro Strafe – Deutsche-Bank-Deal mit US-Behörden… – markets

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