Deutsche Wirtschaft schaltet einen Gang runter

KfW-Konjunkturkompass Deutschland: Aufschwung verliert etwas an Tempo

Deutsche Wirtschaft schaltet einen Gang runter

Das Konjunkturbarometer des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) weist im Mai auf eine leichte Abkühlung der deutschen Wirtschaft hin: Es sinkt etwas, liegt mit nunmehr 102 Punkten aber noch über der 100-Punkte-Marke, die für ein durchschnittliches Wachstum in Höhe von gut 0,3 Prozent gegenüber dem Vorquartal steht. Alles in allem dürfte das zweite Quartal mit einer Steigerung der Wirtschaftsleistung um etwa 0,5 Prozent zwar noch einmal kräftig ausfallen. Insgesamt verläuft die erste Jahreshälfte aber deutlich schwächer als zuvor.

„Dem weltweiten Aufschwung geht etwas die Puste aus“, sagt DIW-Konjunkturchef Ferdinand Fichtner. „Vor allem Investitionsgüter sind aufgrund des Handelsstreits mit den USA und den im Raum stehenden Strafzöllen weltweit weniger gefragt, weil die Unternehmen zunehmend verunsichert sind – und das dämpft vor allem die deutsche Wirtschaft.“

Auch hierzulande wird deswegen verhaltener investiert, zuletzt hatten die privaten Investoren ihre Ausgaben für neue Maschinen und Anlagen sogar zurückgefahren. Der private Verbrauch dürfte dagegen weiter zulegen. Simon Junker, DIW-Experte für die Konjunktur in Deutschland, warnt aber vor zu überschwänglichen Erwartungen: „Der Beschäftigungsaufbau hat etwas an Tempo eingebüßt und die zuletzt ölpreisbedingt gestiegene Inflation wird die Einkommen der Haushalte in realer Rechnung belasten.“ Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin)

KfW-Konjunkturkompass Deutschland: Aufschwung verliert etwas an Tempo

Gleich mehrere belastende Sonderfaktoren wie die Warnstreiks in der Metallindustrie, eine starke Grippewelle und die heftige Kälteperiode im Februar und März haben der deutschen Wirtschaft den Start ins Jahr 2018 verhagelt und zu einer deutlichen Verlangsamung des Wachstums im ersten Quartal geführt (0,3% ggü. Vorquartal). Diese Einmaleffekte sind zwischenzeitlich zwar abgeklungen und das Realwachstum dürfte im laufenden Quartal wieder spürbar auf 0,6% anziehen – den unerwartet schwachen Jahresbeginn kann das jedoch nicht ausgleichen. KfW Research revidiert daher seine Wachstumsprognose für 2018 auf 2,1% nach unten (Vorprognose: 2,5%).

Trotz dieser Abwärtsrevision ist der Ausblick weiterhin gut. Nicht zuletzt die Firmen selbst setzen auf einen anhaltenden Expansionskurs, wie der abermalige Anstieg der Unternehmensinvestitionen im ersten Quartal (1,0 % ggü. Vorquartal) – bereits der fünfte in Serie – unterstreicht. Der private Konsum (0,4 %) präsentiert sich zu Jahresbeginn wieder etwas lebhafter als im zweiten Halbjahr 2017 – eine Entwicklung, die sich angesichts stabiler Zuwächse bei Beschäftigung und Reallöhnen sowie einer weiteren deutlichen Rentenerhöhung in diesem Jahr fortsetzen dürfte. Bei grundsätzlich positiver Weltkonjunktur sollten die Exporte den schwachen Jahresstart (-1,0 %) genauso rasch überwinden wie der Staatskonsum (-0,5 %), der sich nach erfolgreicher Regierungsbildung Mitte März voraussichtlich wieder lebhafter präsentieren wird. Auf die privaten Wohnungsbauinvestitionen, die trotz witterungsbedingter Behinderungen zu Jahresbeginn um kräftige 1,9 % zulegen konnten, bleibt ohnehin Verlass.

Im kommenden Jahr dürfte sich das Tempo des deutschen Wirtschaftswachstums moderat verlangsamen. KfW Research bestätigt für 2019 seine bisherige Realwachstumsprognose von 1,9 %. Für die Abschwächung sprechen vor allem die nach langem Aufschwung immer enger werdenden Kapazitäten, insbesondere am Arbeitsmarkt.

Auch wenn unser Konjunkturbild für Deutschland grundsätzlich positiv bleibt: Die Abwärtsrisiken nehmen zu“, sagt Dr. Jörg Zeuner, Chefvolkswirt der KfW Bankengruppe. Neben dem weiter ungelösten Brexit stehe Italien vor einer Koalitionsregierung, deren tragende Parteien mit sehr expansiven Fiskalprojekten und erheblicher Kritik an EU und Euro Wahlkampf gemacht hatten. Große Teile davon fänden sich im Koalitionsvertrag wieder. Falls diese Pläne in der Praxis nicht erheblich abgeschwächt würden, wären neue Konflikte innerhalb Europas und spürbare Zinsreaktionen am italienischen Kapitalmarkt wohl kaum zu vermeiden. Hinzu komme, dass sich in den Handelskonflikten der USA mit der EU und China noch immer keine Lösung abzeichne.

Ganz im Gegenteil: Mit dem jüngst bekannt gewordenen Prüfauftrag eines Zolls von bis zu 25% auf importierte Autos heize die US-Administration die Auseinandersetzungen weiter an. Die einseitige Aufkündigung des Iran-Atomabkommens durch die USA jüngst habe sowohl das Potenzial, den Ölpreis weiter steigen zu lassen, als auch zugleich den transatlantischen Graben in Handelsfragen noch weiter zu vertiefen. „Deutschland ist wegen seiner starken Integration in die internationalen Wert-schöpfungsketten, der großen Bedeutung des Automobilsektors und seines sehr hohen Leistungsbilanzüberschusses besonders verwundbar, sollte es vor diesem Hintergrund zu ernsthaften Verwerfungen in den globalen Handelsbeziehungen kommen“, so Zeuner.

Entscheidend für den weiteren Konjunkturverlauf wird sein, wie stark sich diese internationalen Unwägbarkeiten auf die Investitionsbereitschaft der Unternehmen auswirken. KfW Research geht davon aus, dass sie angesichts der lebhaften Nachfrage, der sehr hohen Auslastung der Industriekapazitäten und der günstigen Finanzierungsbedingungen im Trend spürbar aufwärts gerichtet bleiben. „Sollten die Unternehmen aber angesichts der verunsichernden Gemengelage spürbar auf die Investitionsbremse treten, wäre mit einer erheblich schlechteren Wirtschaftsentwicklung zu rechnen – bis hin zum Ende des Aufschwungs“, sagt Zeuner. KfW

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