Deutschen Bank: Freispruch mit Ansage

Freispruch der Deutsche-Bank-Manager

Deutschen Bank: Freispruch mit Ansage

Die Deutsche Bank ist noch weit davon entfernt, wieder als normales Unternehmen mit einer im Vergleich zu anderen Firmen durchschnittlich sauberen Weste zu gelten. Sie wartet auf die Entlastung, die den Weg für einen wirklichen Neuanfang frei macht. Dafür ist sie in zu viele Rechtsstreitigkeiten verstrickt. Und die neue Führung mit John Cryan an der Spitze hat bisher nicht hinreichend glaubwürdig verdeutlicht, dass sie wirklich bereit ist, mit dieser Vergangenheit zu brechen. Berliner Zeitung

Freispruch für die Vorstände der Deutschen Bank im Kirch-Prozess

Zwischen Deutsche Bank und Leo Kirch ist manches nicht mit rechten Dingen zugegangen: Das ist jedenfalls der Eindruck, den mancher gewinnen konnte vor bald anderthalb Jahrzehnten. Kirch, die Älteren unter uns wissen das noch, war mal eine ganz große Nummer im Medienbusiness. Dann kam der Absturz – und Kirch wollte die Insolvenz nicht auf sich sitzen lassen. Der ganze Fall hat viele Juristen beschäftigt – und natürlich dachten viele, es muss was dran sein an kolportierten Absprachen unter Bankern.

Aber: Ein Verdacht genügt nicht. Und das Gericht hat jetzt sehr unverblümt aufgezeigt, dass es – ungelogen – nicht reicht, wenn einer meint, ein Geschmäckle zu verspüren.

Wenn nun aber vor allem Ackermann meint, die Justiz habe sich kapital verrannt, dann hat auch das – ungelogen – nicht mehr als ein vermutetes Geschmäckle. Gerlinde Sommer, Thüringische Landeszeitung

Deutsche Bank/Leo Kirch

14 Jahre, nachdem der damalige Deutsche-Bank-Chef Zweifel an der Kreditwürdigkeit des Medienunternehmers Leo Kirch streute, könnte damit diese schier endlose Geschichte doch einen Abschluss finden. Ganz sicher ist das nicht, weil die Staatsanwaltschaft weiter überlegt nachzulegen. Allerdings haben die Ermittler im Laufe des Verfahrens so viel Prügel vom Gericht bekommen, dass sie gut beraten wären, nun die Dinge auf sich ruhen zu lassen. Für die Deutsche Bank bleibt der Schaden aus der Kirch-Pleite enorm. Fast eine Milliarde Euro zahlte der Konzern in einem Vergleich an die Kirch-Erben. Schmerzlich ist auch der Reputationsverlust. Das Schlusskapitel in dem Kirch-Drama fällt dennoch versöhnlich aus für die Deutsche Bank. Juristisch entlastet wurden die fünf Führungsleute. Davon ist die Deutsche Bank aber insgesamt weit entfernt. Mitteldeutsche Zeitung

Der Freispruch bietet Fitschen indes ein wenig Zeit zum Durchatmen. Für seinen Arbeitgeber ist das Urteil zumindest so etwas wie ein Mini-Erfolg in einem Alltag voller Rechtsstreitigkeiten – auch wenn die Deutsche Bank schon Hunderte Millionen Euro an Schadensersatz für die Kirch-Erben zahlen musste. Den Sieg der Angestellten dürfte die größte Bank Deutschlands somit nicht all zu ausgiebig feiern. Die nächsten Prozesse um manipulierte Zinsen und Ähnliches warten schon. Mario Beltschak, Badische Neueste Nachrichten

Wo bleiben die Visionen

Für die Deutsche Bank war dies eine gute Woche. Am Montag kam der Freispruch für fünf Topmanager im Münchner Betrugsprozess. Am Donnerstag folgten Geschäftszahlen, die positiv überraschen. Die Deutsche Bank erwirtschaftete am Jahresanfang einen Gewinn. Es sagt einerseits viel über den Zustand der größten Bank des Landes aus, dass schon dies als Erfolgsmeldung durchgeht. Andererseits ist dieser kleine Überschuss für den neuen Chef John Cryan eine wichtige Hilfe im Ringen um Vertrauen bei Investoren, Beschäftigten und Kunden. Cryan setzt vor allem darauf, die Kosten zu reduzieren und die Bank durch den Rückzug aus allzu riskanten Geschäftsfeldern schrumpfen zu lassen. Seine Kritiker vermissen vor lauter Sparprogrammen die Visionen für eine bessere und nicht nur für eine kleinere Deutsche Bank. Sie fordern ein zukunftsfähiges, neues Geschäftsmodell und liegen damit nicht ganz falsch. Ein vergleichsweise stabiles Quartalsergebnis wird die Skeptiker deshalb nicht verstummen lassen. Frankfurter Rundschau

Augen zu und durch!

Augen zu und durch! Etwas anderes kann man den Aktionären und Mitarbeitern der Deutschen Bank gar nicht mehr raten. Es brennt immer noch an so vielen Stellen im Konzern, dass die Umschreibung von 2016 als „Übergangsjahr“, die vom Co-Vorstandschef John Cryan stammt, vollends dem Anspruch des für Briten üblichen Understatements genügt. Blut-Schweiß-und-Tränen-Durchhalteparolen wären allerdings angebrachter als Euphemismen. Beispiel gefällig? Strebte die Bank einst eine Eigenkapitalrendite von 25% an, steht sie heuer bei 1,6%. Der harte Sanierer Cryan will die Bank durch Restrukturierung und extreme Vergangenheitsbewältigung dermaßen auf Vordermann bringen, dass ihm das Bild, das der Branchenprimus im laufenden Jahr beim Geschäftserfolg abgibt, egal ist.

Je schlechter das Bild ausfalle, umso mehr Erfolg habe man bei den Aufräumarbeiten, sagt Cryan. Nach dem Rekordverlust von 6,8 Mrd. Euro kann es in diesem Jahr natürlich nur besser werden. Doch der überraschende Gewinn zu Jahresbeginn gibt ein trügerisches Bild für das Gesamtjahr, es droht erneut ein Verlust. Schließlich war ein enorm verringerter Rechtsaufwand Grund für den Quartalsgewinn. Gerade von dort sind in den nächsten Monaten wieder steigende Lasten zu erwarten. Operativ hingegen sah es bitter aus. Die Erträge rauschten vor allem im Wertpapierhandel, im Emissionsgeschäft und in der Übernahmefinanzierung hinunter. Zwar hellte sich das Investment-Banking-Geschäft im März und April wieder auf, aber wegen der globalen Unsicherheiten sind die Aussichten in diesem Geschäftsfeld 2016 nicht gut.

Und trotz aller Diversifizierungsbemühungen sind 58% der Erträge der Deutschen Bank abhängig vom Investment Banking inklusive der Transaktionsbank. Daneben gibt es noch die Vermögensverwaltung mit reichen und normalen Kunden, ein Geschäft, dass parallel mit den Märkten aufblüht oder leidet. Die Frage lautet also: Woher sollen die Erträge kommen, um den zahlreichen Belastungen etwas entgegenzusetzen? Diese Frage hat nicht zuletzt Auswirkungen auf das Versprechen des Managements, nicht noch einmal das Kapital zu erhöhen. Die Abermilliarden der vergangenen Jahre gingen nach dem Prinzip „linke Tasche, rechte Tasche“ sofort in die Beilegung der Rechtsstreitigkeiten.

Die Kapitaldecke selbst ist für die Argusaugen der Regulatoren zu fadenscheinig. Selbst die angepeilten 12,5% oder mehr im Jahr 2020 könnten zur Erfüllung der aufsichtsrechtlichen Vorgaben und vielen Sonderzuschläge nicht reichen. Pressekontakt: Silke Stoltenberg, Börsen-Zeitung

DasParlament

Ihre Meinung ist wichtig!

Ihre Email-Adresse wird nicht veröffentlicht.