Deutschland im Ausnahmezustand

Checkliste: Was Firmen in Zeiten von Corona jetzt tun müssen

Deutschland im Ausnahmezustand

Bei ihrem ersten öffentlichen Auftritt in der Coronakrise am vorigen Mittwoch hatte die Bundeskanzlerin über Grenzschließungen noch gesagt, das sei keine adäquate Antwort auf die Herausforderungen. Am Sonntag verkündete ihr Innenminister Horst Seehofer dann doch, dass sich die Schlagbäume senken und es wieder Grenzkontrollen geben wird. In der Flüchtlingskrise 2015 hatte Angela Merkel ein vergleichbares Signal verhindert. Am Montag beschloss sie in Absprache mit den Länderregierungschefs, dass Restaurants ab 18 Uhr sowie Kneipen, Bars und alle Geschäfte, die keine Grundversorgung sichern, zu schließen und Zusammenkünfte in Sportvereinen und Glaubensgemeinschaften verboten sind. Ferner darf es keine touristischen Übernachtungen geben. Schulen und Kitas sind schon zu.

Das ist noch nicht der „Lockdown“ wie in Italien und Spanien mit Ausgangssperren oder der Aussetzung der Versammlungsfreiheit wie in Österreich. Aber es sind, wie Merkel es formuliert, „Maßnahmen, die es so in unserem Land noch nicht gegeben hat.“ Etwas „Außerordentliches“, was Bund und Länder gemeinsam besprochen hätten. Das Krisenmanagement im föderalen Deutschland obliegt nicht nur dem Bund. Das träfe laut Grundgesetz nur im Verteidigungsfall zu. Schon jetzt wird im Bundestag darüber gesprochen, die Verfassung ändern und um den Pandemiefall ergänzen zu müssen. Aber das dauert.

Solange müssen die Beschlüsse im Einvernehmen mit Ländern und Kommunen gefasst und Alleingänge möglichst verhindert werden. Wie sehr Merkel um die Wirkung der drastischen Einschnitte weiß, zeigt ihr Bemühen um Beruhigung der Bürger, dass Ernährung und Dienstleistungen gewährleistet seien. Sollte die Zahl der Infizierten und Toten stark ansteigen, wird aber das öffentliche Leben auch bei uns zum Erliegen kommen.¹

Der Bundesverband Deutscher Unternehmensberater (BDU) und seine Experten aus dem BDU-Fachverband Sanierungs- und Insolvenzberatung haben eine Notfall-Checkliste für Firmen und Organisationen in der Corona-Krise erarbeitet. Wichtig sei es, in den kommenden Wochen und Monaten planvoll zu handeln. Ein Grobkonzept könne dabei helfen, mögliche Entwicklungsverläufe – gegebenenfalls in Szenarien – abzubilden. Dabei sollten sowohl kurzfristige Sicherungsmaßnahmen als auch die mittelfristige Entwicklung beachtet werden. Im Kern geht es für Unternehmen und deren Geschäftsführer und Führungskräfte darum, besonders sechs Handlungsebenen in den Fokus zu rücken:

  1. Liquidität: Prüfen Sie ihre finanzielle Situation vollständig und ehrlich. Streichen Sie alle nicht notwendigen Ausgaben und Investitionen. Verhandeln Sie mit Lieferanten über längere Zahlungsziele.
  2. Kundenmanagement: Gehen Sie aktiv auf Ihre Kunden zu und suchen Sie gemeinsam mit ihnen nach bestmöglichen Lösungen in der Krisensituation. Dazu kann zum Beispiel gehören, Auftragsgrößen, Liefertermine und Konditionen nach zu verhandeln.
  3. Lieferketten: Prüfen Sie Ihre Lieferketten und suchen Sie jetzt gezielt – beispielsweise Europa statt Asien – nach Alternativen. Schulen Sie Ihr Einkaufspersonal.
  4. Kapazitäten: Analysieren Sie kritisch, ob und in welchem Umfang Sie Kapazitäten herunterfahren können. Überlegenswert: Schichten reduzieren oder 2-3-Tagewoche vorübergehend einführen.
  5. Mitarbeiter: Passen Sie Ihre Personalplanungen an und finden Sie situationsgerechte Lösungen für den Mitarbeiter-Einsatz. Die Bandbreite ist groß und reicht von Homeoffice-Regelungen über die Nutzung von Arbeitszeitkonten bis zur Kurzarbeit.
  6. Kredite: Organisieren Sie notwendigen Kredite, um den Unternehmensfortbestand zu sichern. Die Liquiditätshilfen des Bundes sollten schnell in Anspruch genommen werden. Und: Mit der Hausbank aktiv das Gespräch suchen und Factoring-Lösungen andenken.²

¹Rheinische Post ²Bundesverband Deutscher Unternehmensberater BDU e.V.

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