Die Lohnlücke hat sich seit Jahren kaum verkleinert

"Lohngleichheit per Gesetz ist grober Unfug"

Die Lohnlücke hat sich seit Jahren kaum verkleinert

Mit großer Sorge blickt die regionale Wirtschaft auf den neuerlichen Vorstoß der Familienministerin zur Entgeltgleichheit von Männern und Frauen. „Die Betriebe sollen wieder einmal mit zusätzlicher Bürokratie überzogen werden.

Gleichberechtigung

Lohngleichheit per Gesetz zu verordnen, ist grober Unfug“, kritisiert der Vorstandsvorsitzende des Unternehmerverbandes, Wim Abbing. Den Unternehmerverband stört vor allem der neuerliche Generalverdacht, mit dem die Bundesministerin die Wirtschaft überziehe. „Konsequent lenkt die Politik von eigenen Herausforderungen ab und zeigt mit dem Finger auf andere. Statt Problemlösung, erleben wir Stimmungsmache auf Kosten der Wirtschaft“, bemängelt der Unternehmer und Geschäftsführende Gesellschafter der Emmericher Probat-Werke.

Abbing bezeichnet das Projekt der Ministerin als neuerlichen „Frontalangriff“ auf die Tarifpartnerschaft: „Die Politik soll sich raushalten aus der Lohnfindung in Deutschland. Das können wir gemeinsam mit den Gewerkschaften besser.“ Sozialpartner und Unternehmen hätten ein großes Interesse daran, die Beschäftigten unabhängig vom Geschlecht gleich zu behandeln. „Unsere Tarifverträge sind diskriminierungsfrei und richten sich ausschließlich nach Anforderung und Leistung“, unterstreicht Abbing.

Ein Gesetz zur Lohngleichheit mit entsprechenden Transparenz- und Dokumentationspflichten für die Unternehmen packe die eigentlichen Ursachen für den geringeren Verdienst vieler Frauen nicht an. „Wir haben immer noch zu wenige Frauen, die sich nach der Schule für technische Berufe entscheiden. Das führt dazu, dass die Industrie mit ihren guten Verdienstmöglichkeiten weitgehend männergeprägt ist“, erläutert Abbing. Die Industriebetriebe würden gerade bei jungen Frauen für die entsprechenden Berufschancen intensiv werben. Abbing kritisiert, dass die technischen Disziplinen in der Schule aber immer noch nicht ausreichend gefördert würden. Hier sei die Politik am Zug.

Zudem führten Erziehungs- und Pflegezeiten zu einem geringeren Einkommen vieler Frauen. „Die bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist eine Aufgabe, der sich die Ministerin stellen muss“, fordert Abbing. Immer noch gäbe es bei Qualität und Quantität der Betreuungsmöglichkeiten große Defizite. Die Politik sei gefordert, endlich nachzubessern, damit Männer und Frauen Familie und Job besser unter einen Hut bringen können.

Insgesamt kritisiert der Unternehmerverband die aktuelle Politik der großen Koalition, die zu immer neuen Belastungen für die Wirtschaft führe. Die gute konjunkturelle Entwicklung verleite die Politik offenbar zu immer neuen „ideologiegetriebenen, sozialromantischen und sinnfreien Irrwegen“. „Wir täuschen uns, wenn wir glauben, dass wirtschaftliches Wachstum ein Selbstläufer ist. Wenn wir die Wettbewerbsfähigkeit der Betriebe nicht mehr im Auge haben, dann wird es ein böses Erwachen geben“, ist Abbing überzeugt. Unternehmerverbandsgruppe e.V.

Arbeitsministerin Müller: “Lohndifferenz von Männern und Frauen nicht akzeptabel”

Frauen müssen im Vergleich zu ihren männlichen Kollegen fast drei Monate unentgeltlich arbeiten. „Wir können die noch immer bestehende Lohndifferenz zwischen Männern und Frauen nicht akzeptieren. Teile der Lohnlücke lassen sich zwar strukturell erklären, beispielsweise durch unterschiedliche Berufswahl oder Karrierebrüche durch familienbedingte Auszeiten. Dies darf aber nicht zu einer Bagatellisierung führen. Denn genau diese strukturellen Gründe zeigen die nach wie vor bestehende Benachteiligung der Frauen im Erwerbsleben auf“, so die Frauenbeauftragte der Bayerischen Staatsregierung, Arbeitsministerin Emilia Müller anlässlich des Equal Pay Day am 20. März.

Seit 2008 weist der Aktionstag in Deutschland auf die Entgeltungleichheit zwischen Frauen und Männern hin. Frauen verdienen im Schnitt 22 Prozent weniger als ihre männlichen Kollegen. Der Equal Pay Day markiert symbolisch den Zeitraum, in dem Frauen bei gleichem Stundenlohn unentgeltlich arbeiten, während ihre männlichen Kollegen bereits entlohnt werden. Die Lohnlücke resultiert zu einem großen Teil daraus, dass Frauen häufiger in geringer bezahlten Branchen tätig sind als Männer. Sie hängt aber auch mit der Erwerbsunterbrechung zusammen, die viele Frauen während der Familienphase einlegen.

Die Lohnlücke hat sich seit Jahren kaum verkleinert. Deshalb ist jetzt der Bund gefordert, die im Koalitionsvertrag auf Bundesebene festgelegten Punkte mit Maß und Ziel umzusetzen. Das Entgeltgleichheitsgesetz darf den Frauen aber auch keinen Bärendienst erweisen, beispielsweise durch unnötigen Bürokratieaufwand für die Wirtschaft. Das wäre so, als wenn man den Ast absägt, auf dem man sitzt“, so Müller abschließend. Bayerische Staatsregierung

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