DIW: Die griechische Regierung verzockt sich

Griechenland steht am wirtschaftlichen Abgrund

DIW: Die griechische Regierung verzockt sich

„Athen kann EU nicht erpressen“

Es ist gut, dass die Euro-Partner eine klare Linie zeigen. Indem sie Tsipras eine Frist setzen, übernehmen die Getriebenen die Initiative und zeigen, dass ein Land, das Hilfe beansprucht, nicht einseitig die Bedingungen diktieren kann. Selbstverständlich ist nicht alles falsch, was Tsipras und sein Finanzminister Gianis Varoufakis vortragen. Die Menschen in Griechenland bringen enorme Opfer, der Erfolg der Rosskur lässt auf sich warten. Doch die Art, wie Tsipras und Varoufakis Geld fordern, Gegenleistungen aber ablehnen, darf nicht Schule machen. Wenn sie ihr Land im Euro halten wollen, müssen sie die Währungsunion als gemeinsame Veranstaltung begreifen. Die Wahrscheinlichkeit einer Eskalation der Griechenland-Krise wächst. Es fehlt nicht viel, bis das Land erst Pleite geht und dann den Euro verlassen muss. – Mitteldeutsche Zeitung

Prof. Marcel Fratzscher

Nach Einschätzung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) ist die griechische Regierung dabei, sich im Streit mit den anderen Eurostaaten „zu verzocken“. In einem Gespräch mit der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ (Mittwoch) sagte DIW-Präsident Marcel Fratzscher, die Regierung in Athen sitze am kürzeren Hebel. „Sie kann Europa nicht erpressen.“ Er sei aber optimistisch, dass in den kommenden Tagen zumindest eine Verlängerung des gegenwärtigen Hilfeprogramms beschlossen werde.

Fratzscher betonte: „Dies kauft der griechischen Regierung jedoch lediglich Zeit, löst aber die grundlegenden Probleme nicht.“ Griechenland steht nach seinen Worten am wirtschaftlichen Abgrund: „Wenn nicht schnell eine Lösung gefunden wird, dann ist die Wahrscheinlichkeit einer tiefen Finanzkrise im Land groß. Dies würde die Wirtschaft wieder tief in die Krise stürzen, die Arbeitslosigkeit würde steigen und die Einkommen würden weiter sinken.“

Den Euro-Finanzministern war es auch am Montagabend nicht gelungen, den Konflikt mit der von Links- und Rechtspopulisten getragenen neuen griechischen Regierung zu lösen. Sie setzten den Griechen eine Frist bis zum Ende der Woche, um das in elf Tagen auslaufende aktuelle Rettungsprogramm um einige Monate zu verlängern. Regierungschef Alexis Tsipras macht das Programm wegen seiner Spar- und Reformauflagen indessen für die Misere Griechenlands verantwortlich und hat im Wahlkampf angekündigt, es nicht weiterzuführen.

Neue Osnabrücker Zeitung

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