Doppelter Milliardenschock – Eons Abstieg

E.on: Milliardenschwere Abschreibung droht

Die Verwerfungen der Energiewende treffen Eon mit voller Wucht. Der Energiekonzern wähnte den Kapitalmarkt gut vorbereitet auf den Milliardenschock in der Bilanz. Es gab Zeiten, in denen die Aktien von Energiekonzernen Renten-Papiere waren: Sie fuhren Riesengewinne ein, schütteten hohe Dividenden aus; wer vorsorgen wollte, konnte beruhigt auf Eon, RWE und Co. setzen.

Doppelter Milliardenschock – Eons Abstieg

Schon im April – so behauptet Konzernchef Johannes Teyssen – habe man die großen Investoren in London auf das eingestimmt, was jetzt kommt: eine milliardenschwere Kapitalerhöhung für die Atommüllentsorgung – und weitere milliardenschwere Wertberichtigungen der abgespaltenen Kraftwerkstochter Uniper, die im September an die Börse gehen soll.

Vielleicht hat Teyssen nicht laut genug gesprochen, vielleicht haben auch die Investoren geschlafen. Jedenfalls reagiert der Kapitalmarkt überhaupt nicht gelassen auf die Hiobsbotschaften aus der Halbjahresbilanz. Um zeitweise 7% knickte der Aktienkurs ein.

Damit ist der Milliardenschock aber noch längst nicht ausgestanden. Rund 10 Mrd. Euro muss Eon an den geplanten staatlichen Atomfonds für die Endlagerung überweisen. Niemand weiß genau, ob die dafür gebildeten Rückstellungen von 8 Mrd. Euro angemessen durch liquides Vermögen gedeckt sind. Hinzu kommen 2 Mrd. Euro Risikoaufschlag für mögliche Kostensteigerungen.

Es wird äußerst heikel werden, Investoren davon zu überzeugen, dass sie die neuen Eon-Aktien erwerben, um dies zu finanzieren. Schließlich fließt der Emissionserlös direkt wieder ab in den Atomfonds. Eon-Aktionäre würden damit zwar aus der weiteren Haftung für die Endlagerung des Atommülls entlassen. Die Investoren kaufen praktisch eine Versicherung gegen die Nachhaftung.

Eine attraktive Verwendung der Mittel ist das aber sicher nicht, da keine künftigen Einnahmen damit verbunden sind. Erst nach einem Kabinettsbeschluss der Bundesregierung steht zudem fest, ob der für die Kapitalerhöhung geplante Betrag von 2 Mrd. Euro überhaupt reicht. Denn er entspricht nur einem Risikoaufschlag von 25% auf die von Eon gebildeten Rückstellungen. Die staatliche Atomkommission hatte aber 35% von der Branche gefordert.

Ähnlich große Unsicherheit herrscht über den wahren Wert der an die Börse strebenden Kraftwerkstochter Uniper. Deren Buchwert hat Eon inzwischen auf 12 Mrd. Euro herabgesetzt. Aber der Marktwert dürfte wohl eher bei 3 Mrd. Euro liegen. Somit steuert Eon nach einer weiteren Wertberichtigung im Zuge des Börsengangs wohl auf den dritten Milliarden-Nettoverlust in Folge zu. Es droht ein Rekordverlust zu werden. Hauptsache, der Kapitalmarkt ist vorher gut informiert. Christoph Ruhkamp – Börsen-Zeitung

Es gab Zeiten, in denen die Aktien von Energiekonzernen Renten-Papiere waren: Sie fuhren Riesengewinne ein, schütteten hohe Dividenden aus; wer vorsorgen wollte, konnte beruhigt auf Eon, RWE und Co. setzen. Das scheint eine Ewigkeit her zu sein, dabei erreichte die Eon-Aktie ihr Allzeithoch 2008. Mit mehr als 100 Milliarden Euro Börsenwert war Eon der wertvollste Konzern des Landes. Heute versuchen die einstigen Riesen, hektisch Teile ihres siechen Körpers abzuschlagen, um wenigstens in Teilen überlebensfähig zu sein. Doch das gelingt kaum. Erst musste Eon seine Atomsparte behalten, damit die Abspaltung Uniper überhaupt eine Chance hat. Nun drohen erneut Abschreibungen in Milliardenhöhe auf die Kohle- und Gas-Resterampe. Dass sich der Eon-Kurs an der Börse kaum bewegt, zeigt vor allem, dass Anleger längst die Hoffnung in Eon und Co. aufgegeben haben. „Bei uns kümmert sich niemand mehr speziell um Energiekonzerne“, heißt es bei mancher Bank, wenn man wegen einer Analysteneinschätzung anruft. Die einst stolzen Konzerne sind auf dem Weg in die Börsen-Bedeutungslosigkeit. Florian Rinke – Rheinische Post

E.on: Milliardenschwere Abschreibung droht

Trotz milliardenscherer Abschreibungen sehen die Bosse des Energiekonzerns positiv in die Zukunft.

Die Entwicklung des Energiemarkts zeigt eindeutig: E.ON hat genau die richtige Strategie gewählt, indem wir die Chancen der neuen Energiewelt nutzen. Die Kunden wollten innovative, erneuerbare und digitale Energielösungen – und genau diese werden sie von uns bekommen. Der Börsennotierung von Uniper im September und damit dem erfolgreichen Abschluss der Abspaltung steht aus heutiger Sicht nichts mehr im Weg. Unsere Netze sind das Internet der Energiewende. Erst sie stellen sicher, dass die Kunden ihre eigene Energieversorgung optimieren können. Johannes Teyssen, E.ON CEO

E.ON hat im ersten Halbjahr ordentliche Geschäftszahlen in einem anhaltend schwierigen Umfeld vorgelegt. Die klare Fokussierung auf starke Ergebnisbeiträge wollen wir noch weiter schärfen.
Wir haben mit E.ON Focus klare finanzielle Prioritäten gesetzt, die wir fokussiert, diszipliniert und ambitioniert umsetzen. Im Mittelpunkt stehen ein konsequentes Management der operativen Kosten, eine gesunde Bilanz, sowie eine Investitionsstrategie, die noch stärker und klarer auf Geschäfte mit starken Ergebnisbeiträgen setzt. Michael Sen, E.ON CFO

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