Draghi erfolgreich und überschätzt: ifo-Präsident Fuest bedauert EZB-Entscheidung

Zinsentscheid der Europäischen Zentralbank

Die Unternehmensbefragungen des ifo Instituts zeigen, dass immer mehr Firmen die Absicht haben, in den kommenden Monaten ihre Preise anzuheben. Die Ergebnisse deuten auf eine deutsche Kerninflationsrate (ohne Energie) von rund anderthalb Prozent im laufenden Jahr.

Draghi erfolgreich und überschätzt: ifo-Präsident Fuest bedauert EZB-Entscheidung

Der ifo-Präsident Clemens Fuest hat die Beschlüsse der EZB bedauert. „Es wäre besser, die Anleihekäufe ab Mai weiter zu senken. Wir erwarten für 2017 eine Inflationsrate von knapp unter zwei Prozent in Deutschland und im Euroraum. Das spricht dafür, dass die Europäische Zentralbank (EZB) jetzt den Ausstieg aus ihrer expansiven Geldpolitik in Europa beginnt. Sie sollte nun den Fuß vom Gaspedal nehmen und ihre Anleihekäufe um monatlich 10 Milliarden Euro verringern“, verlangte Fuest. „Das bedeutet, sie im Mai auf 50 Milliarden zu senken, im April auf 40 Millairden und so weiter. Die EZB kauft ab April für 60 Milliarden Euro Anleihen im Monat, um die Inflation in Richtung zwei Prozent anzukurbeln. „Die EZB sollte ihre Geldflut eindämmen, sonst besteht die Gefahr, dass sie über ihr Ziel hinausschießt“, ergänzte Fuest.

Zur Begründung sagte er: „Die Unternehmensbefragungen des ifo Instituts zeigen, dass immer mehr Firmen die Absicht haben, in den kommenden Monaten ihre Preise anzuheben. Die Ergebnisse deuten auf eine deutsche Kerninflationsrate (ohne Energie) von rund anderthalb Prozent im laufenden Jahr. Hinzu kommt noch der Effekt der Energiepreise. Die Inflation kommt nach Deutschland und Europa zurück, denn auch in der Eurozone insgesamt steigen die Preiserwartungen der Unternehmen.“ ifo und CESifo online

Zinsentscheid der Europäischen Zentralbank

Mario Draghi macht seinen Job. Und er macht ihn richtig. Das einzige erklärte Ziel der Europäischen Zentralbank (EZB) und ihres Präsidenten lautet: Die Inflationsrate auf mittlere Sicht „unter, aber nahe 2 Prozent“ zu halten. Nun stiegen die Preise im Februar auf die magischen 2 Prozent. Das befeuert vor allem im reichen Deutschland mal wieder die Diskussion über einen baldigen Ausstieg der EZB aus ihrer ultra-expansiven Geldpolitik.

Doch rechnet man die extrem schwankungsanfälligen Preise für Energie und Nahrungsmittel heraus, dann kommt in der gesamten Eurozone eine Kerninflationsrate heraus. Und die zählt. Im Februar verharrte sie bei niedrigen 0,9 Prozent. Es besteht also kein Grund für einen Kurswechsel, wie ihn Bankenverbände und Sparer wünschen. Der Leitzins bleibt auf Rekordtief.

In der Krise hatte Draghi die Notenpresse angeworfen. Die Bilanz seiner Zentralbank schwoll in wenigen Jahren von 500 auf 3.000 Milliarden Euro an. Damit rettet er – ob nun gewollt oder nicht – Griechenland vor dem Kollaps und bremst in Spanien die unvorstellbar hohe Massenarbeitslosigkeit. Mit dem fallenden Euro-Kurs fördert Draghi auch die deutsche Exportwirtschaft und er verschafft einem seiner schärfsten Kritiker, Bundesfinanzminister Schäuble, milliardenschwere Zinsgewinne für den Staatshaushalt. Unterm Strich trägt Draghis Notenbank dazu bei, dass die Wirtschaft in fast allen Euroländern wenigstens wieder langsam wächst. Aus dem Gröbsten raus ist Europa aber nicht.

Zugleich wird Draghis Macht nicht allein von linken Ökonomen gern überschätzt. Mehr als die schlimmsten Übel verhindern, kann keine Zentralbank. Zumindest, wenn sie die Politiker im Stich lassen. Die Verantwortung für Konjunktur und Jobs haben die elitären Sparapostel in Berlin, Paris aber auch London dennoch schon vor langem bei ihren Zentralbankern abgeladen. Damit beförderten sie den Boom aller Rechtspopulisten.

Ebenfalls die Bosse zeigen Draghi die kalte Schulter. Nicht allein in Griechenland und Italien, auch in Deutschland legen die Konzerne einen Großteil ihrer Gewinne lieber auf den Finanzmärkten an, statt sie in die reale Wirtschaft zu investieren. So wurde Deutschland 2016 wieder Weltmeister beim Kapitalexport. Trotz und wegen Draghi. Hermannus Pfeiffer – taz – die tageszeitung

Minus 1 Prozent im Visier

Wer sich am Staatsanleihemarkt der Eurozone das kurze Laufzeitenende der Kurven ansieht, kann so langsam den Eindruck bekommen, dass es wirklich nichts mehr gibt, was den Markt davon abhält, immer weiter in die Tiefe abzugleiten. Und wenn es in diesem Tempo in den nächsten Tagen weitergeht, dann wird die nächste Hürde genommen. Dieser Meilenstein ist die „Minus-1-Prozent-Marke“ im zweijährigen Laufzeitenbereich der Bundeswertpapiere, d.h. bei den Bundesschatzanweisungen, wie sie korrekt heißen. Lässt sich jetzt immer noch lapidar sagen, dass der Markt nur im Basispunktebereich im Minus liegt, wäre dann zu konstatieren, dass der erste volle Prozentpunkt im Negativterrain erreicht wird. Das ist ein Wort.

Über ein halbes Jahrzehnt

Vor wenigen Tagen stellten die Zweijährigen des Bundes ihren vorläufigen Rekord mit minus 0,964% am Sekundärmarkt auf. Minus 1% ist seitdem immer in Sichtweite geblieben. Auch am Primärmarkt wurde in dieser Hinsicht quasi zum Sekundärmarkt „aufgeholt“: Am Dienstag der gerade abgelaufenen Woche standen die Bundesschatzanweisungen auf dem regulären Auktionsprogramm. Zur Rendite von minus 0,92% gingen sie an die Anleger. Das bedeutet: Die Investoren zahlten nun schon fast 1% dafür, damit sie dem Bund noch Geld leihen dürfen. Fast auf den Tag genau fünf Jahre und drei Monate geht das nun schon so mit den negativen Anleiherenditen/Zinsen. Das hatte anfangs wohl kaum einer für möglich gehalten. Bei der Auktion in der abgelaufenen Woche war es ebenfalls ein Rekord, der aufgestellt wurde. Es war die tiefste Rendite, die jemals in einer Auktion über alle Laufzeitklassen der nominalen Papiere hinweg gemessen wurde. Im Vergleich zu der vorangegangenen Versteigerung der Zweijahrespapiere ergab sich ein deutlicher Sprung tiefer ins Minus. Denn als diese Papiere im Januar dieses Jahres unter den Hammer kamen, gingen sie noch zu einer zu berappenden „Parkgebühr“ von 0,75% weg. Sollte den zweijährigen Titeln der Sprung über die minus 1% gelingen und sollte sich der Markt dort halten können, wird auch am Primärmarkt wohl bald die 1% im Negativbereich markiert.

Doch es sind längst nicht mehr nur die deutschen zweijährigen Anleihepapiere – quasi die „Pioniere der Minusrendite“ – , die so tief im negativen Bereich liegen. Die soliden Pendants aus den Niederlanden (ebenfalls Triple-A), aber auch die Titel aus Finnland (Doppel-A-Rating) liegen ebenfalls schon sehr tief im Minus. Jenseits der Marke von minus 0,50%, d.h. tiefer als einen halben Prozentpunkt, notieren auch die zweijährigen Titel der Second Tiers Frankreich und Belgien.

Wirkung zeigen hier in erster Linie die Staatsanleihekäufe der Europäischen Zentralbank, das sogenannte Quantitative Easing. Im Dezember vorigen Jahres hoben die europäischen Währungshüter zwei Beschränkungen auf. Zum einen dürfen Papiere mit Restlaufzeiten von weniger als zwei Jahren gekauft werden. Vorher wurde ausschließlich im Laufzeitenband von zwei bis 30 Jahren gekauft. Zum anderen fiel auch die Renditeuntergrenze – in Form des Einlagensatzes von minus 0,40% -, bis zu der gekauft werden durfte, komplett weg. Im Handel wird herumgereicht, dass die Bundesbank aufgekaufte Staatsanleihen – in diesem Fall Bundesanleihen – in der Leihe zur Verfügung stellt. Anhand der ISIN ist ablesbar, dass dazu auch diese sehr kurzen Laufzeiten (Fälligkeit 2018) gehören. Somit müssen die Bundesbanker im Umkehrschluss in diesen Anleihen aktiv geworden sein. Und diese Käufe, die die EZB noch mal ausgedehnt hat auf nunmehr insgesamt (über alle Anleihegattungen hinweg gerechnet) knapp 2,3 Bill. Euro, haben durchaus das Potenzial, die Renditen noch weiter in den Keller zu drücken. Somit sollte auf absehbare Zeit auch die Marke von minus 1% gerissen werden.

Aber es sind nicht nur die Käufe der Zentralbanken, die die Papiere tiefer in den Negativbereich befördern. Marktteilnehmer wie Assetmanager, Pensionsfonds, Versicherer und auch Hedgefonds steuern die sicheren Häfen des Bundes, der Niederländer oder der Finnen an. Die aufkommenden politischen Risikofaktoren sind ein wesentlicher Treiber. Hierzu zählen die anstehenden Wahlen in den Niederlanden, in Frankreich, aber auch in Deutschland. Aber auch die Sorgen vor einer allzu protektionistischen Wirtschaftspolitik des US-Präsidenten Donald Trump veranlassen die Anleger, in sichere Papiere zu gehen. Hinzu kommen Befürchtungen über die Stabilität der Banken in Italien, die manchen Investor das Wort Sicherheit groß schreiben lassen. Umkehrschluss: Sprunghaft höhere Renditen sind derzeit offenkundig nicht in den Karten. Kai Johannsen – Börsen-Zeitung

EZB lässt Leitzins trotz steigender Inflation bei null Prozent – economy

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