Draghi vs. Mnuchin: Protektionismus First

Draghi vs. Mnuchin: Protektionismus First

Die Euro-Hüter dürfen die Aufwertung aber auch nicht überdramatisieren. Viel verheerender wäre es dagegen, wenn hinter Mnuchins Aussagen ein grundsätzlicher Politikwechsel in Sachen Dollar stünde. Das wäre tatsächlich ein Drama – nicht nur für Euroland, sondern für die gesamte Weltwirtschaft.

Was die EZB und die Euro-Inflation betrifft, ist eine Währungsaufwertung sicher alles andere als hilfreich. Zumindest bislang besteht aber kein Grund, die Entwicklung und die Folgen zu übertreiben. Erstens: Die vorangegangene Euro-Schwäche seit 2014 war eine Anomalie und es war klar, dass das nicht ewig so weitergehen würde. Der Euro ist aktuell auch immer noch viel schwächer als 2014. Zweitens: Die Stärke des Euro spiegelt vor allem auch die Stärke der Euro-Wirtschaft wieder. Das ist positiv und spricht dafür, dass die Wirtschaft aktuell einen stärkeren Euro aushalten kann. Drittens: Parallel zum Euro steigen die Ölpreise deutlich. Diese Effekte sollten sich bei der Inflation mindestens zum Teil ausgleichen. Und viertens: Eine Euro-Stärke dämpft die Inflation eher kurzfristig, während die EZB-Politik mittelfristig ausgerichtet sein sollte. Solange sich die Euro-Rally also nicht ungebremst fortsetzt, sollte die EZB die Kirche im Dorf lassen – und diese nicht als neuerliches Argument nehmen, den nötigen Ausstieg aus der ultralockeren Geldpolitik weiter und weiter zu vertagen.

Beängstigend wäre es aber in der Tat, wenn Mnuchins Aussagen wirklich einen generellen Bruch mit der US-Politik des starken Dollar und eine Abkehr vom globalen Konsens gegen jeglichen Abwertungswettlauf darstellen würde. Der Dollar ist der Anker des internationalen Finanzsystems schlechthin und ein Währungskrieg, der die Weltleitwährung umfasst, würde alles in den Schatten stellen, was es an dieser Front je gab.

Leider haben Mnuchins neuerliche Kommentare am Donnerstag die Sorgen keineswegs ausgeräumt – im Gegenteil! Die US-Administration muss jetzt für Klarheit sorgen. Und die Partner müssen Präsident Donald Trump & Co. deutlich machen, dass ein globaler Währungskrieg genau wie eine neue weltweite Protektionismuswelle nur Verlierer kennen würde. Die 1930er Jahren sollten da mahnendes Beispiel genug sein. Mark Schrörs – Börsen-Zeitung

„Auch durch häufiges Wiederholen wird die Botschaft des amerikanischen Präsidenten Donald Trump nicht besser. Der ,America First‘-Ansatz ist nichts anderes als die Rückkehr zum Frühkapitalismus. Der Welthandel ist kein Nullsummenspiel, bei dem das eine Land gewinnt und das andere verliert.

Zwar haben sich die schlimmsten Befürchtungen für die US-Handelspolitik ein Jahr nach dem Amtsantritt von Präsident Trump noch nicht bewahrheitet. Aber die gerade verhängten Schutzzölle auf importierte Solarzellen und Waschmaschinen zeigen, in welche Richtung es in diesem Jahr laufen könnte.

Hier machen die USA erstmals wieder seit der Bush-Administration im Jahr 2002 Gebrauch von einem nicht durch WTO-Regeln gedeckten Instrument, das alle amerikanischen Importe der entsprechenden Produkte betrifft und damit auch Deutschland.

Es besteht die Gefahr, dass sich die Regierung Trump nach der Steuerreform nun dem nächsten großen Thema widmet: dem Ausgleich des chronischen amerikanischen Handelsdefizits. Ein härteres Vorgehen etwa gegenüber China, auch durch unilaterale Maßnahmen, hätte dramatische Folgen für die Weltwirtschaft und damit auch für den stark exportabhängigen deutschen Maschinenbau. Wir müssen alles dafür tun, damit es nicht zur einer Spirale des Protektionismus kommt.“ Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau e.V. (VDMA)

„Das Verhängen fragwürdiger Strafzölle trägt sicherlich nicht zur Förderung eines fairen Welthandels bei. Die Administration Trumps hat offensichtlich nicht verstanden, dass die Zeiten passé sind, in denen eine Wirtschaftsmacht eine andere mit derartigen Maßnahmen im Alleingang in die Knie zwingen kann. Handelspolitik macht man heutzutage mit dem Skalpell und nicht mit dem Vorschlaghammer. Die Weltordnung von heute ist multipolar und selbst eine große Volkswirtschaft wie die USA ist am Ende auf die Spielregeln einer WTO angewiesen. Eine starke, globale Handelsordnung schützt schließlich auch maßgeblich die Interessen amerikanischer Unternehmen vor unfairen Handelspraktiken.

Den Drohgebärden kann man allerdings auch etwas Gutes abgewinnen: Sie rufen in Erinnerung, wie wichtig für uns eine starke und geeinte EU ist. Nur mit einer gemeinsamen, kohärenten Handelspolitik aller 27 Mitgliedstaaten wird man sich gegenüber solchen wirtschaftspolitischen Einschüchterungsversuchen weiterhin behaupten können.“ Bundesverband Großhandel, Außenhandel und Dienstleistungen e.V. (BGA)

DasParlament

2 Antworten zu "Draghi vs. Mnuchin: Protektionismus First"

  1. Anonymous   Dienstag, 30. Januar 2018, 18:02 um 18:02

    Was die EZB und die Euro-Inflation betrifft, ist eine Währungsaufwertung sicher alles andere als hilfreich. Zumindest bislang besteht aber kein Grund, die Entwicklung und die Folgen zu übertreiben.

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  2. Anonymous   Dienstag, 30. Januar 2018, 15:45 um 15:45

    Den Drohgebärden kann man allerdings auch etwas Gutes abgewinnen: Sie rufen in Erinnerung, wie wichtig für uns eine starke und geeinte EU ist.

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