Dudenhöffer: Brexit wäre für Automobilbranche problemlos verkraftbar

Wissenschaftler kritisiert politische Panikmache

Dudenhöffer: Brexit wäre für Automobilbranche problemlos verkraftbar

Der Branchenexperte Ferdinand Dudenhöffer hält die Auswirkungen eines möglichen britischen Ausstiegs aus der EU auf die Automobilwirtschaft für überschaubar. In einem Gespräch mit der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ sagte der Direktor des CAR-Instituts an der Universität Duisburg-Essen, einige Hersteller könnten sogar profitieren. „Gehen wir mal davon aus, dass das Pfund nach dem Brexit deutlich abgewertet würde. Für den VW-Konzern und Daimler wäre das unangenehm, aber BMW, Ford und Opel hätten auch Vorteile, denn diese Autobauer sind mit Produktionen auf der Insel vertreten“, sagte der Professor. Ein beträchtlicher Teil des Währungseffektes werde so abgefedert.

Echte Gewinner wären Hersteller wie Nissan als größter in Großbritannien tätiger Automobilhersteller mit 500.000 Fahrzeugen im Jahr, außerdem Landrover, Toyota und Honda.

Politische Handelshemmnisse erwartet Dudenhöffer keine. Auch die Nachfrage der Kunden werde nicht dauerhaft sinken. Nachholeffekte und das Wachstum in anderen Regionen fingen kleine Dellen mehr als auf, sagte er. „Tatsache ist, die Autowelt geht durch einen Brexit nicht unter“, so der Wissenschaftler. „Panikmache von Politikern, Verbänden und Unternehmen ist gefährlich“, warnte er. „Das größte Problem unserer Europapolitik ist die Glaubwürdigkeit“, gab Dudenhöffer zu bedenken. Diese leide, wenn die dramatisch geschilderten Folgen gar nicht zuträfen. Neue Osnabrücker Zeitung

Europaabgeordneter: Brexit würde Deutschlands Position im Europaparlament schwächen

Pieper: Wenn 73 britische Mandate entfallen, profitieren die strukturschwachen Länder

Der Europaabgeordnete Markus Pieper (CDU) geht davon aus, dass ein Ausscheiden Großbritanniens aus der EU Deutschlands Position im Europaparlament schwächen würde. „Alle Mitgliedstaaten würden mehr Abgeordnete bekommen außer Deutschland, falls die 73 britischen Abgeordneten das Parlament verlassen, sagte Pieper der „Neuen Osnabrücker Zeitung“. Er wies darauf hin, dass es nach den EU-Verträgen auch im Fall eines „Brexit“ bei der derzeitigen Gesamtzahl von 751 Abgeordneten bleibe. Die 73 britischen Sitze würden verteilt, wobei besonders die strukturschwachen Länder aus Süd- und Osteuropa erstarkten. Nur für Deutschland bliebe es bei 96 Abgeordneten. Denn hier sei die Minimal- und Maximalzahl an Mandaten festgeschrieben.

„Der Weg in die finanzielle Transferunion wäre gegen die Mehrheit schwacher Staaten nur noch schwer zu verhindern. Deutschland müsste sein Verhältnis zur EU wohl neu definieren“, warnte Pieper, der Mittelstandssprecher der EVP-Fraktion ist. Auch im Europäischen Rat wird sich nach den Worten des Europaabgeordneten im Fall eines „Brexit“ eine Verschiebung des Kräfteverhältnisses geben. „Ein wichtiger Bündnispartner in Wirtschaftsfragen fiele weg“, sagte Pieper. Neue Osnabrücker Zeitung

Chef des britischen Wahlbündnisses TUSC, Dave Nellist: EU in jetziger Struktur nicht reformierbar

Für den Verbleib Großbritanniens in der EU zu werben hält Dave Nellist, Mitglied der der Socialist Party und Vorsitzender der Trade Unionist and Socialist Coalition (TUSC), für einen Fehler. „Es ist bedauerlich, dass die Mehrheit der Gewerkschaftsführungen und auch die Führung von Labour für den Verbleib in der EU werben“, schreibt Nellist in einem Gastbeitrag für die in Berlin erscheinende Tageszeitung „neues deutschland“. Der Labour-Vorsitzende Jeremy Corbyn habe dem Druck des Blair-Flügels nachgegeben. „Damit macht er sich mitverantwortlich dafür, dass sich die Wut auf die EU und die Cameron-Regierung vor allen Dingen über die rechten Befürworter eines »Brexit« kanalisiert“, so Nellist.

Der 1991 aus der Labour-Partei ausgeschlossene Politiker kritisiert linke Brexit-Gegner dafür, dass sie nicht die Frage beantworteten, wie eine Reform der EU „angesichts ihrer völlig undemokratischen Struktur zu realisieren wäre“. „Die EU nimmt den tausendfachen Tod von Flüchtlingen in Kauf. Die EU-Institutionen waren gnadenlos gegenüber der griechischen Bevölkerung. Die EU ist ein kapitalistisches Projekt, das die Einheit zwischen Nationen von oben erzwingt und im Interesse des einen Prozents und nicht der 99 Prozent agiert.“ neues deutschland

Mehr als ein Drittel der deutschen Industriefirmen fürchtet beim Brexit ums Geschäft

Mehr als ein Drittel des Firmen des Verarbeitenden Gewerbes in Deutschland befürchtet bei einem Brexit negative Auswirkungen auf ihr Geschäft. Genau sind es 38 Prozent der Befragten, wie das ifo Institut in München mitteilte. Keine Auswirkungen erwarten hingegen knapp 61 Prozent, positive Folgen gerade einmal ein Prozent. Insbesondere große Unternehmen mit über 500 Beschäftigten sind unruhig. Hier rechnen sogar 53 Prozent mit negativen Auswirkungen bei einem Brexit. Wenn Unternehmen im Exportgeschäft tätig sind, ist der Anteil ebenfalls leicht höher als im Schnitt, nämlich 41 Prozent.

Besonders viele Unternehmen der Elektro-Industrie sehen sich negativ betroffen (52 Prozent), in der Automobilherstellung (49 Prozent), in der Metallbranche (45 Prozent) und im Maschinenbau (43 Prozent). Fast durchschnittlich betroffen fühlen sich die Chemiesparte (39 Prozent), unterdurchschnittlich die Branche Nahrungsmittel, Getränke und Tabak (28 Prozent) sowie Textilien, Bekleidung und Leder (21 Prozent).

Zwischen dem 6. Juni und dem 21. Juni hat das ifo Institut bei seinem Konjunkturtest 1478 Unternehmen des Verarbeitenden Gewerbes in Deutschland nach Auswirkungen eines Brexit befragt. Harald Schultz – ifo und CESifo online

Brexit Showdown in Wembley

DasParlament

Ihre Meinung ist wichtig!

Ihre Email-Adresse wird nicht veröffentlicht.