Ein Eisenbahner mit Herz – Grubes Abtritt

Grubes Abgang schadet der Deutschen Bahn

Ein Eisenbahner mit Herz – Grubes Abtritt

Nicht nur den Deutschen Bahnkunden-Verband (DBV) hat der erklärte sofortige Rücktritt vom Amt den Vorstandsvorsitzenden der Deutschen Bahn AG überrascht. Ohne eine Beurteilung der bekanntgegebenen Gründe vorzunehmen bedauert der DBV den Schritt Grubes. Grube war für uns ein Mann des Dialogs und hat so manche Bedürfnisse der Bahnkunden aufgegriffen und einige auch umgesetzt. Dennoch blieben auch unter seiner Führung mehr Probleme offen als gelöst wurden, was nicht immer an ihm sondern vielfach am „DB-Apparat“ lag. Wir, die Bahnkunden, bangen wie bei jeden Managerwechsel bei der DB auch diesmal wieder, wer im Konzern über unsere Belange entscheiden wird. Gerhard J. Curth, Präsident, Deutscher Bahnkunden-Verband e.V.

Dumm gelaufen

Der Abgang von Bahnchef Rüdiger Grube ist eine bittere Enttäuschung. Nicht nur, weil der Staatskonzern mit dem Hanseaten einen engagierten Manager verliert, der den Titel „Bahnchef“ als Ehrenbezeichnung verstand. Sondern auch wegen der Art, wie der Rücktritt zustande kam: In dem unwürdigen Geschacher um die Vertragsverlängerung Grubes hat der Aufsichtsrat seine Position völlig falsch eingeschätzt. Nach dem aus Bahn-Sicht katastrophalen Jahr 2015 meinte man wohl, man könne den Konzernchef noch ein wenig drücken. Das zumindest legt der Versuch nahe, das verabredete Vertragspaket wieder aufzuschnüren und die Laufzeit um ein Jahr zu verkürzen. Hätte sich Grube darauf eingelassen, wäre er den Ruf der lahmen Ente nicht mehr losgeworden. Dabei hätte er gerade für die Umsetzung seines Herzensprojekts „Zukunft Bahn“ starken Rückhalt benötigt. Der plötzliche Rücktritt wirft auch die Frage auf, ob Aufsichtsratschef Utz-Hellmuth Felcht sein Gremium ordentlich im Griff hat. Dass es ihm nicht gelang, bis zu der entscheidenden Sitzung eine wasserdichte Lösung herbeizuführen, zeugt nicht gerade von großer Führungsqualität. Maximilian Plück – Rheinische Post

Wenn ein Unternehmen seinen Manager verliert, obwohl der nicht weg will und auch nicht weg soll, dann ist irgendetwas gründlich schief gelaufen. Im Fall von Bahnchef Rüdiger Grube ist es offenbar die Kommunikation zwischen dem Eigentümer Bund und dem Aufsichtsrat gewesen. Und dafür trägt Verkehrsminister Alexander Dobrindt die Verantwortung. Der CSU-Mann, der sich so liebevoll um die Maut und seine persönliche Zukunft in Bayern kümmert, hat diese wichtige Personalie schlecht gemanagt. Grube ist ein Hanseat und hat seinen Stolz. Er hatte aus seiner Sicht alle Vorgaben des Eigentümers Bund erfüllt, die Bahn wieder in die Gewinnzone gefahren, die Pünktlichkeit verbessert, die Digitalisierung vorangebracht. So ein Manager, der auch andere Angebote hat, muss sich nicht in letzter Minute kleinlich drücken lassen, nicht beim Gehalt und nicht bei der Laufzeit, wenn es zuvor anders besprochen war. Nun muss Dobrindt schnell einen ähnlich Guten finden, bevor das Unternehmen wieder in Turbulenzen gerät. Einen, der die Bahn liebt.

Einen, der mit dem politischen Eigentümer Bund klar kommt und mit Hausgewerkschaften, die wie die GDL auch mal Richtung Prellbock fahren. Einen, den keine Privatisierungsfantasien treiben, sondern tatsächlich das Ziel, guter Dienstleister für die Kunden zu sein. Im Personenverkehr und mehr noch im Güterverkehr, wo die Bahn weiterhin die größten Probleme hat. Einen, der die Mitarbeiter motivieren kann. Ronald Pofalla (CDU) wird das eher nicht sein, erstens, weil die SPD im Wahljahr die Bestellung des Ex-Kanzleramtschefs kaum mitmachen wird und zweitens, weil er noch nicht lange genug im Unternehmen ist. Für Pofalla kommt der Vorgang exakt die drei Jahre zu früh, die Grube gerne weitergemacht hätte, aber nicht durfte. Dumm gelaufen für alle Beteiligten. Hoffentlich nicht auch für die Bahnkunden. Lausitzer Rundschau

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