EU-Kommission vertagt Glyphosat-Wiederzulassung

Glyphosat: Umstrittener Unkrautvernichter

EU-Kommission vertagt Glyphosat-Wiederzulassung

Immer mehr EU-Staaten wollten zuletzt gegen die Wiederzulassung stimmen: Frankreich, Italien, Schweden und die Niederlande sprachen sich dagegen aus. Auch Dänemark, Belgien und Bulgarien meldeten Medienberichten zufolge schwere Bedenken an. Deutschland und zahlreiche weitere Mitgliedstaaten hatten zudem geplant, sich bei einer Abstimmung enthalten, so dass keine qualifizierte Mehrheit für die Wiederzulassung zustande gekommen wäre.

Umweltinstitut begrüßt Vertagung der Glyphosat-Wiederzulassung als „ersten Sieg der Vernunft“

Sophia Guttenberger, Biologin am Umweltinstitut, begrüßt die Verschiebung: „Dass die Gefahren von Glyphosat für Mensch und Natur in immer mehr EU-Staaten ernst genommen werden, ist ein erster Sieg der Vernunft“. Mit Blick auf die letzten Funde von Pestizidrückständen in Lebensmitteln und im menschlichen Organismus stellt Gutenberger fest: „Ein Pestizid-Wirkstoff, der wahrscheinlich krebserregend ist, hat in unserer Nahrungskette nichts verloren und darf nicht wieder zugelassen werden.“

Erst letzte Woche hatte eine neue Untersuchung gezeigt, dass praktisch die gesamte deutsche Bevölkerung mit dem Unkrautvernichter belastet ist. Demnach fanden sich Spuren der Chemikalie in 99,6 Prozent von über 2000 untersuchten Urin-Proben aus Deutschland. „Spätestens jetzt sollte auch unser Landwirtschaftsminister einsehen, dass der hohe Glyphosateinsatz in der Landwirtschaft nicht mehr zu vertreten ist“, schlussfolgert Guttenberger. Das Umweltinstitut hatte erst kürzlich Glyphosat-Rückstände in Produkten der 14 beliebtesten deutschen Biermarken nachgewiesen. Auch in Getreide, Backwaren und Hülsenfrüchten ist der Stoff schon gefunden worden.

Guttenberger kritisiert insbesondere die Rolle des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) im Rahmen der Wiederzulassung. „Das BfR war federführend für die Bewertung von Glyphosat verantwortlich. Doch anders als man von einer Bundesbehörde erwarten würde, hat das BfR in seinem Bewertungsbericht Angaben der Industrie zunächst ungeprüft übernommen“, so Guttenberger. Die Bewertung des BfR sei deshalb fehlerhaft, wie 94 renommierte WissenschaftlerInnen am vergangenen Donnerstag kritisierten. Umweltinstitut München: Sophia Guttenberger, Karl Bär, Fabian Holzheid

Monsanto: Klage gegen den Staat Kalifornien, weil dieser Glyphosat auf die Liste der giftigen Chemikalien setzen will

Glyphosat steht nicht erst seit gestern in der Kritik. Das Pflanzengift als Komponente des vom Konzern Monsanto vertriebenen Herbizids Roundup gilt vielen als Paradebeispiel für skrupellose Konzerninteressen.

Nun soll Glyphosat zudem in die Liste der giftigen Chemikalien, der Proposition 65, im US-Bundesstaat Kalifornien aufgenommen werden. Ein Vorhaben, das dem Konzern natürlich nicht gefällt und der deswegen nun den Staat Kalifornien verklagen wird.

Die Entscheidung Kaliforniens folgte der Einordnung Glyphosats durch die International Agency for Research on Cancer (IARC) der Weltgesundheitsbehörde vom März 2015 als „wahrscheinlich krebserregend (probable carcinogen)“. Grundlage für diese Einordnung bildeten „begrenzte Hinweise (limited evidence)“ auf eine Verbindung zwischen dem Pflanzengift und Non-Hodgkin-Lymphom beim Menschen, wie auch „überzeugende Beweise (convincing evidence)“ auf eine Verbindung mit anderen Krebsformen bei Nagern.

Bereits im September 2015 gab daraufhin Kalifornien bekannt, dass es Glyphosat in die Liste schädlicher Chemikalien, der Proposition 65, aufnehmen werde. Proposition 65 ordnet die Benachrichtungen und Kennzeichnung aller Stoffe an, die Krebs, Geburtsfehler oder andere Fortpflanzungsschäden verursachen und verbietet deren Einleitung ins Trinkwasser des Staates.

Natürlich wies Monsanto die Einordnung von Glyphosat durch die IARC sofort zurück und profitiert nach wie vor davon, dass Roundup weltweit das am meisten eingesetzte Herbizid ist – auch wenn immer mehr Staaten den Einsatz von Glyphosat teilweise oder in Gänze verbieten.

Auch das Center for Food Safety (CFS, Zentrum für Lebensmittelsicherheit) glaubt, dass die Aufnahme Glyphosats in die Liste des Proposition 65 zwingend vorgenommen werden muss. Deswegen hat die Organisation jetzt auch einen Antrag bei der Monsanto-Klage eingebracht:

CFS war eine der ersten Organisationen mit öffentlichem Interesse, dass das Bewusstsein erhöhte, wie der Einsatz von Glyphosat in Roundup Ready-Anbausystemen herbizidresistente Unkräuter fördert und die Verwendung des Herbizids die schädlichen Auswirkungen, die damit verbunden sind, erhöht, und [CFS] hat sich immer bemüht die Pflanzung und Zulassung von Glyphosat-resistenten, gentechnisch veränderten Pflanzen aufgrund von Bundesrechtsstreitigkeiten zu verhindern.

Angetrieben von einer Öffentlichkeit, die immer mehr ihr Recht auf Informationen einfordert, fordert das CFS mehr Transparenz und das Recht über Risiken informiert zu werden, die aufgrund des Einsatzes giftiger Substanzen bestehen. Monsantos Klageversuch gegen eine solche Kennzeichnung in Kalifornien verdeutlicht einmal mehr die Gleichgültigkeit, die dieser Konzern an den Tag legt. Gleichgültigkeit gegenüber der weltweiten Schädigung der Bevölkerungen und gegenüber der bewussten Zerstörung des Planeten. Stattdessen steht reine Gier und der Profit im Vordergrund.

Sollte Monsanto vor Gericht gewinnen, wäre das ein schwerer, wohl nicht wieder gut zu machender, Schlag gegen das Recht der Menschen wissen zu wollen, was schädlich und gefährlich für sie ist. Zudem wäre es das falsche Signal, dass Profit auf Kosten aller anderen durch eine arrogante und gierige Industrie wichtiger sind als Menschenrechte und die Unversehrtheit der Bevölkerungen.

Leider ist zu befürchten, dass Monsanto auch diesen Rechtsstreit für sich entscheiden kann. Ein Vorgeschmack auf das, was uns mit TTIP und CETA in Zukunft verstärkt erwartet. Quelle: www.konjunktion.info

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